Chainsaw Sarah

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Camping an der YPF Tankstelle

Nachdem am Morgen das Unwetter endlich vorbei war, frühstückten wir in aller Ruhe hinter der Tankstelle. Auch heute interessierte sich niemand dafür was wir mit unseren Zelt hinter der Tankstelle taten. Einige ältere Feuerstellen am Rande des Grünstreifens zeugten davon, dass wir anscheinend nicht die ersten waren die hier ihr Nachtlager aufgeschlagen hatten.

Wir hatten es beim besten Willen nicht eilig, da bis Pedro Luro lediglich noch 40km vor uns lagen. Gegen Mittag hatten wir dann auch erst unsere Räder beladen. Bevor wir letztendlich starteten kontrollierten wir den Luftdruck unserer Reifen und beschlossen selbige an der Tankstelle noch einmal etwas mehr aufzupumpen.

Eine unerwartete Begegnung

Während ich ungeschickt mit dem Kompressor herum hantierte gesellte sich einer der Tankwarte zu uns. Nachdem wir ihm die Frage beantwortet hatten wo wir herkommen, sprach er Sarah auf einmal, obwohl wir uns noch nicht vorgestellt hatten, mit ihrem Vornamen an. Wir guckten beide sehr verdutzt. Der junge Mann erklärte uns daraufhin, dass wir ihn über Couchsurfing kontaktiert hätten. Er hätte uns auch gerne gehostet, hatte und aber nicht zugesagt. In seiner Antwort schrieb er, dass er bei seinen Großeltern in sehr ärmlichen Verhältnissen leben würde und dass es in dem kleinen Lehmhaus nur sehr wenig Platz geben würde. Wir waren uns bei der Antwort nicht sicher, ob diese eine typisch südamerikanische, freundliche Absage war oder ob er uns einfach nur im Vorfeld auf die Verhältnisse in denen er lebt hinweisen wollte. Verunsichert zogen wir unsere Anfrage zurück. Umso mehr freute er sich uns jetzt an seiner Arbeitsstelle anzutreffen. Wir schnackten noch ein wenig über unsere Reise und verabschiedeten uns anschließend von ihm.

Weiter auf der Ruta 3 nach Pedro Luro

Da der Wind sich seit dem Vortag gedreht hatte brauchten wir bis Pedro Luro nur knappe zwei Stunden. Prall gefüllte Reifen und Rückenwind sind schon eine super Kombination.

In Pedro Luro angekommen begrüßte unsere Couchsurfing Gastgeberin Alicia uns sehr herzlich. Alicia ist 62 Jahre alt und eine von zwei Menschen in der kleinen Stadt die überhaupt bei Couchsurfing aktiv sind.

Work & Travel

Vielleicht hätten wir ihr Profil bis zum Ende lesen sollen. Da wir dies leider versäumt hatten, waren wir erst etwas irritiert als sie uns fragte wie wir die Unterkunft “bezahlen” wollten. Wir guckten wohl etwas dumm aus der Wäsche. Alicia reagierte aber sehr entspannt. “Kommt ihr beide erstmal an, geht duschen, esst etwas, probiert unbedingt meine selbstgemachte Marmelade, alles weitere klären wir später.”

Genau das machten wir auch und während wir ihre wirklich sehr gute Marmelade aßen, guckten wir nochmal auf ihr Profil und siehe da: sie hat dort angegeben, dass sie es begrüssen würde wenn man im Gegenzug für die Unterkunft ihr etwas zu Hand gehen könnte, da sie die vorhandenen Zimmer ansonsten vermietet.

Kettensägen? Immer her damit!

Frisch gestärkt machten wir uns daraufhin auf den Weg zum Supermarkt. Nachdem wir unsere Einkäufe erledigt hatten suchten wir nach Alicia. Wir fanden sie im Garten, wo sie mit einer Kettensäge die Reste eines Baumes zu Feuerholz verarbeitete. Auf unsere Nachfrage wie wir ihr behilflich sein könnten, drückte sie uns kurzerhand die Säge in die Hand. Sarah war schwer begeistert und so zerlegten wir in einer knappen Stunde den restlichen Baum. Alicia war ziemlich beeindruckt wie schnell und mit wie viel Spaß wir bei der Arbeit waren. Sie lachte und meinte die Hälfte des Baumes hätte auch dicke als Gegenleistung ausgereicht.

Nach getaner Arbeit saßen wir mit Alicia noch einige Zeit bei Mate und Marmelade auf der Terrasse. Sie erzählte uns, dass sie das Holz für die Marmeldenproduktion benötigte. Sie hatte zwar schon versucht selbige auf ihrem Gasherd zu kochen. Das spezielle Aroma würde aber nur durch das Kochen über dem Holzfeuer entstehen.

Während wir so vor uns hinschnackten und Kekse mit Pfirsch-, Quitten- und Feigenmarmelade mampften, kamen immer mehr Papageien angeflogen. Alicia erzählt uns, dass die Vögel jeden Abend zum Sonnenuntergang zurück ins Dorf geflogen kämen um auf den Stromleitungen der Gemeinde die Nacht zu verbringen. Auf Grund der riesen Menge an Tieren würden regelmäßig die Stromleitungen reißen. Ein Gespräch war zu diesem Zeitpunkt im freien auch nur noch schreiend möglich.

Ein weiterer Tag in Alicias “Huella del Carmen Homestay”

Da Alicias Zimmer mit überaus bequemen Bett und ihr Garten zum Verweilen einluden, fragten wir, ob wir noch einen weiteren Tag bei ihr bleiben dürfen. Natürlich boten wir an sie auch am nächsten Tag noch einmal bei anfallenden Arbeiten zu unterstützen. Den Deal ihr im Tausch gegen die gemütliche Unterkunft etwas zu Hand zu gehen, fanden wir letztlich nämlich mehr als fair. Sie freute sich und sagte, dass es auf ihrem Grundstück immer irgendetwas zu tun gäbe.

So blieben wir letztlich zwei Nächte bei ihr. Am nächsten Tag wollte sie lediglich, dass wir noch die restlichen verbleibenden kleineren Äste zu der Stelle tragen, an welcher sie ihr Feuerholz lagerte. Auch dies dauerte nicht sonderlich lange. Entsprechend blieb uns viel Zeit den restlichen Tag mit Kochen, Entspannen und Energie für die Weiterreise zu tanken zu füllen.

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