Der Tag der Gnocchi

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Hola, Argentina!

Unser erstes Gespräch in Argentinien an der Grenze Huahum verlief ähnlich wie jenes, welches wir Minuten zuvor in Chile geführt hatten. Nach den üblichen Fragen (wie zum Beispiel unserer ersten Adresse in Argentinien) kam das Thema erneut auf unsere Fahrräder. „Habt ihr diese aus Deutschland eingeführt oder in Chile gekauft?“ „Aus Deutschland mitgebracht.“ „Dann brauche ich den Zettel der dies bezeugt, welchen ihr gerade an der chilenischen Grenze erhalten habt.“ Wir schauten uns verwundert an. Der chilenische Grenzbeamte hatte uns gegenüber Minuten zuvor noch behauptet, dass er besagten Zettel, welchen wir niemals von irgendjemandem erhalten hatten, selbst einkassieren wollte. „Haben wir nicht.“ lautete entsprechend erneut unsere Antwort. „Den hätten euch die Chilenen aber geben müssen.“ Mit diesen Worten wurden wir erneut verabschiedet.

Eine genauere Kontrolle unserer Fahrräder gab es nicht. Wir ärgerten uns fast ein bisschen, da wir zuvor extra unser heißgeliebtes, geöffnetes und auf dem Markt erworbenes Lieblingsgewürz Merkén in Ollis Hose versteckt und extra keine frischen Lebensmittel dabei hatten. Theoretisch dürfen nämlich ausschließlich eingeschweißte Lebensmittel und keine frischen, geöffneten oder nicht mit irgendeinem Supermarkt-Label versehenen Waren mit über die Grenze genommen werden. Faktisch interessierte dies zumindest die beiden argentinischen Grenzbeamten des Grenzübergangs Huahum herzlich wenig.

 

Die ersten Kilometer in Argentinien

Wir schwangen uns also wieder auf die Räder. Auch auf der argentinischen Seite der Grenze erwartete uns weiterhin Gravel. Scheinbar wird die Straße aktuell jedoch erneuert. Streckenweise war der Weg mit Sand und Kies aufgeschüttet und an diesen Stellen etwas besser zu befahren als der restliche Teil der mit Querrillen und Löchern übersäten Piste. Da unsere Strecke durchgehend – mal mehr und mal weniger steil – nach oben führte, kamen wir nur langsam voran und schlitterten oftmals eher als das wir tatsächlich fuhren. Irgendwann überholten wir einen Wanderer, welcher (bedauerlicherweise für uns) in diesem Moment gar nicht mal so viel langsamer unterwegs war als wir.

Zwischendurch wirbelten uns rücksichtslose Autofahrer massenhaft Staub um die Ohren. Dank Hitze und Schweiß entstand so mal wieder eine perfekte dicke Staub-Panade auf unseren Körpern. Der Trost: Immerhin kam nur alle paar Stunden, wenn mal wieder eine Fähre anlegte, eine kleine Kolonne vorbei. Dazwischen hatten wir den Weg durch Wälder und Berge komplett für uns alleine.

Bei unserem Couchsurfing-Host in San Martin de los Andes hatten wir uns erst für den folgenden Tag angemeldet. So machten wir vor der letzten Steigung am Nachmittag halt und suchten uns einen Platz für unser Zelt in einem Waldstück nahe der Straße. Wir entdeckten schnell einen perfekten Spot, welcher von der Straße aus nicht zu entdecken, aber dennoch nicht weit weg gelegen war.

Auf nach San Martin de los Andes!

Unser Frühstück im Wald bestand aus gekochten Weizengraupen mit Zucker. Klingt vielleicht nicht sonderlich spannend oder lecker, ist aber eine unterwegs liebgewonnene Alternative zum täglichen Porridge. Danach war gerade noch genügend gefiltertes Wasser übrig, um in der Hitze bis zu unserem Ziel zu fahren.

Bis San Martin blieben nur noch 22 Kilometer und somit nun wirklich keine lange Strecke. Allerdings wurde die Straße mit jedem Meter den wir uns bewohnteren Gegenden näherten immer bescheidender. Sprich: Sie bestand irgendwann ausschließlich aus einem Mix zwischen hohen Querrillen und fetten Schlaglöchern. Da wir zudem auch ein paar Mal zum Filmen und Fotografieren stoppten, kamen wir letztlich erst zur Mittagszeit in San Martin an.

Da wir schon wieder hungrig waren, ging es zunächst zum Supermarkt statt zu unserem Host. Nachdem wir recht viel Zeit in kleinen chilenischen Käffern mit Mini-Mercados (oft eher Kiosk als Supermarkt) verbracht hatten, stand ich einige Minuten eher überfordert vor der mir riesig erscheinenden Obst und Gemüseauswahl. Da wir in diesem Moment nicht kochen wollten kaufte ich dann dennoch einfach meine Lieblings-Snacks: Avocados, Vollkorn Brot und Bier.

Im Anschluss machten wir uns auf die Suche nach dem Haus unseres Couchsurfing Gastgebers Christian. Dieser empfing uns herzlich und wir schnackten eine Weile, während wir im Garten erst einmal Brot und Bier genossen. Nachdem der erste Hunger gestillt war, begannen wir natürlich sofort wieder über Essen nachzudenken – typisch hungrige Radfahrer eben. So ging es natürlich erneut zum Supermarkt um noch etwas zum Kochen (und mehr Bier) zu kaufen.

Der Tag der Gnocchi

Da wir uns bei unseren Gastgebern gerne mit einem Essen bedanken, hatten wir Christian eingeladen mit uns zu essen. Daraus wurde allerdings nichts. „Heute ist ja Tag der Gnocchi – das habe ich ganz vergessen!“ rief er uns entgegen, als er am Abend wieder nach Hause kam. Er fuhr fort: „Wenn ihr wollt seid ihr herzlich zu meinem Freund Leo zum Gnocchi-Essen eingeladen.“ Wir beschlossen kurzerhand, dass wir uns den „Tag der Gnocchi“ nicht entgehen lassen können und stellten den Ofen einfach aus. Kürbis konnte bis morgen warten. Lieber wollten wir erst einmal herausfinden, was es mit diesem Gnocchi-Tag auf sich hat.

Während wir gemeinsam mit Leo, Christian und einem spanischen Motorradreisenden Gnocchis zubereiteten, erfuhren wir etwas mehr über die Tradition, welche auf italienische Einwanderer zurück geht. Jeden Monat werden am 29. Gnocchi zubereitet. Der Grund ist denkbar einfach: Ende des Monats bleibt oft nicht viel Geld und selbstgemachte Gnocchi sind eine sehr günstige und sättigende Speise. Entsprechend trifft man sich ende des Monats mit Freunden oder Familie, um gemeinsam Gnocchi zu verspeisen. Und wenn doch noch Geld auf dem Konto ist macht das auch nichts. Schließlich sind Gnocchi sehr lecker und der Tag ist ein guter Grund um gemeinsam mit Freunden zu kochen.

Laut Leo wird der Gnocchi-Tag von fast allen Argentiniern praktiziert. Zumindest er würde niemals einen Gnocchi-Tag auslassen. Dies bedeutet natürlich auch, dass der Gnocchi Tag im Februar einfach bereits am 28. „gefeiert“ wird. Schließlich ist ein Monat ohne Gnocchi ein schlechter Monat. Die leckere italienische Tradition wurde in Argentinien noch ergänzt. So legt man beim Essen eine Münze oder einen Schein unter den Teller. Dies soll die Wünsche für den nächsten Monat erfüllen.

Traditionen hin oder her: Wir hatten auf jeden Fall noch einen sehr netten Abend mit köstlichem Essen und ebenso köstlichem Bier. Besonders beeindruckend fanden wir den bereits erwähnten spanischen Motorradfahrer, welcher bei Leo zu Gast war. Er tourt bereits seit 2016 mit seinem Motorrad durch Afrika und Südamerika.

Eine Auszeit in San Martin de los Andes

Da der Abend sehr lang war, war am nächsten Tag erst einmal ausschlafen angesagt. Natürlich wollte auch das Essen, welches am Vorabend fast fertig gebacken wurde, noch verspeist werden. Auch unsere Räder schrien nach viel Gravel und Staub erneut nach einer kleinen Wartung.

Nach etwa zweieinhalb Monaten hatten wir zudem das Bedürfnis uns für ein paar Tage zurückzuziehen. Ohne Warmshowers, ohne Couchsurfing, ohne Zelten.

Zudem finden wir es beide ganz nett auch mal ein paar Tage hintereinander am gleichen Ort aufzuwachen. So mieteten wir uns für 4 Tage ein kleines Apartment in San Martin. Dank des sehr hilfsbereiten Besitzers konnte Olli dort endlich seinen Fahrradständer reparieren, welcher sich bereits vor einigen Wochen im Conguillio Nationalpark verabschiedet hatte. Die restliche Zeit zu füllen fiel uns nicht sonderlich schwer: auf dem Gelände fanden sich Sauna und Whirpool mit welchen sich die Pausen zwischen schreiben, Fotos bearbeiten und kochen perfekt füllen ließen.

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