Dead end road

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Abschied aus Mercedes

„Wenn irgendwas ist oder ihr Hilfe braucht kommt gerne zurück oder kontaktiert uns!“ Mit diesen Worten verabschiedeten uns unsere Hosts in Mercedes, bei welchen wir drei Nächte verbracht hatten. Wir bedankten uns für dieses überaus nette Angebot welches wir schon öfter beim Abschied von Couchsurfing und Warmshowers Hosts gehört hatten. Wie immer hatten wir nicht vor auf dieser Reise zurückzukehren, denn Routen doppelt fahren steht nicht auf unserem Reiseplan. Dennoch waren wir, wie schon so oft auf unserer Tour, sehr dankbar dafür, dass uns auch über unseren Aufenthalt hinaus Hilfe angeboten wurde und wir, schon wieder, an so wunderbare und herzliche Menschen geraten waren.

Über Umwege in Richtung Naturschutzgebiet Iberá

An diesem Tag ging es für uns zunächst etwa 15 Kilometer über die asphaltierte Ruta Nacional 123. Danach bogen wir auf die Ruta Provincial 29 ab.

In einer Info-PDF des Nationalparks Iberá hatten wir nämlich eine Strecke entdeckt, die nach einer interessanten alternative Route in den Park aussah. Statt auf dem direkten Weg (via Ruta Provincial 40) fuhren wir daher über die Ruta Provincial 29. Der geplante extra Loop sollte uns an späterer Stelle oberhalb der RP40 auf einen weiteren Gravel Weg führen, welcher wiederum irgendwann zurück auf die RP40 und ins Herz des Nationalparks führt. Diese Route existiert weder bei Google noch Maps.me, da dieser Weg dort einige Kilometer vor einem Fluss endet. Aber: Die Leute vom Nationalpark müssen es ja wissen. Dachten wir uns zumindest und machten uns auf den Weg.

Als erstes bekamen jedoch unsere Ortlieb Taschen noch eine zusätzliche Befestigung:

Tag 1 auf der Ruta Provincial 29

Die RP29 begrüßte uns wie erwartet mit Gravel. Verkehr herrschte hier kaum noch und die extrem wenigen Fahrzeuge die hier unterwegs waren gehörten scheinbar Bewohnern der entlang der Straße und weit auseinander liegenden, winzigen Dörfer. Fast alle dieser Dörfer bestanden lediglich aus einer handvoll Häusern entlang der 29.

An diesem Tag sahen wir wesentlich mehr alte Brücken als Ortschaften. Diese erschienen uns, in Kombination mit der roten Erde der Region, ziemlich fotogen und so stoppten wir recht häufig um Bilder zu knipsen.

Neben einigen, recht gut befahrbaren, Passagen aus fester Erde erwarteten uns auf der Straße immer wieder längere steinigere Abschnitte, teils mit recht losem Untergrund. In Kombination mit unseren vielen Fotostops, reichlich Hitze und Snack-Pausen im Schatten sorgten diese dafür, dass wir an diesem Tag nicht besonders schnell vorankamen.

Am Nachmittag entdeckten wir einen halbwegs okayen Platz für unser Zelt neben einer der Brücken. Zwar lag hier etwas Müll und auch das Flüsschen glich eher einem siffigem Tümpel, aber wir beschlossen dennoch hier für die Nacht zu stoppen. Wirklich gute Campingspots hatten wir an diesem Tag nämlich kaum gesichtet, da die Umgebung nicht besonders Zelt-freundlich war. Zu viele hohe Gräser, zu stachelige Gewächse oder auch zu nass…eben alles, was nicht gerade ideal zum Campen ist.

Tag 2 auf der Ruta Provincial 29

An unserem zweiten Tag auf der RP29 wurde die Straße immer steiniger. Ein paar vorhandene Abschnitte aus festerer Erde boten zwischendurch zumindest etwas Erholung vom ständigen Gewackel. Insgesamt kamen wir jedoch noch langsamer voran als am Tag zuvor.

Die winzigen Dörfer waren derweil einem weitläufigem Nichts gewichen, welches alle paar Kilometer durch ein einzelnes einfaches Haus unterbrochen wurde. Dazwischen Savannenartige Landschaft mit vielen Gräsern und wenigen Bäumen, ab und an ein paar Kühe und natürlich weiterhin rote Erde.

Was für eine Straße?

Wir erblickten das Haus eines Gauchos und stoppten. Da unsere Karten sich nicht ganz einig bezüglich unserer geplanten Route waren, wollten wir lieber einen Local fragen. Der ältere Herr gab uns gerne eine Auskunft, nachdem er die auf uns zurasenden bellenden Hunde zurück gepfiffen hatte. „Nein, da könnt ihr nicht abbiegen. Ihr müsst die 29 weiter bis zur Ruta Provincial 40 fahren.“

Enttäuscht sahen wir uns an. Waren wir wirklich seit gestern früh unterwegs – inzwischen stinkend ohne Ende und bis oben hin voll mit rotem Staub (der dank Schweiß und Sonnencreme eine ganz besonders gut haltbare Panade auf der Haut ergab)– , um am Ende nur 20 Kilometer von Mercedes entfernt doch die RP40 zum Nationalpark nehmen zu müssen? Wir fuhren weiter und beschlossen eine weitere Meinung einzuholen – sofern uns vor der Abzweigung noch jemand begegnen würde. Vielleicht – hoffentlich – hatte der Mann ja doch nicht recht.

Kurz vor besagter Abzweigung trafen wir auf zwei Männer, die gerade an einem liegen gebliebenen Auto bastelten. Leider bestätigten auch sie, was uns der Gaucho wenig zuvor schon erzählt hatte: Die Straße hat irgendwann ein dead end. Sie geht erst einige Kilometer später, auf der anderen Seite eines Flusses, weiter. Scheinbar wurde die Verbindung zwischen den beiden Straßenabschnitten niemals fertiggestellt.

Mit dreimal der gleichen Meinung im Gepäck beschlossen wir nicht abzubiegen und den Männern zu trauen. Für Experimente hätte unser Essen in den Packtaschen nämlich nicht gereicht, denn der nächste und einzige Ort im Nationalpark, Carlos Pellegrini, war auch auf direkterem Weg noch zwei weitere Fahrtage entfernt.

Ciao, Mantel

Also zurück Richtung 40, fast direkt bis nach Mercedes. Während wir noch unseren Gedanken bezüglich unseres zweitägigen, zum Glück immerhin sehr hübschen, nun aber dennoch etwas sinnlos scheinenden, extra Loops nachgingen, erschallte ein extrem lautes „BÄM“.

Leider war mein Fahrrad der Verursacher des Geräusches. Ich kam sehr abrupt zum Stehen und war froh, dass wir an diesem Tag so langsam unterwegs waren. Die Ursache war leider unübersehbar: Meinen Mantel, der auch vorher bereits in keinem guten Zustand mehr war, hatte es komplett zerlegt – und den Schlauch natürlich gleich mit. Letzteres war nicht weiter dramatisch.

Houston, we’ve got a problem…

Der kaputte Mantel hingegen stellte ein ernsthaftes Problem dar. Unseren einzigen Ersatzmantel hatten wir kurz zuvor in Mercedes an Ollis Rad verbaut. Seit zwei Tagen waren wir nun ohne Ersatzmantel unterwegs. Das erste Mal auf unserer gesamten Reise. Danke, Murphy.

Entsprechend standen wir recht blöd da. Ohne Ersatz und in einer Gegend in der wir seit Stunden exakt drei Menschen gesehen hatten. Vor meinem inneren Auge sah ich uns bereits den restlichen Tag (und vielleicht auch noch einen Teil des nächsten) bis zur, vermutlich zumindest etwas mehr befahrenen, Ruta Provincial 40 schieben. Dort würde uns dann hoffentlich irgendjemand bis in den nächsten Ort mitnehmen.

Mehr Glück als Verstand

Noch während ich dies dachte, kam auf einmal einer der Männer, die wir kurz zuvor nach dem Weg gefragt hatten, auf uns zu gefahren. Ich lief ihm winkend entgegen und er stoppte sofort. Ich erklärte unser Problem.

Kurz darauf luden wir unsere Räder auf seinen Pickup und konnten unser Glück kaum fassen. Er war auf dem Weg nach Mercedes und nahm uns gerne mit – wohl nicht zuletzt, da er selbst an diesem Tag bereits liegen geblieben war und auch ihm jemand helfen musste, damit er wieder aus der verlassenen Gegend nach Hause kommt. So hatten wir an diesem Tag scheinbar alle Glück im Unglück. Nach schätzungsweise 50 Kilometern stiegen wir am Platz des Städtchens aus, welches wir am am Morgen zuvor verlassen hatten… Moin Mercedes!

Ähm, Hi, wir sind’s wieder…

„Wenn irgendwas ist oder ihr Hilfe braucht kommt gerne zurück oder kontaktiert uns!“ – Das erste Mal auf unserer Reise mussten wir dieses Angebot in Anspruch nehmen und wählten Sebas Nummer. Nachdem wir unser Problemchen erklärt hatten, bot er sofort an mein kaputtes Rad vom Platz abzuholen. Wenige Minuten später standen er und Flor breit grinsend vor uns. Wir begrüßten die zwei mit den Worten „Das Bier geht dieses Mal auf jeden Fall auf uns“ und luden mein Fahrrad auf Sebas Pickup. Ich stieg ebenfalls auf die Ladefläche, während Olli mit seinem Rad hinter uns her fuhr.

Angekommen am Haus der beiden machten wir uns direkt auf die Suche nach einem Fahrradladen. Da (neben dem komplett kaputten) noch zwei weitere Mäntel miserabel aussahen, fiel unser Shopping etwas umfangreicher aus. Schließlich wollten wir beim nächsten Versuch nicht noch einmal auf dem Weg oder im Nationalpark liegen bleiben. Neben ausreichend neuen Mänteln stand natürlich auch viel Bier auf unserer Einkaufsliste. Was im Anschluss folgte, könnt ihr euch sicherlich denken: Bier auf, Mäntel tauschen. Natürlich in dieser Reihenfolge.

Eine Einladung zum Grillen

Da Seba an diesem Abend mit Freunden grillen wollte, packte er uns und das restliche Bier kurzerhand in sein Auto. Frisch geduscht und mit gelösten Problemchen schmeckte der kalte Hopfen-Tropfen mindestens drei Mal so gut wie an anderen Tagen. Wir schnackten noch recht lange mit den anwesenden Freunden von Seba und Gastgeber Nico.

Als es für uns einige Stunden später, leicht angetüddelt und glücklich, ins Bett ging, hatten wir einen neuen Plan: Am nächsten Tag zurück in Richtung Iberá fahren. Dieses Mal jedoch direkt über die 40 und mit ankommen… in Carlos Pellegrini und nicht in Mercedes!

Am nächsten Morgen wurden wir erneut mit den Worten: „Wenn irgendwas ist oder ihr Hilfe braucht kommt gerne zurück!“ verabschiedet. Grinsend und mit einem „Dieses Mal hoffentlich nicht. Aber vielleicht holt ihr uns ja nächstes Jahr irgendwo mit dem Bus ein!“ stiegen wir noch einmal in Mercedes auf unsere Räder.

 

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