Cheat day

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Irgendwo im Nirgendwo (auf der N-450) bis Coelemu

Als wir am nächsten Morgen früh aus unserem Zelt krochen, konnten wir unsere Umgebung vor lauter Nebel kaum noch sehen. Nach einem kleinen Frühstück packten wir unsere sieben Sachen. Währenddessen hielt plötzlich ein kleiner Bus vor dem Hof. Zwei ältere Männer sowie ein Junge stiegen aus. Alle drei beäugten uns neugierig und riefen laut „Buenos dias“. Einer der Männer, der Besitzer des benachbarten Hofes, wie wir kurz darauf erfuhren, rief: „Ich kann euch hier auch Zement für ein richtiges Haus hingießen.“ Wir kamen sofort ins Gespräch. Alle drei waren neugierig, was uns mit unseren beladenen Rädern in diese Gegend verschlug. So erwarteten uns Fragen, welche wir in den letzten Wochen schon sehr oft gehört und beantwortet haben und welche wohl auch im weiteren Verlauf unserer Reise ständiger Begleiter sein werden: „Wo kommt ihr her?“, „Wo habt ihr eure Radtour gestartet?“, „Warum reist ihr so?“, „Gefällt euch Chile?“ etc.

Nach einem kurzen Gespräch verabschiedeten wir uns und machten uns erneut auf den Weg. Schließlich standen uns auch an diesem Tag noch viele weitere Meter Steigungen auf diversen Kilometern mit viel Schotter und Sand bevor. Immerhin war jedoch Sonntagmorgen, weshalb zumindest nicht ganz so viele Autos an uns vorbei düsten.

 

Der Nebel verschwand rasch und genauso schnell wurde es wieder staubtrocken und heiß. Als wir an einem Haus vorbeikamen, welches ein Schild mit der Aufschrift „Erdbeeren“ zierte, stoppten wir sofort. Mit einem „da müsst ihr kurz warten“ verschwand die Besitzerin auf ihren Feld. Wenige Minuten später hielten wir ein halbes Kilo frisch gepflückte, herrlich duftende Erdbeeren in einer Tüte in den Händen. Dieser Schatz kostete uns gerade mal einen Euro. Wir rollten ein paar Meter bis in den nächsten Schatten, wo wir uns sofort gierig über unsere frisch erworbene Energie hermachten. Die nächste Steigung in Sichtweite wirkte nämlich schon wieder so steil, als wolle sie lieber schiebend erklommen werden.

Wir unterhielten uns kurz darüber, ob wohl jemand zwei stinkenden Radfahrern ein paar Höhenmeter auf der, immer noch grausigen, Straße ersparen würde. Viel wichtiger war jedoch: Wasser. So blieb Olli im Schatten sitzen, während ich mich mit unseren Flaschen zu einem Haus in der Nähe begab. Die Besitzerin half gerne mit ein paar Litern aus. Als ich mich zurück zur Straße begab, sah ich von weitem, wie Olli seinen Daumen hinausstreckte – in dem Versuch einen vorbeifahrenden Pickup in Richtung Coelemu zu stoppen. Zu unserer beider Überraschung hielt dieser direkt an. An chilenisches Surfer-Pärchen stieg sofort aus. Nach wenigen Sekunden standen unsere Räder zwischen Surfbrettern auf der Ladefläche und wir saßen im Auto. Cheat Day it is!

 

Das Suferpaar war schon viel in Chile gereist. So hatten wir direkt ein Gesprächsthema und erhielten noch ein paar Empfehlungen für weitere Orte in Chile. Nach vielen Höhenmetern auf der, weiterhin extrem Radfahrer unfreundlichen, Straße waren wir den beiden noch dankbarer als zuvor.

Ziel der beiden an diesem Tag war Concepción. Auch ein weiterer Punkt auf unserer To-Do-Liste gen Süden – jedoch nicht für diesen Tag. Außerdem wollten wir ja nur raus aus der Stein und Staubhölle und uns nicht über viele Kilometer über asphaltierte Straßen fahren lassen. Da Coelemu auf der direkten Strecke der beiden (und kurz hinter dem Ende der nicht asphaltierten Straße lag), ließen wir uns dennoch trotzdem bis zu unserem Tagesziel mitnehmen. Wir wurden am Hauptplatz der Kleinstadt rausgelassen. Als letzte Empfehlung bekamen wir noch mit auf den Weg, dass wir unbedingt den lokalen „Mote“ (ein Erfrischungsgetränk mit gekochtem Weizen und getrockneten Pfirsichen) am Platz testen sollten.

Wir verabschieden uns und die beiden fuhren davon. Wir standen, verblüfft über unser Glück, es um etwa 14 Uhr statt mitten in der Nacht nach Coelemu geschafft zu haben, kurz auf dem Platz herum. Ein paar Sekunden später erblickten wir die zwei erneut. Sie liefen winkend auf uns zu. Wir überlegten kurz, ob wir etwas vergessen hatten. Dies war nicht der Fall. Sie hatten sich erneut einen Parkplatz gesucht und bereits am nächsten Stand einen „Mote“ für jeden von uns bestellt. So wurden wir nicht nur an unser Ziel gebracht, sondern auch noch auf Drinks eingeladen. Nicht das erste Mal auf unserer Reise waren wir fast sprachlos vor unglaublich viel Gutherzigkeit und Gastfreundschaft der Menschen, welche uns begegneten.

Nach einer erneuten Verabschiedung ging unser Tag ebenso grandios weiter. Wir kontaktierten Jaime, unseren Host in Coelemu. Seine Telefonnummer hatten wir von seinem Neffen Gonzalo, einem Warmshowers Mitglied, erhalten. Eigentlich hatten wir Gonzalo über die Plattform angefragt, ob wir bei ihm übernachten können. Er war selbst leider nicht in der Stadt. Kurz nach seiner Absage folgte eine weitere Nachricht: Mein Onkel nimmt euch gerne auf. Jaime sammelte uns am Hauptplatz ein. Da er etwas außerhalb des Ortes wohnt, folgten wir seinem Auto für wenige Kilometer mit unseren Rädern.

 

 

Kurz darauf fanden wir uns auf einem riesigen Grundstück mitten in der Natur wieder. Doch damit nicht genug: Jaime hatte nicht etwa einen Zeltplatz, sondern eine ganze Cabaña für uns. Diese nutzt er ansonsten nur für Freunde, welche ab und an zu Besuch kommen. So hatten wir weit mehr als nur den erwarteten Schlafplatz. Neben unserer privaten Hütte mit zwei Schlafzimmern und eigenen Badezimmer, gab es sogar einen Pool, welchen wir, ebenso wie die Küche des Hauses unseres Gastgebers, nutzen durften.

 

Nach einer ausgiebigen Dusche, Einkauf und Essen, wurden wir am Abend noch auf einen chilenischen Wein mit der ganzen Familie und Freunden eingeladen. Rund 15 Menschen hatten sich in einem offenen Haus im Garten zum Essen und Trinken versammelt. Während das Grillgut nichts für mich war, nahm ich den chilenischen Wein umso lieber an. Statt nur „einem Weinchen“ folgten diverse Flaschen, Wein, Bier und weitere Spirituosen. Wieder einmal hätten wir es nicht besser treffen können, denn unsere Gastgeber in Coelemu waren einfach wunderbar. Nach langen Gesprächen und diversen zu tiefen Blicken in unsere Gläser nahmen wir die Einladung, am nächsten Morgen auszuschlafen und noch einen weiteren Tag mit der Familie zu verbringen, liebend gerne an. Weit gekommen wären wir am folgenden Tag ohnehin nicht.

 

So verbrachten wir eine Nacht länger als geplant in Coelemu mit unseren Gastgebern und neuen Freunden, welche wir irgendwann sehr gerne erneut besuchen würden.

 

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