Die Puna: Der einsamste Wohnort der Welt

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Comedor Runa Cachi – Susques

Da die Gegend entlang der RN52 in Richtung Paso de Jama nicht gerade von Ortschaften übersät ist, legten wir erneut einen kurzen Tag ein. Ein Stopp im einzigen größeren Ort Susques erschien uns sinnvoll, da wir dringend unsere Essensvorräte auffüllen mussten, Geld brauchten und so langsam auch mal wieder eine Dusche vertragen konnten.

Angekommen in Susques stellten wir schnell fest, dass alle günstigen Unterkünfte mit Arbeitern aus der Region oder irgendwelchen Touristen, die an Jeep-Touren in die Region teilnehmen, belegt waren. Wir landeten daher in der „teuren“ Unterkunft des Ortes und beschlossen, dass uns eine warme Dusche und eine Nacht im Bett definitiv 20 Euro für zwei Personen wert sind. Letztlich belieben wir sogar zwei Tage in Susques und genossen einen richtigen Offday im Ort, auch wenn es dort nicht wirklich viel zu sehen gibt.

Susques – Touristen Info

Zwischen Susques und dem Paso de Jama liegen etwa 120 Kilometer. Auf dieser Strecke gibt es vor allem sehr viel Nichts, gepaart mit sehr viel Wind, denn bei der Region – der argentinischen Puna – handelt es sich um eine kaum besiedelte Hochwüste. Diese liegt zwischen ca. 3500 und 4200 Metern über dem Meeresspiegel. Die Höhe und das trockene Klima sorgen dafür, dass hier nur wenig wächst (Gräser, Sträucher und Kakteen).

So liegt zwischen der Kleinstadt Susques und dem winzigen Grenzort (Grenze zu Chile) Jama lediglich eine kleine Touristen Information mitten im Nichts (ungefähr auf halber Strecke). Da in dieser Gegend jedoch nur selten mal ein Tourist vorbei kommt, dient diese bzw. der in der Information gelegene Kiosk sowie das dazugehörige Restaurant eigentlich nicht als Info für Touristen, sondern als Pausenort für Minenarbeiter aus nahegelegenen Minen. Da diese Häuser im großen weiten Nirgendwo auch so ziemlich den einzigen Windschutz auf der Strecke darstellen, wollten wir bis dahin fahren, um herauszufinden, ob wir dort campen dürften. Wind und Wetter in der Region ist nämlich recht unberechenbar und daher jeder kleine Schutz für unser Zelt mehr als willkommen.

Minenarbeiter lernten wir bereits auf dem Weg kennen. Als wir an der Straße eine Pause einlegten stoppte ein Auto. Die Arbeiter im Auto drückten uns ungefragt ein paar Kekse sowie zwei Flachen Wasser in die Hand und düsten Sekunden später auch schon davon. Wir waren zwar noch halbwegs gut mit Flüssigkeit und Essen ausgestattet, freuten uns aber dennoch über diese unerwartete nette Geste.

Mindestens genauso verblüfft waren wir darüber, dass während unserer halben Stunde Pause überhaupt jemand vorbei kam und dann auch noch anhielt, denn in der Gegend ist nicht gerade viel auf der Straße los (eine maßlose Untertreibung, das eine Auto in der halben Stunde war sozusagen viel Verkehr).

Angekommen bei der Touristen Information machte ich mich auf die Suche nach dem Besitzer und Bewohner. Ich wurde im Kiosk fündig: Ein alter netter Herr hinterm Tresen begrüßte mich freundlich. Als ich „meinen Text“ zum Thema was wir machen und wie wir reisen begann, grinste er. Sicherlich war ihm schon bevor ich meinen Mund aufmachte klar was ich wollte – schließlich hatte ich meinen Helm noch auf und war mehr als offensichtlich Radreisende. „Neben dem Haus campen? So ein Quatsch!“ sagte er. Wenn die Minenarbeiter (diese waren gerade noch am Essen) weg sind schlagt ihr euer Zelt innerhalb der Mauern neben meinem Haus auf, das ist doch viel besser!“ Auch hier hatten scheinbar bereits sehr viele Radler*innen halt gemacht und er half Radreisenden mehr als gerne mit einem geschützten Platz für die Nacht sowie Wasser zum Trinken.

Als die Sonne sich verzog, stand ich vor den einfachen Lehmhäusern und blickte in die Ferne. „Gefällt dir wo ich lebe?“ fragte der alte (schätzungsweise ca. 70-jährige) Mann und Bewohner. Natürlich sagte ich ja, zumal die Weiten und die Einsamkeit der Region wirklich beeindruckend waren. „Ich lebe schon mein ganzes Leben hier, war niemals weit weg. Als ich jünger war gab es noch keine Mine, nur ganz wenige Familien, die hier oben gelebt haben. Später kam die Mine und die asphaltierte Straße. Die Natur wurde dadurch stark verändert und auch vieles zerstört, das macht mich traurig. Außer mir lebt hier aber eigentlich niemand mehr dauerhaft.“, fuhr er fort. „Inzwischen lebe ich hier alleine, Familie habe ich keine mehr. Meist arbeitet noch jemand anders hier, der Essen für die Minenarbeiter zubereitet. Mehr als ein paar Monate bleibt hier oben jedoch keiner außer ich. Zu dieser Jahreszeit ist es einigermaßen angenehm, aber die Winter sind wirklich hart. Es wird oft sehr windig und extrem kalt, so minus 15° Grad vielleicht. Eigentlich ist das Wetter hier oben einfach immer unberechenbar. Radfahrern helfe ich deshalb immer gerne.“

Während ich mich, wie so oft auf dieser Reise, darüber freute, wie viele gute und hilfsbereite Menschen es auf der Welt gibt, machten mich seine Worte auch sehr nachdenklich. So sehr ich es versuchte, ich konnte mir nicht wirklich vorstellen wie das Leben in der Region in seiner Kindheit ausgehen hatte. Wie die Menschen in der kargen und verdammt lebensfeindlichen Region überleben konnten. Konnte mir nicht vorstellen, wie diese ohnehin sehr einsame Ecke der Welt noch einsamer und unberührter war.

Die letzte Etappe zum Paso de Jama

Am nächsten Morgen bekamen wir noch eine Kanne mit heißem Wasser in die Hand gedrückt – wir sollten uns unbedingt noch etwas warmes zu trinken gönnen, bevor wir uns wieder auf unser Rad schwingen.

Im Anschluss ging es zurück aufs Rad. Die letzten 60 Kilometer bis Jama standen an. An diesem Tag ging es für uns jedoch noch nicht über die Grenze. Unser Plan war es, uns von Jama auf zur bolivianischen Lagunen Route zu machen. Da die Strecke auf ca. 4000 bis 5000 Höhenmetern liegt, es bis Bolivien gar keine und danach über hunderte weitere Kilometer kaum Einkaufsmöglichkeiten (sprich: mit etwas Glück Kekse, Brause und Reis o.ä.) gibt, hatten wir diese akribisch geplant und vorher ausgiebig recherchiert. Unsere geplante komoot Strecke beinhaltete daher so ziemlich alles überlebenswichtige was wir vorab im Internet zu der Region finden konnten, d.h. Wasserstellen, vorm Wind geschützte Campingspots sowie die wenigen vorhandenen Unterkünfte und winzigen Läden der Region.

Um vorher nochmal etwas Energie zu tanken mieteten wir uns in Jama für zwei Nächte eine Unterkunft. Nochmal ausgiebig entspannen, noch ein paar zusätzliche Gramm anfuttern (vor-essen sozusagen) und unsere letzten argentinischen Pesos in haufenweise Nudeln und Hafer für die Weiterfahrt investieren.

Soweit, so gut. Allerdings kam am Tag unserer Weiterfahrt dann das Leben in die Quere und warf all’ unsere perfekten Pläne über den Haufen. Aber das ist eine andere Geschichte und die gibt es nächste Woche zu lesen.

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