2 Tage, 3 Länder

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Von Bella Union (Uruguay) nach Brasilien

An diesem Tag stand für uns wieder eine Grenzüberquerung auf dem Programm. Bella Union liegt im äußersten Nordwesten Uruguays. Westlich von dem kleinen Ort, direkt auf der anderen Seite des Rio Uruguay (Fluss), liegt Argentinien. In Richtung Norden findet sich ein weiterer Fluss (der Rio Quaraí) welcher die Grenze zu Brasilien darstellt.

Die einzige Möglichkeit von Bella Union nach Argentinien zu kommen ist eine Fähre (diese fährt nur an einigen Tagen in der Woche). Eine Brücke nach Argentinien gibt es nicht. Aus diesem Grund entschieden wir uns für die Weiterreise nach Brasilien, da in diese Richtung eine Brücke vorhanden ist und wir so entsprechend einfach drauf los radeln konnten. Unser erstes Ziel an diesem Tag war daher die uruguayische Migration, welche direkt an der Brücke liegt.

Ausreise ja, Einreise nein

Nach etwa 12 Kilometern erreichten wir den uruguayischen Grenzposten. Die Formalitäten waren schnell geklärt und innerhalb von Sekunden hatten wir beide unsere Ausreisestempel im Pass. Da wir vorher bereits gehört hatten, dass es auf der anderen Seite der Grenze keine brasilianische Migration gibt, fragten wir sicherheitshalber noch einmal nach.

Die Grenzbeamtin bestätigte uns, dass wir, wenn wir offiziell in Brasilien einreisen wollen, dies in der ca. 70 Kilometer entfernten Stadt Uruguaiana machen müssten. Alternativ sei ebenfalls möglich dort die Brücke nach Paso los Libres (Argentinien) zu überqueren und direkt wieder in Argentinien statt in Brasilien einzureisen. Dies war auch unser Plan. Zwar bezweifelten wir, dass wir den anderen Grenzposten noch an diesem Tag erreichen würden, entschieden uns aber einfach für weiterfahren.

Achtung: Falls jemand mit dem Rad unterwegs ist und plant von Bella Union nicht nach Uruguaiana zu fahren, sondern statt dessen direkt nach Osten ins Innenland abzubiegen, ist scheinbar keine offizielle Einreise in Brasilien möglich. Dies dürfte wohl spätestens bei der Ausreise aus dem Land zu Problemen führen. Daher würden wir dazu raten in diesem Fall einen anderen (der weiter östlich gelegenen) uruguayanisch-brasilianischen Grenzübergänge zu wählen und vorab zu recherchieren, ob es hier nicht nur Ausreise- sondern auch Einreisestempel gibt.

Ein Tag in Brasilien

Direkt hinter der Brücke rollten wir in das Zentrum des Ortes Barra do Quaraí. Da wir die Grenze ohne viele Lebensmittel im Gepäck überquert hatten, stoppten wir hier direkt an einem der vielen Supermärkte und deckten uns mit Essen für den restlichen Tag ein. Die Taschen wieder voll mit Leckereien ging es im Anschluss auf die Landstraße BR-472 in Richtung Uruguaiana.

Nachdem wir am Vortag mit starkem Gegenwind zu kämpfen hatten, rechneten wir morgens nicht unbedingt damit die komplette Strecke bis Uruguaiana an einem Tag zu fahren. Zum Glück hatte der Wind inzwischen jedoch nachgelassen, es rollte sich wieder viel besser und entsprechend schienen auch die insgesamt rund 80 Kilometer von Bella Union bis Uruguaiana sehr gut an einem Tag machbar.

„Die Straße nach Uruguaiana gehört zu den gefährlichsten…“

Wie schon so oft auf unserer Reise durften wir an diesem Morgen mal wieder eine handvoll gut gemeinte „Ratschläge“ mitnehmen. Wir können inzwischen nicht mehr zählen, wie oft wir vor bestimmten Straßen gewarnt wurden. Immer sind diese „die gefährlichsten“ – am besten nicht nur der Region sondern des ganzen Landes. Würden wir auf alle diese Menschen hören, hätten wir unsere Räder direkt nach unserem Start im Januar auch wieder einpacken können. Nur selten haben sich diese Warnungen in den letzten Monaten bewahrheitet.

Heute hatten wir mal wieder Glück: Wir hatten (wie so oft) keine Ahnung, warum ausgerechnet diese Straße nun gefährlicher sein sollte als andere. Okay, es gab keinen Seitenstreifen. Allerdings herrschte an diesem Vormittag ebenfalls fast kein Verkehr und die Straße war durchgehend in ziemlich gutem Zustand. Alles in allem also fast perfekt.

Auf der BR-472 nach Uruguaiana

Überraschenderweise änderte sich auch die Landschaft nach der Grenze recht schnell. Die Region durch welche wir nun radelten war wesentlich trockener als der Norden Uruguays. So bestand die Landschaft um uns herum nun plötzlich nicht mehr großteils aus grünen Wiesen, sondern vermehrt aus trockenen, gelblichen Büschen und Zuckerrohr-Feldern. Auch Hügel gab es weniger als auf der anderen Seite der Grenze und vor allem war auch das Wetter plötzlich wieder angenehm warm. Vermutlich war letzteres pures Glück, aber wir freuten uns dennoch über diese angenehme Begrüßung in Brasilien.

Uruguaiana

Nach insgesamt etwa 80 Kilometern vorbei an Zuckerrohrfeldern, winzigen Dörfern und viel unbewohnter Landschaft erreichten wir die Stadt Uruguaiana. Dank unseres Gastgebers, dem Pastor Dardo Jesus in Bella Union, hatten wir in der Stadt bereits eine Unterkunft für die Nacht. Es ging erneut in eine Kirche, welche ein befreundeter Pastor von ihm leitete.

Als wir auf den Hof vor dem Pastorat rollten wurden wir direkt sehr herzlich von einer Angestellten der Gemeinde empfangen. „Pastor Fernando hat mir bereits gesagt, dass ihr heute ankommt. Er ist auf reisen, aber kommt rein, ich zeige euch gleich euer Zimmer! Außerdem hat er gesagt, dass ich euch essen kaufen soll. Ihr seid doch bestimmt hungrig! Und wollt ihr vielleicht duschen? Unsere Dusche ist leider gerade kaputt und hat nur kaltes Wasser, aber ich rufe gerne sofort jemanden an damit ihr duschen könnt.“ sprudelte es aus der freundlichen Dame heraus. Auch zwei weitere Gemeindemitglieder waren anwesend und überhäuften uns direkt mit Fragen. Ich hatte derweil, nach über sechs Monaten in spanischsprachigen Ländern, durchaus Mühe mit dem Übersetzen hinterher zu kommen. Schließlich war mein letzter wirklich langer Besuch (ein Jahr an einer brasilianischen Uni) bereits gut fünf Jahre her und mein Portugiesisch entsprechend eingerostet.

Kurz darauf fanden wir uns in der Wohnung eines älteren Paars wieder. Hier durften wir also duschen. Während Olli als erstes duschte versuchte ich mein Portugiesisch wieder irgendwo aus der hintersten Ecke meines Kopfes herauszukramen. Als ich dann endlich unter die Dusche wollte rief Olli mir noch ein „Beeil dich, ich kann mich hier doch gar nicht verständigen“ hinterher.

Als wir uns kurz darauf frisch gewaschen von dem alten Paar verabschiedeten, lief die alte Dame noch schnell in ihre Küche. Sie wollte uns unbedingt noch ein paar frisch gebackene süße Brötchen mitgeben. Hungrig, wie immer, nahmen wir den zuckrigen Schatz dankend an.

Wieder zurück im Pastorat wurden wir einem Tisch voller Brötchen, Brotbelag, Obst und Kaffee begrüßt. Während wir aßen kam zudem eine der bei unserer Ankunft anwesenden Frauen der Gemeinde noch einmal zurück. Auch sie wollte uns gerne noch etwas für unsere Reise mitgeben und drückte uns eine prall gefüllte Tüte mit Keksen, Wasser, Instant Nudeln und Bananen in die Hand. Wir waren mal wieder baff von so viel Gastfreundschaft und davon, wie viele Menschen es doch auf dieser Welt gibt, die anderen helfen wollen ohne dafür irgendeine Art von Gegenleistung zu erwarten.

Vollgefressen und glücklich fielen wir an diesem Abend ins Bett und beschlossen, dass die Grenzbeamten an der Migration ruhig noch einen Tag warten können. Aufgrund unserer Fortbewegungsart vertrauten wir darauf, dass es an der Grenze niemanden stören würde, wenn wir die 80 Kilometer von Uruguay bis Urugaiana, zumindest offiziell, nicht an einem Tag geschafft haben.

Ohne Kaffee reise ich hier nicht aus!

Am nächsten Morgen machten wir uns also wieder auf zur Grenze. Dieses Mal in Richtung Argentinien. Vorher war jedoch noch ein Stopp an einem Supermarkt angesagt, da wir Brasilien auf keinen Fall ohne einen dicken Pott Erdnussbutter sowie guten Kaffee (beides ist in Argentinien schwieriger zu finden) verlassen wollten. Auch ein paar leckere Erdnuss-Süßigkeiten, welche es in Argentinien ebenfalls nicht zu kaufen gibt, landeten in unseren Packtaschen.

Bis bald, Brasilien!

Auch diese Grenze ist von einem Fluss getrennt, über welchen eine Brücke führt. Die brasilianische Migration findet sich an einem Ende der Brücke, wahrend die argentinische an der anderen Seite, kurz vor der Stadt Paso de los Libres, zu finden ist. Da wir offiziell nicht in Brasilien eingereist waren und dies auch nicht vor hatten fuhren wir einfach an der Migration vorbei. Damit waren wir bei Weitem nicht die einzigen und so störte sich auch niemand daran.

Die Überquerung der extrem stark befahrenen Brücke war weniger spaßig, aber zum Glück auch einigermaßen schnell vorbei.

Hello again, Argentina!

Gespannt drauf was die argentinischen Grenzbeamten wohl zu unserer kleinen Verzögerung sagen würden parkten wir unsere Räder direkt neben der Migration. Zu unserer Freude interessierte sich der Grenzbeamte nicht im Geringsten für unsere kleine Verzögerung sowie die nicht vorhandenen Ein- bzw. Ausreisestempel des Nachbarlandes. Freundlich begrüßte er uns in Argentinien und wünschte eine gute Weiterreise.

Letztere war für uns an diesem Tag sehr kurz. Es ging lediglich ein paar Kilometer weiter bis Paso los Libres. Nachdem wir inzwischen wieder seit einigen Tagen am Stück auf den Bikes saßen, hatten wir am Vorabend in Uruguaiana spontan beschlossen eine Unterkunft in Paso de los Libres zu buchen und dort ein paar Offdays einzulegen. Also hieß es für uns: Ankommen, Einchecken, Einkaufen, Bier öffnen, Prost!

 

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