Auf zum Lake District!

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Am nächsten morgen nahmen wir unser Frühstück in Gesellschaft des gefräßigen Schweines ein und packten gemütlich unsere Sachen. Wir hatten keinen Grund zur Eile, da es für uns an diesem Tag nur bis Villarrica gehen sollte. In Villarrica hatten wir 2 Tage vorher einige Host bei Couchsurfing angefragt, aber am Morgen noch keine Antworten erhalten. Während des Frühstücks checkten wir noch einmal iOverlander und fanden kurz hinter Villarrica einen Wildcamping-Spot direkt am See. Somit hatten wir einen Plan B und starteten entspannt die, lediglich 30Km lange, Tour bis Villarrica.

Nach 5Km wurden wir von einem Schild darauf hingewiesen, dass die nächsten 22Km auf der S-69 eine einzige Baustelle sind. Somit ging es über Schotter und Steine weiter für uns bergauf. Vielleicht ist auch diese Strecke in Zukunft asphaltiert. Nach ca. 15Km hielten wir für einen kleinen Snack und guckten nochmal ob sich bei Couchsurfing etwas getan hatte. Bisher hatte immer noch keiner der Hosts geantwortet, aber es war ja noch früh am Tag und wir hatten ja noch einige Kilometer bis Villarrica vor uns. Da wir immer noch auf der Suche nach Imprägnierspray für unser treues Hilleberg-Zelt waren, beschlossen wir spontan uns für die drei darauffolgenden Tage eine Unterkunft über AirBnB in Pucón zu buchen.

In Villarrica angekommen stockten wir unsere Vorräte auf und kauften einen riesigen Haufen Schokolade für Sarah. In der anschließenden Snack-Pause wurden dann auch gleich 150g Schokolade sowie eine große Packung Schoko-Kekse vernichtet. Da wir auch nach unserer Pause keine Antwort über Cochsurfing erhalten hatten, beschlossen wir Plan B für die Nacht zu nutzen.

Wir fuhren also 10Km über die Uferstraße 199-CH, welche Villarrica mit Pucón verbindet. Dieser Teil der Strecke war wieder einmal geprägt von sehr viel Verkehr. Zum Glück konnten wir uns mit Hilfe unseres Stativs zumindest etwas Platz am Fahrbahnrand verschaffen.

Bei iOverlander war neben dem Wildcamping-Spot noch ein sehr billiges Hostel an derselben Stelle eingetragen. Nach der schier endlosen Baustelle waren wir beide sehr staubig und sehnten uns nach einer Dusche. Somit machten wir uns, nachdem wir den Strand erreicht hatten, auf die Suche nach dem Hostel. Nach ca 2Km schiebend durch den Sand wurde uns klar, dass besagtes Hostel nicht existiert und somit auch keine Dusche. Schon blöd, wenn man eine Plattform wie iOverlander für Werbezwecke “missbraucht” und dann zu doof ist die richtigen Koordinaten einzutragen. Zum Glück hatten wir mittlerweile auch das Ende des Strandes erreicht und neben einem Fluss, der in den Seen mündete, direkt einen super Platz für unser Zelt entdeckt. Wir bauten also flink unser mobiles Zuhause auf und wuschen uns, zumindest oberflächlich im ziemlich kalten, See.

Während wir gerade unser Abendessen kochten, tauchten auf der anderen Seite des Flusses zwei Franzosen mit einem Landrover auf. Auch sie hatten den Platz über iOverlander gefunden.

Den restlichen Abend nutzen wir um einige schöne Aufnahmen vom Sonnenuntergang zu machen und krochen ziemlich früh in unsere Schlafsäcke.

Am nächsten morgen beschlossen wir, dass wir keine Lust hatten wieder 2Km retour durch den Sand zu schieben. Wir nahmen lieber die Abkürzung durch den Fluss. Während wir also zu erst unser Gepäck und dann unsere Räder durch das etwa knietiefe Wasser beförderten, wunderten wir uns, warum unsere französischen Nachbarn die ganze Zeit um ihr Auto herum krabbelten.

Während wir unsere Räder beluden erzählten sie uns, dass sie eine kleine schwarze Schraube ihrer Kameraausrüstung im, ebenfalls schwarzen, Vulkansand verloren hatten. Wir wünschten ihnen für ihre weitere Suche viel Erfolg und rollten gemütlich auf der Gravelroad zurück bis zur Uferstraße. Es war definitiv die bessere Wahl sich kurz nasse Füße zu holen als erneut über den Strand zu schieben.

Villarrica See – Pucón

Bis Pucón waren es nur 10Km und unser Airbnb war eh erst gegen 15 Uhr bezugsfertig. Wir hatten also mehr als genug Zeit im Gepäck. Dennoch rollten wir recht zügig, denn die Uferstrasse macht als Radfahrer einfach keinen Spaß. Von Pucón wussten wir bereits im Vorfeld, dass es einer der touristischen Orte der Region ist. So reiht sich Hotel an Hotel und Restaurant an Restaurant. Zudem gibt es noch ca. 20 Outdoor-Shops. Wegen letzteren hatten wir uns bewusst für einen Aufenthalt entschieden. Die Chance war hier nämlich groß das passende Imprägniermittel zu finden. Während wir von einem Shop zum nächsten schoben um das richtige Imprägniermittel zu finden, trafen wir die beiden Franzosen wieder. Sie hatten nach eineinhalbstündiger Suche aufgegeben und versuchten nun einen Ersatz für das Schräubchen in der Stadt zu finden.

Nachdem wir fündig wurden widmeten wir uns erst einmal einer unserer Lieblingsbeschäftigungen: Snack Pause! Irgendwann war es spät genug und wir rollten weiter zu unserer Airbnb-Gastgeberin Daniela.

Daniela berichtete, dass sie sich durch ihre Vermietung ihre eigenen Reisen finanziert. Sie hatte kurz vor unserer Buchung Aufgrund der Nebensaison ihre Preise gerade um 30% reduziert. In 6 Wochen wollte sie ihr Airbnb für die nächsten 4 Monate komplett schließen, um selbst durch Australien zu reisen.
Bei Daniela nutzen wir ausgiebig die Küche und mampften unter anderem selbstgemacht Empanadas. Ihre großzügige Terrasse wurde erst zum Imprägnieren des Zeltes genutzt und danach von mir zur Fahrradwerkstatt umfunktioniert. Nach der letzten 22 Km Baustelle, inklusive unendlichen Ladungen Staub, war es zum sechsten Mal seit dem Start unserer Reise am 13.01.19 an der Zeit die Räder sorgfältig zu warten.

Pucón – Lincan Ray

Da wir keine Lust hatten wieder über die stark befahrene Uferstraße über Villarrica nach Lican Ray zu fahren, suchten wir nach einer alternativen Route. Nach einiger Recherche fanden wir auf Maps.me eine Gravelroad die parallel zur Uferstraße durch die Berge führte. Somit ging es mal wieder über Schotter und losen Kies bergauf.

Auf unserem Weg trafen wir einen älteren Herren auf einem Mountainbike. Als wir gerade nach ihm vorbeifahren wollten, sprach er uns auf Deutsch an. Franklin, so hieß er, war vor einigen Jahren nach Villarrica ausgewandert. Während unserer kurzen Unterhaltung lud er uns zu sich nachhause ein. Seine Einladung passte leider nicht in unseren Zeitplan, da wir für den nächsten Abend bereits einen Host über Warmshowers.org in Coñaripe gefunden hatten. Wir bedankten uns herzlichst bei Franklin und tauschten Telefonnummern aus.

Während wir uns noch über den lustigen Zufall unterhieten und uns darüber freuten, dass die Strasse wieder asphaltiert war, bogen wir anscheinend falsch ab. Der fette Downhill endete daraufhin damit, dass wir wieder auf der Uferstraße landeten. Wir beschlossen einen kurzen Stopp einzulegen, etwas zu essen und einen erneuten Blick auf die Karte zu werfen. Zu unserem Glück konnten wir die Uferstraße nach 4Km wieder verlassen und so auf unsere ursprüngliche Route zurück kehren. Leider bedeutete dies aber auch, dass wir den kompletten Berg ein zweites mal erklimmen mussten.

Kurz hinter Villarrica beschlossen wir auf die Hauptstraße zu wechseln. Die Alternativen hätten uns nämlich ausschließlich über Gravelroads geführt. In diesem sehr touristischen Teil des Lake Districts ist gefühlt jedes Fleckchen eingezäunt. Daher fuhren wir weiter bis Lican Ray, um uns dort auf die Suche nach einem Campingplatz zu machen. Der erste Campingplatz im Ort wirkte aufgrund der Nebensaison leer und geschlossen, war er aber zum Glück nicht nicht. Nachdem ich kurz über den Preis mit der Dame verhandelte, einigten wir uns auf 6000 statt 8000 Pesos für die Nacht.

Da es recht frisch geworden war und wir beide ziemlich Kohldampf hatten, beschlossen wir die anstehende Arbeit zu teilen. So fuhr Sarah flink zum nahen Supermercado und besorgt Futter und günstigen Rotwein. Ich baute in zwischen schon einmal das Zelt auf und bereite den Kocher für das Abendessen vor.

Auf dem Campingplatz war außer uns nur noch ein weiteres Pärchen zu Gast. Die fehlenden Gäste wurden durch vier Hunde, zwei Katzen, ein Pferd und eine ganze Truthahn-Gang kompensiert. Somit mangelte es uns nicht an Gesellschaft. Während unseres verdienten Bechers Rotwein nach 60Km zum Abschluss des Tages ging einer der Truthähne laut gackernd auf mich los. Ich wäre vor Schreck beinahe vom Stuhl gefallen. Sarah ebenfalls, aber vor Lachen.

Kurz vor dem schlafen gehen meldete sich noch kurz Carla, unsere Gastgeberin für den nächsten Tag bei uns. Sie fragte ob wir es bis 12 Uhr zu ihr schaffen würden. Die restliche Strecke betrug nur noch ca. 20 Km und somit bejahten wir und stellten unseren Wecker, damit wir auch definitiv früh genug wach würden.

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