Feuchtgebiete & Freunde von der Tankstelle

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06.09.2019 – 09.09.2019

Chaco – Tag 3

Es ging für uns weiter über die kaum befahrene RN 86. Auch an unserem dritten Tag in “der grünen Hölle” Chaco hatten wir mal wieder mit extremer Luftfeuchtigkeit und Temperaturen von knapp 40°C zu kämpfen. Trotzdem rollte es sich gut und wir legten an diesem Tag 85 Kilometer bis Villa General Güemes zurück.

Eine weitere Nacht hinter einer Tankstelle

Als wir dort stoppten wurden wir direkt zum Gesprächsthema der Angestellten. Entsprechend schnell kamen wir mit diesen ins Gespräch. Pablo, einer der Mitarbeiter, war besonders begeistert: “Was für eine unglaubliche Reise. Ihr macht das was sich niemand traut, aber alle wollen. Stattdessen leben lieber alle weiter in ihrer Routine und zack, ist das Leben vorbei.” Nachdem wir ein bisschen geschnackt hatten, erlaubte er uns unser Zelt für die Nacht auf der Wiese hinter der Tankstelle aufzustellen.

Da es noch recht früh war und die Sonne weiterhin erbarmungslos vom Himmel ballerte, setzten wir uns zunächst mit einem kühlen Bier in den Schatten. Im Laufe des Abends lernten wir dort, wie auch schon im letzten Dorf, das gefühlt halbe Dorf kennen. (In der Realität waren es dieses Mal jedoch wesentlich weniger Menschen.) Wir bekamen Besuch vom Englisch Lehrer des Ortes, der von Pablo gehört hatte, das wir an “seiner” Tanke zu Gast sind. Er wollte unbedingt mit uns quatschen, um eine Geschichte für seine Schüler zu haben, die “beweist”, dass es sich auch in diesem Dorf weit weg von allem lohnt, eine andere Sprache zu lernen.

Etwas später gesellte sich ein Grüppchen von vier Personen – zwei davon aus dem Ort, zwei aus Paraguay – für weitere Biere zu uns. Es folgten Einladungen auf viele weitere Biere sowie in die Dorfdisko. Letzteres lehnten wir dankend ab, da wir dringend Essen, Zelt aufbauen und ins Bettchen mussten – ansonsten wären wir am nächsten Tag wohl nirgends hingekommen.

Chaco – Tag 4

Direkt an der Tankstelle, wo wir die Nacht verbracht hatten, gabelt sich die Straße. Der Empfehlung unserer Couchsurfing Hosts aus Clorinda folgend, ging es für uns weiterhin auf der RN 86 entlang. Dies bedeutete zwar einen kleinen Umweg gen Norden, der jedoch auch umgehend belohnt wurde: Die Landstraße war ab hier noch weniger befahren als zuvor, da die direkte und besser ausgebaute Strecke zu den nächsten großen Städten weiter südlich verläuft. Wir sahen schnell, warum die RN 86 für Auto- und LKW-Fahrer keine gute Alternative darstellt, da wir in den nächsten zwei Tagen um Millionen gigantische Schlaglöcher herum navigierten. Wir fanden jedoch: Zum Radfahren ist die Strecke perfekt!

Trotz Wolken kletterten die Temperaturen erneut auf über 35° C. Umgeben von wunderschöner Sumpflandschaft litten wir an diesem Tag ein kleines bisschen mehr als an den Tagen zuvor, Kater sei dank. Nach 60km Bier rausschwitzen beschlossen wir: Lets call it a day! Wir suchten uns eine Unterkunft in San Martin II und wurden fündig: Für 500 Pesos (ca. 10 Euro) mieten wir ein kleines Doppelzimmer mit Gemeinschaftsbad.

Chaco – Tag 5

Kaum zu glauben: An diesem Tag hatten wir unsere Räder tatsächlich bereits bei Sonnenaufgang beladen. Bis wir loskamen war es trotzdem wieder mal 7.45 Uhr. Während andere Radreisende über diese Uhrzeit lachen ist dies für uns ziemlich zielstrebig. Der Grund dafür waren natürlich die hohen Temperaturen der vergangenen Tage.

Unser Ziel an diesem Tag: das etwas über 90km entfernte Bañado las Estrellas. Mit Wetter-Glück an unserer Seite schafften wir an diesem Vormittag etwa 50km bevor es wieder richtig heiß wurde. Wir legten noch 10km drauf und stoppten im Ort Posta Cambio Zalazar, da wir mehr Wasser brauchten. Nachdem wir dieses von Polizisten, die an diesem Sonntag dabei waren ihre Wache zu neu zu streichen, erhalten hatten folgten noch ein paar Snacks auf dem Dorfplatz.

Im Anschluss bogen wir auf die RP28 ab und erreichten bereits mittags das wunderschöne Feuchtgebiet Bañado las Estrellas, welches durch die Umleitung eines Flusses entstanden ist.

Wir stoppten für ein paar Bilder und wurden direkt mit einer Million neuen Mückenstichen belohnt. Ohne Quatsch: Wir haben selten, vielleicht sogar noch nie, so viele Insekten auf einem Haufen gesehen. So beschlossen wir unseren ursprünglichen Plan über den Haufen zu werfen und nicht für den Nachmittag und die Nacht zu bleiben.

Da es ohnehin noch früh war stiegen wir nochmal aufs Rad und beschlossen die verbleibende Strecke von gut 40km bis zum nächsten Ort dranzuhängen. Die letzten 25km davon wurden in der Hitze zur Qual. Die Energie wich zusehends und ohne den kleinen Kuchen, den wir noch im Gepäck hatten, hätten wir es auf keinen Fall mehr in den Ort geschafft.

Völlig unterzuckert und fertig erreichten wir nach 135km Las Lomitas. Wir checkten in das erstbeste, ziemlich schäbige, Hotel ein, welches wir neben der Straße fanden. An diesem Tag schafften wir nur noch zwei Dinge: Essen und schlafen.

Am nächsten Morgen beschlossen wir entsprechend, dass ein Offday eine feine Sache wäre. Allerdings nicht in dem düsteren, fensterlosen Raum, den wir am Vortag für eine Nacht gemietet hatten.

Also war ein Umzug angesagt. Es ging in das, ca. 2 Euro teurere, Hotel Eva. Eine gute Investition! Dort holten wir alle Dinge nach, die mal wieder dringend nötig waren: Wäsche waschen, Kettenwechsel (wir fahren jeweils zwei Ketten abwechselnd), nochmal ausschlafen und natürlich sehr viel Essen!

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