Endlich in Conguillío

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Curacautin – Conguillío

Nach einem ausgedehnten Frühstück bestiegen wir am späten morgen unsere Räder. Jetzt sollte es endlich auf dem richtigen Weg  durch den Nationalpark gehen. Die Straße zum Park (R-925-S) ist zur Zeit eine einzige Baustelle. Somit erwarteten uns, nach 8Km Asphalt, 20Km Schotter, kontinuierlich bergauf, bis zum Eingang des Nationalparks. Solltet ihr diese Strecke in der Zukunft fahren, könntet ihr mit etwas Glück gemütlich auf einer neu asphaltierten Straße bis zum Eingang des Parks rollen.

Bis zum Park brauchten wir somit dann doch fast 2 1/2 Stunden. Am Schlagbaum zum Park wurden wir von einer freundlichen Rangerin begrüsst. Nachdem wir 6000 Pesos pro Person an Eintritt bezahlten hatten, baten wir die Dame noch kurz ein Foto von uns vor dem Nationalparks-Schild zu machen. Unserer Bitte kam sie mit einem Lächeln nach. Sie erwähnte, dass Wildcampen im Park verboten ist, es aber bis zum ersten Campingplatz nur noch 12Km sind und davon auch nur 8Km gemäßigt bergauf gehen.

Finally on the right way

Unser Weg führte uns zunächst durch ein angenehm schattiges Waldstück und dann durch ein riesiges Lavafeld. In der beeindruckenden Landschaft machten wir einige Videoaufnahmen mit unserer GoPro und der Mavic Air.

Nachdem wir alles wieder sicher verstaut hatten, fanden wir eine grüne Fleece-Jacke auf der Strasse und beschlossen diese mit zum Campingplatz zunehmen. Am Ende des Lavafeldes hielten wir für einen kurzen Snack mit Blick auf den Vulkan (Llaima).

Während wir gemütlich unsere Kekse mit Tee in uns hinein mümmelten, kam aus dem nichts eine Backpackerin wild winkend auf uns zu gelaufen. Wie sich herausstellte hatte sie die Fleece-Jacke verloren und eigentlich schon als einen weiteren Verlust ihrer Ausrüstung abgeschrieben. Im vorbeifahren sah sie die Jacke auf Sarahs Gepäckträger. Leider war zu diesem Zeitpunkt der Wind so stark, dass wir ihr rufen nicht hörten und sie rund eineinhalb Kilometer hinter uns her rannte. Überglücklich bedankte sie sich bei uns und verschwand nach einem kurzen Schnack fröhlich hüpfend wieder in der Landschaft.

An der Laguna Captrén legten wir einen weiteren kurzen Zwischenstopp ein und genossen kurz die Aussicht. Kurz nach der Lagune war es dann vorbei mit “gemäßigt bergauf”. Wir mussten die letzten beiden Anstiege der insgesamt 990 Höhenmeter schiebend bewältigen. Kurz darauf wurden wir mit einem fetten Downhill durch den Wald bis zum Campingplatz an der Laguna Conguillío belohnt.

Camping an der Laguna Conguillío

Da wir uns am Eingang des Parks über die Preise der durch die CONAF betriebenen Campingplätze informiert hatten, wussten wir, dass wir pro Person 7500 Pesos zu zahlen hatten. An der Rezeption wollte man uns dann auf einmal 8000 Pesos pro Nase abnehmen. Das Argument war ziemlich fadenscheinig: “Ihr reist ja nicht mit dem Rucksack und somit seit ihr keine Backpacker und habt den Tarif für Leute die mit dem Auto anreisen zu zahlen.” Sarah zögerte nicht lange und antwortete, dass uns die Rangerin am Eingang etwas anderes erzählt hatte und wir mit unseren Räder ja wohl kaum denselben Schaden für die Umwelt fabrizieren würden wie stinkende Autos. Der junge Typ an der Rezeption überlegte kurz und fand Sarahs Argumentation anscheinend schlüssig oder hatte keine Lust auf Diskussionen. Somit zahlten wir den Tarif für Backpacker und bekamen eine kleine Parzelle zugewiesen.

An unserem Platz angekommen begrüßten uns zwei chilenische Frauen. Wir waren kurz verwundert darüber, dass unser Platz anscheinend schon belegt war. Die beiden erklärten uns, dass dies auf diesen Campingplatz normal wäre und immer bis zu drei Zelte auf einer Parzelle untergebracht sind. Wir bauten flink unser Zelt auf und beantworteten die üblichen Fragen (“Wo kommt ihr her?”, “Wo wollt ihr hin?”, “Und das alles nur mit dem Fahhrad?”).

Nach einer heißen Dusche begannen wir unser Abendessen zuzubereiten und genehmigten uns ein paar Biere, die es zu unserer Freude am Kiosk des Platzes gab. Der von der CONAF betriebene Campingplatz war sehr gepflegt und es wird versucht möglichst schonend mit der Natur umzugehen. Die Besucher werden z.B. angehalten ihren Müll zu trennen, um ein Recycling zu ermöglichen. Des Weiteren herrscht eine strikte Nachtruhe ab 23 Uhr. Die Tiere brauchen nämlich auch ihren Schlaf. Wer sich nicht an diese Nachtruhe hält, läuft Gefahr vom Platz geworfen zu werden.

Leider hatte das Pärchen auf der Nachbar-Parzelle den Absatz mit der Nachtruhe nicht wirklich verstanden. Gegen 2 Uhr Nachts platze mir, da ich trotz Ohropax immer noch nicht schlafen konnte, dann endgültig der Kragen. Freundlich, aber doch äußerst bestimmt, teilte ich den beiden mit, dass ich gerne jetzt endlich schlafen wolle und ich ihr Verhalten für vollkommen asozial halte.

Ausnahmsweise mal wandern

Nach der leider sehr kurzen Nacht standen wir um 7 Uhr bereits wieder auf. Wir hatten am Abend an einem Aushang gelesen, dass es am nächsten Tag eine geführte Tour über den Sendero de Sierra Nevada geben sollte. Die Touren werden von der CONAF für umsonst angeboten. Nach unserem Frühstück, bestehend aus Porridge mit Erdnüssen, getrockneten Pflaumen und Birne, machten wir uns um 9 Uhr zum Treffpunkt auf.

Dort war niemand zu sehen. Kurz darauf kam ein Ranger vorbei. Wir fragten, ob es heute keine Tour geben würde oder ob wir schlicht am falschen Ort warteten. Er erklärte uns, dass die Touren lediglich im Januar und Februar angeboten werden und schlug uns vor, die Tour einfach auf eigene Faust zu unternehmen, da die Wanderwege alle sehr gut ausgeschildert sind. Da wir keine Lust hatten die 4Km zum Start des Wanderwegs zu laufen, entluden wir flink unsere Bikes und rollten gemütlich bergab bis zum Startpunkt der Route.

Insgesamt ist der “Sendero Sierra Nevada” 8km lang und es sind 659 Höhenmeter zu erklimmen. Auf dem Weg befinden sich mehrere Aussichtspunkte, die alle ein unglaubliches Panorama bieten.

Am zweiten Mirador stoppten wir für einen Snack und genossen ein paar Schokokekse. Zu unserm Ungenuss trudelte währenddessen eine extrem laute amerikanische Schülergruppe am Mirador ein. Wir aßen schnell unsere Kekse auf und machten uns erneut auf den Weg.

Laut kreischend und permanent Mist quatschend bewegten sich auch die 14 Gören weiter schnaufend bergauf. Wir beschlossen einen Zahn zuzulegen um dem nervtötenden Gekreische schnell zu entkommen.

Am Ende der Route angekommen genossen wir kurz die Aussicht über die Lagune und den Ausblick auf den Vulkan. Wir mampften den Rest unserer Schokokekse und machten noch einige Videoaufnahmen.

Auf dem Rückweg trafen wir erstaunlicherweise nur noch die Hälfte der Schüler. Der Rest hatte aufgegeben und sich wieder an den Abstieg gemacht. Auch die anderen Quatschköppe überholten wir während wir den Berg wieder hinunter liefen.

Nachdem wir die 4Km zurück zum Campingplatz geradelt waren, waren wir uns beide einig: Der Weg hatte sich für den Ausblick gelohnt. Dennoch fahren wir lieber mit den Fahrrad einen Berg hinauf um diesen im Anschluss hinunter rollen zu können.

 

Eine ehrliche Entschuldigung

Während des Abendessen checkten wir nochmal kurz das Höhenprofil für den nächsten Tag. Freudig stellten wir fest, dass 30Km Downhill auf uns warteten. Aus diesem Grund standen wir nicht allzu früh auf und nahmen uns vor unterwegs viel zu filmen und zu fotografieren. Während unseres Frühstückes bekamen wir Besuch von unseren lauten Nachbarn vom Vorabend. Sie entschuldigten sich mehrmals bei uns wegen der Lautstärke. Der chilenische Wein sei schuld gewesen. Ein Problem, welches wir durchaus sehr gut nachvollziehen können. Das gute bei uns ist aber, dass immer nur Einer von uns beiden anfängt lauter zu reden und der Andere dann liebevoll zur Ruhe mahnt.

Nach dem Frühstück beluden wir unsere Räder und verabschiedeten uns noch kurz von den beiden Wein-Liebhabern. Auf unseren Weg stoppten wir wie geplant mehrmals und machten viele Videoaufnahmen und Fotos.

An einem der Aussichtspunkte, der direkt an der Strasse gelegen war, wurden wir beinahe von einem dicken Jeep beim rückwärts fahren überrollt. Der Fahrer hatte keine Lust zum fotografieren extra auszusteigen und war sich über die Dimensionen seines Gefährtes anscheinend nicht wirklich bewusst. Zum Glück bremste er dann doch noch rechtzeitig.

Eine weißgraue Wand am Horizont

Nachdem wir durch mehrere kleine Wälder geradelt waren, erreichten wir ein weiteres Lavafeld. Die Aussicht war wieder einmal unbeschreiblich. Ich komme mir als Mensch in solchen Landschaften meist sehr klein und unbedeutend vor. Wir als Menschheit vergessen dies leider allzu oft und ich empfinde es immer wieder als sehr befreiend sich der eigenen Unbedeutsamkeit klar zu werden.

Am Ende des Lavafeldes verschwand die Strasse vollkommen in einer riesigen Wand aus Nebel – oder war es vielleicht eine Wolke? Oder lediglich aufgewirbeltes Wasser von den nahen Wasserfällen?

Nach ein paar Kilometern stellten wir fest, woraus die riesige weiße Wand am Horizont bestand. Wir befanden uns mitten im Nebel. Die Temperaturen sanken rapide mit jedem Meter, während die Luftfeuchtigkeit ebenso schnell anstieg. Also zogen wir unsere Regenjacken über.

Der Nebel begleitete uns fast den kompletten restlichen Weg bis kurz vor Ende des Parks. Am Ausgang des Parks stoppten wir noch einmal kurz, um unsere Räder wieder aufzupumpen. Drei Bar Druck sind auf Gravel sehr gut zu fahren. Auf Asphalt, welcher direkt am Ausgang des Nationalparks begann, hat man mit so wenig Luft jedoch immer das Gefühl kleben zu bleiben. Mit wieder rund fünf Bar auf den Reifen machten wir uns nun weiterhin bergab auf dem Weg Richtung Melipueco.

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