Fotoshooting im Nirgendwo

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Tag 3 auf der Ruta 23

Als wir morgens aus unserem Zelt krochen war es mal wieder bitterkalt. So machten wir uns nach einem kurzen Frühstück schnell auf dem Weg. Losfahren, aufwärmen. Dies war bereits der zweite Morgen auf der 23, an welchem wir verdammt froh darüber waren, warme Windstopper Handschuhe im Gepäck zu haben. Wie am Morgen zuvor, war es auch an diesem Tag morgens noch fast windstill. Der kalte patagonische Wind gesellte sich auch an diesem Tag wieder erst am späten Vormittag dazu.

Auf ins nächste Dorf!

Unser Ziel an diesem Tag war das Dorf Ingeniero Jacobacci. Die 80 Kilometer der 23, welche uns bis dort erwarteten, sind großteils noch nicht fertiggestellt. An diesem Tag erwarteten uns dafür umso mehr Passagen, auf welchen wir mit unseren Rädern wieder über frisch asphaltierte Straßenabschnitte düsen konnten, welche für Autos noch geschlossen waren.

Zwischendurch mussten wir leider immer wieder zurück zu den motorisierten Verkehrsteilnehmern auf die, mit Umleitungen übersäte, derzeitige 23. Auf einem dieser Streckenabschnitte stoppte ein Auto vor uns. Ein Paar stieg aus und winkte uns zu sich heran. Der Mann hielt eine Vollformat Kamera mit überdimensionalem Objektiv in der Hand. Er stellte sich als Fotograf aus Villa la Angostura vor und fragte, ob er uns Fotografieren darf. Während er ein paar Bilder knipste, berichtete er, dass er auf dem Weg zu seiner Schwester sei, welche in Ingeniero Jacobacci wohnt.

Wir fragten kurzentschlossen ob wir dort vielleicht Duschen dürften. Nach drei Tagen Schotter und Staub fühlten wir uns nämlich ungefähr so als wären wir Geschwister der Stinktiere, welche uns in den letzten Tagen begegnet waren. So tauschten wir kurz darauf Telefonnummern aus und verabreden uns für später.

Vor dem Duschen erwartete uns jedoch weiterhin eine weitere Ladung „Nichts“: Gräser, Schafe, Gräser, Kletten. Ab und an eine Kurve. Alles nochmal von vorne.

Wind auf der Ruta 23

Auch der Wind ist bei der Radreise von West nach Ost ein zuverlässiger Begleiter. Wie auch an den anderen Tagen bläst er uns meist direkt unserem Ziel entgegen. Nur sehr selten kommt er von der Seite. Bei den in der Region vorherrschenden Windstärken definitiv ein enormes Plus Dies ist auch der wichtigste Rat, falls ihr tatsächlich über eine Radtour auf der Ruta 23 nachdenkt: Fahrt die Strecke von West nach Ost und nicht umgekehrt. Und vermeidet in den Wintermonaten hier zu landen – außer, ihr habt eine Vorliebe für gefrorene Straßen und Windstärken von über 100kmh.

Ingeniero Jacobacci

Angekommen in Ingeniero Jacobacci wählten wir die Nummer von unserem neuen Fotografen-Freund Ezequiel. Kurz darauf standen wir frisch geduscht vorm Haus seiner Schwester Michaela und teilten eine Mate mit den beiden. Auf die Nachfrage, ob es möglich sei irgendwo im Ort oder bei ihr im Garten zu campen, wird wenig begeistert reagiert. „Es ist Nachts doch schon viel zu kalt“. Mit diesen Worten nahm Michaela ihr Telefon und verschwand.

Wir tranken noch ein Weilchen Mate mit Ezequiel im Garten. Er erzählte, dass er vor allem Wildlife sowie Fotos von Outdoor Abenteuern knipst. Meist als Freelancer, manchmal für eine Zeitung in Bariloche. Während er in seinem Wohnort am Lake District ständig Radreisende sieht, waren ihm auf der staubtrockenen 23 jedoch noch nie welche begegnet. So musste er einfach anhalten als er uns sah, so Ezequiel. Da er Lust hat noch ein paar weitere Fotos von uns zu schießen, verabredeten wir uns für den nächsten Morgen.

Auch Michaela war inzwischen zurück und grinst uns entgegen: „Ihr dürft in der Turnhalle schlafen. Da ist es wärmer. Wenn ihr wollt, bringen wir euch da hin.“

Von Kaff zu Kaff, von Sporthalle zu Sporthalle

Inzwischen war es Abend. Die beiden begleiten uns noch zur Sporthalle. Dort zeigt uns eine Mitarbeiterin einen Schlafsaal, in welchem wir übernachten dürfen. Dieser wird bei Turnieren für Gastmannschaften genutzt und steht ansonsten leer. Auch die kleine vorhandene Mitarbeiter Küche dürfen wir nutzen. So machen wir uns dort direkt an die Zubereitung unseres Abendessens.

Da in der Turnhalle bis Mitternacht Betrieb ist, verdrücken wir unser Essen im Anschluss lieber draußen. Während wir mampfend auf der Treppe vor der Halle sitzen, spricht uns eine Frau an. Nachdem sie sich als Candela vorgestellt hat, sagt sie: „Ich arbeite in einer anderen Sporthalle. Dort ist es um diese Uhrzeit schon ruhiger. Wenn ihr wollt könnt ihr gerne dahin umziehen!“ Da wir bereits sehr müde sind, bis Mitternacht aber noch einige Stunden fehlen, nehmen wir das Angebot gerne an.
So lernen wir nach dem Abendessen noch die zweite Sporthalle des Ortes kennen. Statt grölender Fußball spielender Kids ist hier gerade der Schachclub angesagt. Entsprechend geht es wirklich ruhiger zu. Auch unser Zimmer lässt sich als Upgrade bezeichnen. Zwar haben wir nur noch 3 statt 25 Betten, dafür aber ein privates Badezimmer mit warmer Dusche. Gar nicht so schlecht diese Sporthallen.

Tag 4 auf der 23: Ein Fotoshooting

Unseren vierten Tag auf der 23 beginnen wir damit erst einmal eine halbe Stunde auf Ezequiel zu warten. Um 10 Uhr starten wir dann gemeinsam auf die 23. Er im Auto, wir auf dem Rad.

Er begleitete uns für gut 20 Kilometer. Immer wieder überholte er uns, stieg aus und knipste ein paar Bilder. So hielten wir auf diesen Kilometern ab und an für Fotos oder einen kurzen Schnack und kamen, trotz nun asphaltierter Straße, nur stockend voran.

Nach etwa 1,5 Stunden trennten sich unsere Wege. Für Ezequiel ging es zurück zum Familienbesuch in Jacobacci. Wir rollten weiterhin dem Osten entgegen. Zum Abschied versprach er noch, dass er uns die Bilder schicken wird. Inzwischen haben wir diese erhalten und freuen uns, dass wir diese nun hier mit euch teilen können.

Comments 1

  1. Bilanz: 1 Monat Argentinien – THE ROAD IS LIFE
    Reply

    […] unsere Begegnung mit dem Fotografen Ezequiel  haben wir noch eine weitere Möglichkeit zum Übernachten gefunden. Seine Schwester vermittelte […]

    13 Juli, 2019

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