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Die Ruta Provincial 72

Nach zwei Tagen hatte es endlich aufgehört aus Eimern zu gießen und wir schwangen uns wieder auf unsere Räder. Zurück auf die Ruta 3 zu fahren erschien uns keine gute Option. Daher hatten wir uns vorab eine andere Strecke, die Ruta Provincial 72, ausgesucht. Diese führt über Erdwege und kleine Dörfer.

Für eine handvoll Kilometer mussten wir dennoch auf die Ruta 3 zurück, bevor wir auf die gewählte Route abbiegen konnten. Der perfekte, sehr feste, Zustand der Erdstraße überraschte uns nach dem ganzen Regen. An einer Stelle stand die Straße zwar noch leicht unter Wasser, aber auch hier konnten wir sehr gut durchfahren. Die ersten 20 Kilometer zum ersten Dorf Faro legten wir überraschend schnell, fast durchgehend mit einer Geschwindigkeit von über 20 km/h, zurück.

Faro: 18 Bewohner und ein alter Bahnhof

Als wir in dem winzigen Dorf ankamen, stoppten wir kurz am alten Bahnhof des Ortes. Dort lernten wir direkt einen der 18 Bewohner Faros kennen. Er erzählte uns, dass viele Dörfer entlang der 72 heute fast ausgestorben wären. Das Schicksal der Ortschaften war ein ähnliches wie das von Bajo Hondo. Seitdem die Eisenbahn vor über 10 Jahren ihren Betrieb eingestellt hatte, waren die meisten Bewohner in größere Orte und Städte abgewandert.

Einige Dörfer, wie Faro, würden inzwischen jedoch wieder neue Bewohner dazugewinnen. So sei auch er selbst vor einer Weile aus der Hauptstadt Buenos Aires in das Dorf gezogen, da er das stressige Stadtleben satt hatte und sich nach einem entschleunigtem Leben sehnte.

Nach einem kurzen Schnack fragte der Mann uns, ob wir Lust hätten uns den Bahnhof von innen anzuschauen. Wir bejahten und gingen gemeinsam in das alte Gebäude, welches heute das Dorfmuseum ist. Die Wände zierten viele schwarz-weiß Fotografien von vermeintlich besseren Zeiten, soll heißen: jenen, in denen die Eisenbahn noch fuhr.

Getrennt weiter bis Gil

Da Olli Lust hatte so schnell er kann zu ballern, ich hingegen aber lieber gemütlich weiter fahren und fotografieren wollte, beschlossen wir die nächsten 15 Kilometer zurückzulegen und uns an der nächsten Bahnhofsruine wieder zu treffen. Vorher jagten wir noch kurz unsere Drohne in die Luft. Im Anschluss düste Olli davon.

Gürteltiere

Ich genoss es derweil langsamer über die menschenleere 72 zu fahren und, wenn auch nur kurz, mal alleine unterwegs zu sein.

Kurz darauf entdeckte ich ein Gürteltier. Ich packte meine Kamera aus und nährte mich vorsichtig. Noch bevor ich mich mit meinem Drahtesel anschleichen konnte war es im Gebüsch verschwunden. Ich fuhr weiter. Kurz darauf kreuzte ein weiteres Gürteltier die Straße. Dieses Mal sah ich jedoch, an welcher Stelle das Tierchen es sich im Gras neben der Straße bequem gemacht hatte und nährte mich vorsichtig. Dieses Mal erfolgreich. Das Gürteltier war scheinbar genauso neugierig auf diesen komischen schleichenden Zweibeiner, wie ich auf das süße Tierchen. Jedenfalls ließ es mich sehr nah an sich heran und ich konnte es fotografieren.

Gil: Mehr Schafe als Menschen

Als ich den Bahnhof von Gil erreichte, erwartete mich Olli bereits, in seinem Klappstuhl auf der Straße sitzend, mit einem Becher Kaffee. Gil ist tatsächlich inzwischen fast eine Geisterstadt. Hier wohnen heute noch eine Schafherde sowie ein altes Ehepaar.

Überschwemmte Straßen und tiefster Matsch

Nach unserem Pott Kaffee fuhren wir wieder gemeinsam weiter. Etwa 15 Kilometer später waren wir darüber sehr froh. Der schön feste Erdweg verwandelte sich hier nämlich abrupt in tiefsten Matsch. Wir blieben stecken und auch schiebend kamen wir keinen Millimeter mehr voran. Mehrfach „reinigten“ wir unsere Räder notdürftig mit dem, was wir neben der Straße im Gras fanden: Kuhknochen.

Eine Farmerin, welche in Sichtweite mit ihrem Auto ebenfalls im Matsch stecken geblieben war und nur mit Hilfe eines anderen Autos herausgezogen werden konnte, bat uns ihre Hilfe an. Sie könne uns später bis ins nächste Dorf mitnehmen, müsste aber zuerst zu ihren Tieren.

Wir überlegten kurz dieses Angebot anzunehmen und zu warten. Letztlich entschieden wir uns jedoch dafür auf dem Feld, welches direkt neben der Straße lag, durch tiefes Gras zu schieben. Ab hier kamen wir nur noch extrem langsam voran, konnten zwischendurch mal ein kurzes Stück fahren und steckten für die nächsten 10km immer wieder im Matsch fest.

Vollgematscht bis Oriente

Irgendwie bewältigten wir die verbleibenden, der insgesamt 70, Kilometer an diesem Tag und schafften es bis in den Ort Oriente zu gelangen.

Als wir zwei Frauen sahen stoppten wir und fragten, ob es einen Supermarkt im Ort gibt. Die beiden Frauen erklärten uns kurz den Weg zum Supermarkt und wiesen uns zudem darauf hin, dass es unmöglich sein dürfte in Oriente eine Unterkunft zu finden. Doch das war uns in diesem Moment völlig egal, wir waren bis oben hin voller Matsch und wollten nur eins: ein kühles Bier.

Als wir unsere Biere, auf einer Bank auf dem Platz des Ortes sitzend, öffneten, sah die Welt direkt viel besser aus. Nun waren wir auch bereit uns Gedanken darüber zu machen, wie wir weiter verfahren wollten. Da unsere Räder immer noch genauso matschig waren wie wir und sich kaum noch fortbewegen ließen, beschlossen wir, dieses Problem als erstes anzugehen. Also: Wasser suchen. Wer hat Wasser uns ist hilfsbereit? Die Feuerwehr.

Die Freiwillige Feuerwehr in Oriente

Knirschend und knarschend rollten wir zur Feuerwehrwache von Oriente. Ich ging in die Wache hinein und erklärte kurz die Situation. Als die zwei anwesenden Feuerwehrmänner mit nach draußen kamen und unsere Räder sahen, fingen sie erst einmal an zu lachen. Schwer amüsiert über die Mengen an Matsch, die an uns und unseren Rädern klebten, fragten sie erst einmal: „Wo zur Hölle seid ihr denn lang gefahren?“ Auf unsere Antwort erfuhren wir, dass die Straße auf welcher wir in den Ort gekommen waren, am Vortag noch komplett überschwemmt und nicht passierbar war. Die beiden erklärten sich gerne bereit uns zu helfen. Kurz darauf hatten wir einen Schlauch, Eimer und Bürsten und schrubbten, während es langsam dunkel wurde, erst einmal den Dreck von unseren Rädern. Beide halfen uns kurz dabei und verschwanden dann wieder in die Wache.

Wenig später, während wir immer noch mit unseren eingesauten Rädern und Taschen beschäftigt waren, kam einer der Männer zurück. „Wann immer ihr wollt, kommt rein, das Mate Wasser ist schon heiß und es gibt Kekse“. Als unsere Drahtesel endlich wieder fahrtüchtig waren, nahmen wir dieses Angebot gerne an.

Wir schlürften einige heiße Mate in der Küche der freiwilligen Feuerwehr. Nach und nach kamen noch etwa 15 weitere Feuerwehrmänner in die Wache. Scheinbar ist die Küche der Treffpunkt der Freiwilligen. Da in dem Ort sonst nicht viel los ist, trifft man sich hier Abends um Mate zu trinken und zu quatschen.

Da es draußen inzwischen längst dunkel war, fragten wir irgendwann, ob wir die Nacht in der Wache verbringen dürfen. Nach einem kurzen Telefonat mit dem Chef der Wache, wurde zugestimmt. An diesem Abend bekamen wir sogar ein eigenes Zimmer im ersten Stock der Wache, inklusive Bett und Badezimmer. Vorher durften wir die Küche nutzen, um uns etwas zu Essen zuzubereiten. Wenig später schliefen wir sauber, vollgefressen und überaus zufrieden ein.

 

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Comments 2

  1. Martin
    Reply

    Matschparty, das mag der Oli doch gerne. Das nächste Video wünsche ich mir mit ordentlichem PunkRock untermalt. Viele Grüße

    4 Juli, 2019
    • Olli
      Reply

      Hey Martin. Ja es war ein reines Fest, insbesondere das Putzen der Räder danach 😉
      Dein Musikwunsch ist notiert und wir versuchen es zu berücksichtigen.
      Liebe Grüße Olli

      9 Juli, 2019

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