Drei Regeln des Überlebens

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Pillanlelbun – Cherquenco

Nach unserem kurzen Besuch in Temuco hatten wir die Nase voll von der Stadt, obwohl wir dort nur ein paar Stunden verbracht hatten. So nahmen wir die empfohlene Route unseres Warmshowers Hosts Juan in Pillenlelbun dankend an und warfen unsere ursprüngliche geplante Strecke mal wieder über Bord. Statt weiter direkt in Richtung Süden zu radeln, machten wir uns nach unseren Off-days bei Carla und Juan daher auf in den andinen Teil des Bundesstaates Araukaniens. Unser neues Ziel war nun der Nationalpark Conguillío.

Nach wenigen Kilometern auf Asphalt bogen wir auf eine Dirtroad ab. Nach rund 10 Kilometern gelangten wir auf die asphaltierte Landstraße S-31. Unser Weg führte uns durch mehrere kleinere Ortschaften. Angekommen in in der Kleinstadt Vilcun plagte uns ein Hüngerchen. Dieses stillten wir, auf dem Plaza Vilcun in der Sonne sitzend, mit Empanadas. Nach der kurzen Snack-Pause rollten wir gemütlich weiter bis nach Cherquenco. Da Cherquenco der letzte kleine Ort vor einigen weiteren Kilometern Gravel-Road und dem Nationalpark war, gönnten wir uns hier erneut eine kurze Pause mit kalten Getränken.

Gravel und Steigung und Steigung und Gravel

Mittlerweile war es später Nachmittag. So begannen wir nach dem Ort langsam Ausschau nach einem Platz für die Nacht zu halten. Auf der nun nicht mehr asphaltierten Straße rollte es sich nicht mehr ganz so schnell. Links und rechts erwarteten uns, mal wieder, ausschließlich eingezäunte Wiesen. Die meisten davon waren mit Herden von Kühen belegt. Nach einigen weiteren Kilometern entdeckten wir ein Tor zu einer Wiese ohne vierbeinige Freunde, welches nicht abgeschlossen war. Da gegenüber ein Hof lag, machten wir uns auf die Suche nach den vermeintlichen Besitzern der Wiese. Die einzigen Bewohner die wir antrafen, waren jedoch Schafe, Hunde, Hühner und Pferde.

Müde und vor allem hungrig erklärten wir die gegenüberliegende große Wiese, letztlich ohne zu fragen, zu unserem Heim für die Nacht.

Während wir am nächsten Morgen frühstückten, kam ein neugieriger Schäfer in unsere Richtung. Ich ging auf ihn zu und er begrüßte mich mit „Oh, wir haben Besuch“. Bei einem kurzen Schnack stellte sich heraus, dass er zur der benachbarten Wiese und den dort grasenden Schafherde gehörte. Dennoch versicherte er uns, dass unsere Anwesenheit kein Problem darstellte und zog wieder von dannen. So mampften wir in Ruhe weiter unser, zur Zeit stets aus Haferflocken mit Wasser, Erdnüssen, Apfel oder Birne sowie getrockneten Pflaumen bestehendes, Frühstück.

Umwege

Nach der Stärkung erwarteten uns an diesem Tag erneut loser Untergrund und eine ständige Steigung. Nach wenigen Kilometern gabelte sich der Weg. Wir waren nicht sicher, wo die von Juan empfohlene Route weiter geht. Da in diesem Moment einige Bauern auf ihrem Traktor vorbeifuhren, fragten wir nach dem Weg zum Nationalpark.

Als wir, kurz darauf, an einem Eingang des Nationalparks standen, war uns klar: Wir hätten unsere Frage wohl genauer formulieren sollen. Dies war eindeutig weder die Strecke, noch der Teil des riesigen Nationalparks, den wir suchten. Der Vulkan Llaima, welchen wir umrunden wollten, war nämlich ganz eindeutig im Weg. Ein Blick auf die Karte des Parks bestätigte, dass von unserem Standort, dem „Sector Paraguas“, lediglich die Optionen achtstündige Wanderroute über den Vulkan oder ein paar Kilometer durch den Park fahren, um diesen erneut zu verlassen und später auf die „richtige“ Route zu kommen, blieben. Zurückfahren wäre natürlich ebenfalls eine Option gewesen, welche wir jedoch direkt ausschlossen. Lieber ein paar weitere Höhenmeter und Kilometer Umweg, als erneut das Gleiche sehen.

Da auch die Wanderroute mit beladenen Rädern keine gute Idee schien und wir immer noch in den, nicht nur zum Wandern geeigneten, Teil des Nationalparks wollten, entschieden wir uns für Option Nummer zwei und radelten ein paar Kilometer durch den Park. Oder sagen wir besser: Wir krochen die meiste Zeit weiterhin im Schneckentempo bergauf.

Schutz, Wärme, Nahrung

Währenddessen erwischten uns einige Schauer und wir schlüpften in unsere Regenklamotten. „Paraguas“ bedeutet übersetzt passenderweise Regenschirm. Am Himmel zogen nach und nach immer mehr dunkle Wolken auf.

Kurz nachdem wir den „Sector Paraguas“ verlassen hatten, begann es in Strömen zu regnen. Auf losem Untergrund und stets nach oben hatten wir an diesem Tag nur knapp 19 Kilometer zurückgelegt. Da wir ohnehin beide schon eine Erkältung mit uns herumfuhren, entschieden wir uns dafür einen Platz für unser Zelt zu suchen, obwohl es erst früher Nachmittag war. Warm und halbwegs trocken bleiben schien in diesem Moment die bessere Alternative, als sich mit wachsender Erkältung weitere Kilometer durch extrem starken Regen bergauf zu quälen. Auch die Temperaturen rasant in den Keller. So beschlossen wir uns an die drei Regeln des Überlebens zu halten: Schutz, Wärme, Nahrung (eigentlich nicht Nahrung sondern Wasser, aber davon hatten wir im Moment mehr als genug).

Leider ist sauberes Trinkwasser  für viele Menschen weltweit nicht zugänglich. Deshalb versuchen wir während unserer Reise Spenden für Viva con Agua de St. Pauli e.V.  zu sammeln. Vielleicht hast du ja einen oder auch mehrere Euros über und möchtest unsere Aktion auf Betterplace.org  damit unterstützen.

Wir entdeckten eine Stelle, an welcher der aus Stacheldraht bestehende Zaun kaputt am Boden lag. Der Wald dahinter bot eine halbwegs flache Ebene zwischen den Bäumen, welche gerade so für unser Zelt ausreichte. Dies genügte uns für den Moment. Wir bauten schnellstmöglich unser Zelt auf, um ins Trockene und Warme zu kommen.

Nach einigen Stunden und einem Schläfchen am Nachmittag wagte sich Olli nach draußen, um uns schnell ein paar Nudeln mit Tomatensauce zuzubereiten. Es goss immer noch in Strömen. An diesem Tag speisten wir, in unsere Schlafsäcke eingemummelt, ausnahmsweise in unserem Zelt, während der Regen weiter auf uns hinab prasselte.

Während wir in unserem Zelt darauf warteten, dass der Regen irgendwann nachlässt, durften wir feststellen, dass die Imprägnierung unseres 15-Jahre alten Hillebergs wohl nicht mehr die allerbeste ist. Olli wollte unser mobiles Zuhause vor unserer Abreise nach Chile eigentlich noch frisch imprägnieren. Das haben wir wohl vor lauter Vorfreude vergessen und hatten nun die Quittung in Form von Feuchtigkeit dafür. Nach stundenlangem heftigstem Regen mitunter aber auch kein Wunder. Gegen Abend nahm auch der Sturm zu und wir hörten die ganze Nacht, wie Wind und Regen durch die Wälder peitschten. Zum Glück flog uns in dieser Nacht kein Ast auf unser Zelt. Dafür goss es jedoch noch 17 weitere Stunden wasserfallartig auf uns hinab.

Pläne sind zum Ändern da

Als der Regen am nächsten Mittag wieder aufhörte und die Sonne heraus kam, hatten auch unsere Erkältungen unschöne Ausmaße angenommen. So änderten wir unsere Route erneut. Neues Ziel: Der nächste Ort mit Apotheke und ein warmes Bett. Imprägnierspray kaufen und Zelt trocknen landeten natürlich ebenfalls auf der To Do Liste.

Zunächst mussten jedoch 36 Kilometer bis Curacautín geradelt werden. Nach ein ein paar Metern bergauf stellten wir begeistert fest, dass wir am Vortag scheinbar fast die komplette Steigung hinter uns gebracht hatten. So durften wir mit Husten und bis oben hin verstopften Nasen nun immerhin ein starkes Gefälle (bis zu 17%) auf dem, vom Regen verdammt ausgewaschenen und matschigen, Weg bergab ballern. Ein grandioser Spaß, trotz allem sich-scheisse-fühlens der Welt.

Auch das beeindruckende Lavafeld, durch welches unser Weg kurz darauf führte, entlohnte für die Strapazen des verregneten Vortags.

Weniger spaßig fanden wir hingegen, als Olli auf halber Strecke ein Hund vors Rad sprang. Während der Hund, dank Ollis Ausweichmanöver, ganz blieb, ging es für Olli und sein Rad volles Brett in ein tiefes Schlagloch. Das Resultat: fünf Löcher und eine etwas längere Reparatur-Pause. Diese schien an diesem Tag überflüssiger denn je.

Erkältungen vs. Brauerei-Spezialitäten

Im Laufe des Nachmittags erreichten wir das Hostel Epu Pewen, welches wir in der App iOverlander entdeckt hatten. Wir buchten uns für ein paar Tage zwei Betten in einem, für Chile super günstigen, Dorm (6000 chilenische Pesos pro Person). Diesen hatten wir am ersten Tag sogar komplett für uns alleine. Auch sonst gefiel uns das Hostel sehr gut. Wir genossen, mal wieder eine perfekt ausgestattete Küche, Garten und ein bequemes Bett zu haben.

Dort angekommen schickten wir eine WhatsApp an unseren vorherigen Warmshowers Host Juan. Auch wenn wir irgendwann von der empfohlenen Strecke abgekommen waren, wollten wir uns für die Empfehlung bedanken, da uns auch der vorherige Teil sehr gut gefallen hatte. Als er hörte, dass wir uns in Curacautín aufhalten, war seine Antwort: „Der Bruder meiner Frau hat dort ein Hostel – Epu Pewen“. Wir mussten darüber lachen, wie klein die Welt mal wieder war, denn diese Info war uns neu. Unsere Antwort war ein Bild vom Garten des Hostels in welchem wir gerade saßen – Epu Pewen.

Wir päppelten uns zwei Tage mit ein paar Tabletten, Inhalieren und vielen Vitaminen wieder auf. Bevor wir, wieder gestärkt, weiterfahren konnten, machte uns jedoch das Bierfest der Kleinstadt einen Strich durch die Rechnung. Lokal gebraute Biere und Likörchen nicht testen? Nicht mit uns! So kosteten uns diverse Brauerei-Spezialitäten der Region. Dies kostete uns, neben einigen Pesos, weitere zwei Tage.

Verkatert lauschten wir am Sonntag noch dem Hamburger Lokalderby via Internetradio. Ein überaus emotionales anliegen für Olli, welcher beim Lauschen der Gesänge aus dem Millerntor schon vor dem Anstoss und der Niederlage des einzig wahren Vereins Hamburgs – St. Pauli natürlich – einige Tränen kullern ließ.

Am Montag morgen ging es dann endlich wieder aufs Rad. Erneut zum Parque Nacional Conguillío, dieses Mal, um wirklich die ursprünglich geplante Strecke durch den Park zu fahren.

 

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Comments 1

  1. Endlich in Conguillío – THE ROAD IS LIFE
    Reply

    […] einem ausgedehnten Frühstück bestiegen wir am späten morgen unsere Räder. Jetzt sollte es endlich auf dem richtigen Weg  durch den Nationalpark gehen. Die Straße zum Park (R-925-S) ist zur Zeit eine einzige Baustelle. […]

    31 März, 2019

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