Coronel Dorrego

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Coronel Dorrego

Nachdem wir uns am Abend mit Hector ziemlich festgequatscht hatten schliefen wir am nächsten Morgen recht lange. Nach einen gemeinsamen Frühstück verabschiedeten wir uns und machten uns auf den Weg nach Coronel Dorrego.

Leider endet die Ex-Ruta 3 kurz hinter Bajo Hondo und so blieben uns nur zwei Optionen. Entweder über kleine Feldwege kreuz und quer zu fahren oder die Ruta 3 zu nehmen. Aufgrund des starken Gegenwindes entschieden wir uns für die Ruta 3. Circa 50km kämpfen wir, unterbrochen von drei kleinen Pausen zum Futtern in Bushäuschen, gegen den Wind an.

Vielleicht eine weitere Nacht bei der Feuerwehr?

Zehn Kilometer vor Coronel Dorrego ließ der Wind endlich nach und wir machten eine weitere Pause auf den Seitenstreifen. Wir überlegten wo wir die Nacht verbringen könnten, als ein Auto neben uns stoppte. Der Mann am Steuer des Pickups stellte sich selbst als Radreisender vor und fragte ob wir Hilfe bräuchten. Wir antworteten, dass wir nach einem Platz für unser Zelt in der Nähe von Coronel Dorrego suchen würden. Er sagte, wir sollen statt zu campen lieber bei den Bomberos im Dorf zu fragen, diese wären sehr hilfsbereit. Desweiteren empfahl er uns den chinesischen Supermarkt im Dorf anzufahren, da dieser die günstigste Einkaufsmöglichkeit im Ort sei.

Ich glaube wir wurden gerade eingeladen?

Am Supermarkt angekommen ging Sarah kurz Essen shoppen. Kaum hatten sich die Türen hinter ihr geschlossen, wurde ich von einem Mann angesprochen. Ich verstand natürlich mal wieder, wenn überhaupt, nur die Hälfte. Mein Sprachverständnis wird zwar langsam besser, aber vieles kommt mir auch weiterhin spanisch vor. Nach etwa fünf Minuten und unzähligen Wiederholungen glaubte ich, dass wir zum Kaffee eingeladen wurden. Zumindest die Wörter Kaffee, Einladung und Friseur hatte ich verstanden. Nachdem er mir den Standort seines Ladens bei Maps.me gezeigt hatte, verabschiedete er sich freudestrahlend von mir.

Als ich Sarah kurz darauf erzählte, dass wir vermutlich eingeladen wurden, guckte sie etwas verduzt und scherzte ob ich wohl alles richtig verstanden hätte. Da der Laden eh auf dem Weg zur Feuerwehr lag, beschlossen wir dem Friseur einen Besuch abzustatten.

Martin, Matias und Kaffee und Kuchen.

Vor dem Laden wurden wir schon von einen anderen Mann erwartet. Er stellte sich als Matias und Freund des Friseurs (Martin) vor. Martin hatte ihn angerufen und da auch er sich nicht sicher war, ob ich ihn richtig verstanden hatte, gebeten vor dem Laden nach uns Ausschau zu halten.

Bei einer riesigen Portion Facturas (süßes Gebäck), sagte Martin zu uns, dass er uns eigentlich gerne einladen würde bei ihm zu bleiben, seine Frau aber eine schwere Grippe habe und es deshalb nicht gehen würde.

Während sich Martin noch bei uns entschuldigte unterbrach ihn Matias. Auch er habe leider keine Zeit für uns, da er noch heute Nacht selbst mit Freunden in den Campingurlaub fahren wollte, aber seine Eltern würden sich bestimmt freuen uns kennenzulernen. Er telefonierte keine zwei Minuten mit seiner Mutter und meinte daraufhin “Ihr schlaft heute bei meinen Eltern.”

Wir guckten wohl etwas verwirrt aus der Wäsche, was zu einiger Belustigung bei den beiden führte. Matias erklärte uns, dass seine Eltern im vorletzten Jahr mit ihrem Camper in 10 Monaten von Argentinien nach Alaska gereist sind, dabei viele unglaublich hilfsbereite Menschen getroffen hätten und daher gerne Reisende
unterstützen.

Oskar und Liliana

Da seine Eltern erst gegen 23 Uhr wieder daheim waren, nahm uns Matias kürzerhand mit zu sich Nachhause zum Abendessen. Nach einer heißen Dusche gab es Pizza und Empanadas vom Lieferservice, da Matias keine Lust zu kochen hatte. Die Küche ist nämlich sein Reich und auch ansonsten sind die beiden ziemlich atypisch für das doch sehr Macho-Geprägte Argentinien.

Während Sarah sich angeregt mit den beiden unterhielt, vertrieb ich mir die Zeit mit dem Sohn der beiden beim Playstation zocken. Dafür braucht man nämlich zum Glück keinerlei Sprachkenntnise.

Gegen 22 Uhr mussten die Kinder ins Bett und Matias wollte auch langsam endlich in seinen Urlaub aufbrechen. Wir verabschiedeten uns von dem Rest der Familie und Matias fuhr uns zu seinen Eltern. Im Garten bezogen wir dort unser Quartier für die Nacht im Grillhaus der beiden.

Gegen 23 Uhr kamen Liliana und Oskar nach Hause. Nach einer sehr herzlichen Begüßung würden wir direkt aufgefordert ins Gastezimmer im Haupthaus umzuziehen. Bei mehreren Flaschen Rotwein unterhielten wir uns noch sehr lange.

Am nächsten Morgen war der Himmel voller tiefschwarzer Wolken und auch die Wettervorhersage war alles andere als gut. Liliana bot uns daher während des Frühstückes an zu bleiben bis das Wetter wieder besser werden würde. Es begann am Nachmittag wie erwartet zu regnen und hörte auch erst am späten Abend des nächsten Tages wieder auf.

Letztendlich verbrachten wir zwei weitere Nächte bei den beiden. Liliana freute sich sichtlich zwei weitere “Enkelkinder” zu haben. Wir verbrachten die Abende mit gemeinsamen kochen und anregenden Gesprächen über unsere Reisen.

Oskar war in seiner Jugend viel mit dem Rucksack unterwegs. Mit über 70 Jahren wäre dies aber nicht mehr die richtige Form des Reisens, erzählte er lachend. Somit haben sie sich einen kleinen Bus zum Camper ausgebaut und sind mit diesem im Jahr 2017 von Argentinien bis nach Alaska gefahren. Da sie auf ihrer Reise unzählige Hilfsbereit Menschen getroffen hatten, helfen sie nun liebend gerne anderen Reisenden wie uns.


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