Die grüne Hölle

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Chaco: Noch nie gehört?

Die Region “Gran Chaco” bzw. kurz “Chaco” (nicht zu verwechseln mit der argentinischen Provinz Chaco) umfasst große Teile West Paraguays, Südost Boliviens sowie Nord Argentiniens. Es handelt sich um ein Waldgebiet – übrigens das größte Südamerikas nach dem Amazonas –, welches für seine Biodiversität bekannt ist. Wie auch der Amazonas hat auch die Region Chaco vor allem mit einem Problem zu kämpfen: Entwaldung, welche zur Schaffung weiterer Anbauflächen stattfindet. Monokulturen und Großkonzerne lassen grüßen. Die Region mit gigantischem Ausmaß bietet rund 500 Vogel-, 150 Säugetier-, 120 Reptilien- sowie über 3400 Pflanzenarten ein Zuhause.

Grüne Hölle: Ein Spitzname den das Chaco wirklich verdient hat

Ist man mit dem Rad im Chaco unterwegs, stellt man jedoch auch schnell fest, wodurch das Chaco sich den schönen Beinamen “grüne Hölle” verdient hat. Die subtropische bis tropische Region mag zwar sehr Vogel- oder Reptilienfreundlich sein, gehört jedoch für die Spezies Mensch nicht unbedingt zu den lebensfreundlichsten Gegenden. Im Sommer herrschen in vielen Teilen des Chacos fast durchgehend knapp 50°C. Sprich: Wir waren verdammt froh im „Winter“ bzw. beginnenden „Frühling“ dort unterwegs zu sein, denn auch dieser ist verdammt heiß und das Thermometer klettert im Laufe des Tages meist hoch bis zur 40. Zumindest war dies während unserer Tage im Chaco ständig der Fall.

Während im westlichen Chaco ein semi-arides bis arides Klima herrscht, ist es im östlicheren Teil eher feucht und vor allem sumpfig. Das mögen natürlich vor allem Mücken und viel zu viele weitere Insekten verdammt gerne. Und sagen wir mal so: Mit diesen durften wir wesentlich häufiger Bekanntschaft machen als mit anderen Tieren. Platz zwei hinter Insekten belegen übrigens Vögel bzw. Vogelarten, von welchen wir in diesem Teil des Chacos (Provinz Formosa) ebenfalls unzählbar viele beobachten konnten. Reptilien sind uns (leider) keine begegnet.

Soviel als Einleitung zum Thema Radfahren im Chaco. Vielleicht könnt ihr euch nun ansatzweise vorstellen, wie unsere Tage dort aussahen: Schön schwitzig, schön von Mücken zerstochen und ja, immer wieder auch mit schöner Aussicht auf das ein oder andere von hunderten Vögeln bevölkerte Feuchtgebiet.

Chaco – Tag 2

Nach wenigen Kilometern Gravel, raus aus dem Nationalpark Pilcolmayo, ging es für uns zurück auf die Ruta Nacional 86. Irgendwo auf diesem Weg sammelte Olli einen fiesen langen Stachel ein. Entsprechend hieß unser erster Stopp an diesem Tag nach nur ca. 5 Kilometern: Reifen flicken.

An diesem Tag führte unsere Tour uns noch rund 70 Kilometer weiter bis in das winzige Dorf Portón Negro (“schwarzes Tor”). Als sich später die Gelegenheit bot musste ich natürlich fragen, woher dieser seltsame Name kommt. Fun fact: Die Gründer der Ortes haben an der Stelle an welcher heute das Dorf steht angeblich tatsächlich ein schwarzes Tor gefunden. Auch die Ortsnamen der benachbarten Dörfer sind nicht unbedingt kreativer, wurde zu der Erklärung hinzugefügt: “Einzelne Palme” war eins der mir genannten Beispiele.

Portón Negro

Auf der Suche nach einem Platz für unser Zelt stoppten wir an der Grundschule, wo an diesem Nachmittag immer noch reichlich Betrieb herrschte. Zwar konnten wir hier unser Zelt nicht aufstellen, durften aber unsere Wasserflaschen auffüllen und bekamen heißes Wasser für einen Mate (welcher in unserem Fall stets als Kaffee oder anderer Tee ausfällt, aber die ArgentinierInnen haben da eben ihre eigene Sucht) angeboten. Der anwesende Lehrer sowie der Schulrektor verrieten uns zudem, dass das 400 Bewohner zählende Dorf sehr ruhig sei und wir problemlos auf dem Platz gegenüber der Schule campen könnten.

Während wir mit den zwei Erwachsenen quatschten wurden wir von Scharen an Kindern umringt die uns allesamt anstarrten. Scheinbar war nachmittags kein Unterricht mehr, aber die Kids noch zur Aufsicht in der Schule. Ich erzählte kurz was wir in dem kleinen Ort machen bzw. wie wir reisen (auch wenn dies, dank der neben uns stehenden Räder, ja irgendwie offensichtlich war), wo wir schon waren usw.

Zunächst starrten die Kids uns alle nur weiter neugierig an und als ich unsere Geschichte mit einem “Ihr könnt ruhig Fragen stellen, wenn ihr wollt” beendete, traute sich keiner auch nur ein Wort zu sagen. Während wir auf das heiße Wasser warteten, welches uns zuvor angeboten wurde, tauten die Kids langsam auf. Ein paar “besonders mutige” mussten jedoch für alle anderen die Fragen stellen, welche ihnen aus allen Richtungen zugeflüstert wurden. Wie so oft fielen diese ungefähr wie folgt aus: „Wie heißt ihr?“, „Woher kommt ihr?“, „Wirklich mit dem Fahrrad????“ etc.

Als wir wenig später unsere Thermoskanne zurück erhielten setzten wir uns auf den gegenüberliegenden Platz. Eine Gruppe Kids verfolgte uns direkt, ein paar andere holten erst einmal noch ihre Geschwister dazu. Die Fragerunde startete erneut. Inzwischen war das Grüppchen um uns herum aufgetaut und die Fragen sprudelten nur so aus ihnen heraus.

„Bei uns im Dorf passiert niemals etwas!“ erklärte ein Junge die Neugier von allen. Ich fragte zurück: „Findest du das denn gut? Oder würdest du lieber in der Stadt leben wo mehr los ist?“ Er lachte: „Auf keinen Fall! Ich war mal in Buenos Aires, Verwandte besuchen. Das war viel zu stressig und ich war total froh als ich zurück war. Ich lebe lieber hier, das ist viel entspannter.“

Sabrina, eine der Grundschülerinnen, stellte sich als besonders neugierig heraus und wollte jedes kleinste Detail wissen und alles anfassen. Besonders faszinierend schienen unsere zusammenklappbaren Trinkbecher zu sein, welche sie immer wieder auf und zu klappte während sie uns eine Frage nach der nächsten stellte: „Wo schlaft ihr?“, „Wann baut ihr euer Zelt auf?“, „Soll ich euch einen Besen holen, damit ihr die Steinplatten vorher sauber machen könnt?“, „Wo schlaft ihr sonst?“, „Wie kocht ihr?“, „Wie weit fahrt ihr am Tag?“, „Wo geht ihr aufs Klo?“, „Wann habt ihr das letzte mal geduscht?“… Die Antwort auf letztere Frage (vor ein paar Tagen) schien sie irgendwie zu beeindrucken. Jedenfalls verschwand sie irgendwann, kam kurz darauf mit ihrer großen Schwester zurück und verkündete: „Mama sagt, dass ihr bei uns duschen könnt!“ Dieses nette Angebot nahmen wir natürlich liebend gerne an.

Ich ließ Olli also mit den restlichen Kids und unseren Rädern auf dem Platz sitzen, schnappte mein Handtuch und folgte den beiden Mädels zum Haus ihrer Mutter Rosa. Ihre andere Tochter war bereits dabei das Wasser für die Dusche zu erhitzen, denn der Tank musste mit heißem Wasser manuell aufgefüllt werden. Da dies noch etwas dauerte setzte ich mich zunächst mit Rosa vor ihr Haus.

Rosa verriet mir, dass sie selbst gar nicht gerne reist und am allerliebsten in ihrem Dorf ist. Dennoch war sie extrem fasziniert von unserer Reise. Letztlich bot sie mir an unser Zelt neben dem Haus der Familie aufzustellen. So könnten wir später auch noch ihre Toilette nutzen und uns noch etwas länger unterhalten. Bevor es unter die Dusche ging sammelte ich daher erst einmal Olli und die Räder vom Platz ein, damit er sich zu uns gesellen konnte. Irgendwie tat er mir, dort sitzend mit einem Haufen Kindern die er nicht verstand, nämlich ein bisschen leid.

„Können wir noch ein Selfie machen?“

Dies war wohl der meist gesagte Satz an diesem Abend. Während die Familie uns auf einige Mate und Tortas Fritas (frittierte Brote) einlud, kamen noch Cousinen, Freunde, Tanten und das halbe Dorf vorbei. Alle hatten gehört, dass die beiden Radfahrer nun dort anzutreffen sind – und alle wollten das gleiche: Ein Foto. Eins mit allen, dann nochmal in kleinen Grüppchen, nur mit Olli, nur mit mir usw.

So viele Fotos wurden von uns noch an keinem anderen Ort geknipst und gefühlt dürfte nun jeder aus dem Dorf ein Foto mit uns haben. Realistisch gesehen ist es vermutlich nur jeder 4te.

Darüber hinaus wurde natürlich auch unser Zelt genaustens inspiziert und die Anwesenden freuten sich über “Führungen” durch unser “Zwei Zimmer Haus”. Die Abstell-Ecke für unsere Taschen verkauften wir, zum Amüsement der Anwesenden, natürlich als Wohnzimmer.

Irgendwann waren scheinbar alle Fragen geklärt und alle Selfies geknipst. Müde und zufrieden damit wie der Tag verlaufen war, verzogen wir uns in unser Bett.

Am nächsten Morgen frühstückten wir noch mit der Familie und machten uns im Anschluss wieder auf den Weg. Es ging zurück in die “grüne Hölle”.

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