Geschichten der Ruta 23

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Tag 6 auf der Ruta 23: Ramos Mexía

Der Wind auf der Ruta 23 blies an diesem Tag besonders eisig und stark über die kahle Landschaft. Die in Windrichtung gewachsenen Gräser und kleine Büsche waren stille Zeugen dafür, dass dieser wohl fast immer in die gleiche Richtung bläst. Derweil waren die Schafe, Ziegen und Kühe fast komplett aus der Landschaft verschwunden. So bestand die einzige Ablenkung auf dem Weg zum Horizont aus den sehr selten vorbeidüsenden Autos sowie Schildern am Straßenrand.

Laut Karte sollte es auch an diesem Tag vorbei an, wenn auch sehr wenigen, kleinen Seen sowie Flüssen gehen. Alle davon waren bis auf den letzten Tropfen ausgetrocknet. So waren wir, wie auch schon in den Vortagen, in Sachen Wasserversorgung weiterhin auf die wenigen Dörfern entlang der Ruta 23 angewiesen.

Am frühen Nachmittag erreichten wir nach 90 Kilometern das Dorf Ramos Mexía. Dieses Mal in Rekordzeit und mit einem Geschwindigkeitsdurchschnitt von 31,4KmH. Damit unsere „kleine“ gemütliche Radtour um die Welt nicht in Sport ausartet, beschlossen wir den restlichen Tag in dem Ort zu verbringen. Bis zum nächsten Dorf lagen nämlich erneut etwa 110 Kilometer vor uns.

Die Bomberos von Ramos Mexía

Nachdem wir eine Weile durch den Ort gerollt waren, fanden wir uns vor der Feuerwehrwache des Dörfchens wieder. Ein gelangweilter Mitarbeiter saß alleine im Eingang der Halle in der Sonne. Da wir schon von vielen Radreisenden gehört hatten, dass diese für eine Nacht Unterschlupf bei den Bomberos (in der Feuerwehrwache) gefunden hatten, sprachen wir den Feuerwehrmann an.

Er willigte direkt ein und sagte, dass wir gerne unser Zelt in der Wache aufschlagen könnten. Über den unerwarteten Besuch schien er sich sehr zu freuen. Da jede Schicht nur ein Mitarbeiter anwesend ist, sei sein Job ansonsten nämlich ziemlich ereignislos, berichtete der Mann, welcher sich als Marcelo vorstellte, kurz darauf.

Auch Brände gäbe es kaum in der Region, da diese zu steinig sei. So klingelt das Telefon nur selten. Fast immer handele es sich um Unfälle auf der Ruta 23, zu welchen die Feuerwehr ebenfalls ausrückt. Seltener stehe mal etwas in einem Haus in Flammen. Meistens klingelt das Telefon der kleinen Wache in Ramos Mexía jedoch gar nicht. Falls dies dann doch einmal passiert, stehen im Dorf weitere neun Freiwillige für einen Einsatz bereit.

So haben die vier festangestellten Feuerwehrmänner, welche abwechselnd anwesend sind, in erster Linie viel Sitzfleisch für ihren Job mitzubringen. Entsprechend hatte Marcelo natürlich seinen Mate und seine Thermoskanne ausgepackt und bot uns direkt auch einen Mate an. Kurz darauf zauberte er noch eine große Papiertüte mit „Tortas Fritas“, einem frittierten argentinischen Brot, hervor.

Geschichten über die Ruta 23

Während wir unseren Snack genossen unterhielten wir uns über die Geschichte der Ruta 23. Marcelo berichtete mir, dass diese bereits seit etwa 2007 im Bau sei. Wer unsere ersten Artikel zum westlichen Teil der Ruta 23 gelesen hat, weiß bereits: Rund 200 Kilometer der über 600 Kilometer langen Straße sind auch heute noch nicht asphaltiert. An einigen Stellen wird gebaut, an anderen scheinen die Bagger stillzustehen.

Politisch habe die Ruta 23 keinerlei Priorität, fuhr Marcelo fort. Er grinste: „Bestimmt dauert es mindestens nochmal 10 Jahre bis die Straße fertiggestellt wird.“ Ich fragte ihn, ob die Menschen im Ort gerne eine komplett asphaltierte Ruta 23 vor der Tür hätten. Denn während die Fertigstellung der Straße für die AnwohnerInnen einerseits eine schnellere Verbindung in andere (und größere) Ortschaften bedeuten wird, wird sie, als Verbindungsstraße zwischen Atlantik und der in den Anden gelegenen Großstadt Bariloche, ebenso mehr Verkehr mitbringen. Dieser fließt derzeit noch fast komplett über die weiter nördlich gelegene Ruta 22, welche relativ stark befahren ist (und theoretisch entlastet werden soll).

Marcelo antwortete, er sehe einer komplett asphaltierten Ruta 23 mit gemischten Gefühlen entgegen: „Mit einer besseren Anbindung kommen auch mehr Kriminalität, Schmuggel und Drogen zu uns. Zumindest ist das in anderen Dörfern nach Ausbau von großen Straßen in der Nähe der Orte der Fall. Aktuell kann ich noch etwas vor der Einfahrt meines Hauses vergessen. Drei Tage später ist es unter Garantie immer noch da.“

Während wir gemeinsam unseren Mate schlürften, erzählte Marcelo zudem von anderen Reisenden, welche in der Vergangenheit in der Wache übernachtet hatten. Ein Radreisender hatte vor gut einem Jahr in der Wache halt gemacht und vor einigen Jahren waren ein Wanderer sowie ein Motorradreisender zu Besuch. „Es kommt alle paar Jahre jemand vorbei, deshalb wusste ich vorhin als ihr vor der Wache gehalten habt schon was ihr wolltet.“

Etwas später stand Sergio, ein weiterer Feuerwehrmann vor der Wache. Er war gerade auf dem Weg in das gegenüberliegende Tal und fragte, ob wir ihn begleiten möchten. Wir stiegen zu seinem Sohn und seiner Frau ins Auto. Nach wenigen Kilometern erreichten wir ein kleines Tal, welches auf der anderen Seite der Ruta 23 lag.

Sergio erzählte, dass sich das Dorf, bevor es in Ramos Mexía umbenannt wurde, an dieser Stelle befand, da eine Wasserquelle im Tal existiert. Mit dem Bau der Eisenbahn habe sich das Dorf jedoch einige Kilometer weiter direkt an die Schienen verlagert. Heute stehen nur noch eine handvoll Häuser im Tal. Nach einem kleinen Spaziergang lud Sergio uns erneut ins Auto und zeigte uns noch eine Felswand mit Höhlenmalereien.

Auf dem Rückweg zur Feuerwehrwache folgte eine Einladung zum Essen sowie die Nacht bei seiner Familie zu verbringen. In der Wache sei es nachts sehr kalt und wir sollten daher lieber bei ihm im Gästezimmer schlafen, sagte er. Zurück in der Wache bauten wir unser Zelt also wieder ab. Inzwischen hatte eine andere Kollegin Dienst, welche bereits ahnte, dass es für uns nun zu Sergios Haus geht. Mit einem Grinsen meinte sie: „Er hat vorhin schon hier angerufen, weil er wissen wollte, ob die beiden Radfahrer bei uns sind. Immer wenn ein Reisender zu Besuch kommt will Sergio diesen sofort zu sich nach Hause einladen.“

Im dunkeln rollten wir zu Sergios einfachem Steinhaus. Die Familie hatte extra eine Gemüsetarte herbeigezaubert. Zusätzlich wurden wir mit selbstgemachtem Likör, Bier und traditionellem Apfelwein der Region abgefüllt. Währenddessen präsentierte uns Sergio seine Fossilien- und Steinsammlung. Beeindruckt waren wir vor allem von einem großen und extrem schweren Stück eines versteinerten Astes.

Am nächsten Morgen folgte noch ein gemeinsames Frühstück mit der Familie. Im Anschluss hieß es für uns erneut: Zurück auf die Ruta 23.

Tag 7 auf der Ruta 23: Auf nach Valcheta

Rund 110km standen an diesem Tag auf unserem Programm. Die Aussicht ähnelte weiterhin der der letzten Tage und in der Landschaft waren kaum Änderungen zu bemerken.

Weiterhin dominierten trockene Gräser, stachelige Gewächse und ein sehr steiniger Boden die ansonsten recht kahle Landschaft. Zwischendurch führte der Weg weiterhin an komplett ausgetrockneten Seen und Flüssen vorbei. Dies vermittelte uns inzwischen das Gefühl in einer täglichen Repeat-Schleife gefangen zu sein.

Angekommen in Valcheta stoppten wir am Tourist Office am Eingang des Ortes. Dort erfuhren wir, dass im Zentrum des Ortes ein Campingplatz der Gemeinde existiert, welcher umsonst genutzt werden kann.

Im Gegensatz zu den anderen kleinen Orten entlang der Ruta 23 war Valcheta auffallend grün. Neben dem Campingplatz, der direkt neben dem Fußballfeld liegt, existiert ein kleiner Fluss. Der erste seit etwa 600 Kilometern, welcher tatsächlich Wasser führte. Daneben standen einige Bäume. Beides eine echte Seltenheit in dieser Region.

Unser Abendessen nahmen wir an diesem Abend mit Blick auf das Fußballfeld und dort stattfindende Training zu uns. Danach ging es mal wieder früh ins Bett, da es in Argentinien abends inzwischen recht frisch und vor allem sehr früh dunkel wird.

Tag 8 auf der Ruta 23: Die letzten Kilometer

An Tag 8 standen gut 110 Kilometer bis zum Atlantik an. Während unserer letzten 70 Kilometer auf der Ruta 23 sahen wir einige Stinktiere, Ñandus sowie Guanacos. Verhältnismäßig viel Abwechselung im Gegensatz zu den Tagen zuvor.

Trotz der täglich fast identischen Ausblicke waren wir fast etwas traurig, als wir den „Kilometer 0“ der Ruta 23 erreichten. Starker Rückenwind und extrem wenig Verkehr machen diese Route nämlich zu einer perfekten Rad-Strecke. Dies wird sich vermutlich ändern wenn die Straße irgendwann komplett asphaltiert ist. Aufgrund der extremen Winde und Kälte in diesem Teil Patagoniens dürfte die Strecke im Winter zeitweise allerdings nicht oder nur sehr schlecht mit dem Fahrrad befahrbar sein.

Da die Landschaft sich über die vielen Kilometer, welche die fast komplett gerade Straße quer durch Argentinien führt kaum ändert, gibt es auf den ersten Blick nicht sonderlich viel zu entdecken. Wer auf der Suche nach touristischen Attraktionen ist ist hier definitiv falsch. Beides machte für uns den besonderen Reiz dieser Strecke aus. Nachdem wir einige Wochen im chilenischen und argentinischen Lake District unterwegs waren, gefiel uns besonders der extreme Kontrast zu diesem. Unendliche Weiten ohne einen tropfen Wasser, ohne andere Radreisende und auch fast ohne Autos.

Weiter auf der Ruta 3 nach Las Grutas

Die letzten 40 Kilometer auf der Ruta 3 waren nach dem vielen Nichts purer Stress. Autos und LKWs ballerten in Höchstgeschwindigkeit an uns vorbei. Starker Seitenwind sorgte dafür, dass wir uns insbesondere bei den vorbeirasenden LKWs nicht sonderlich sicher auf unseren Rädern fühlten. So waren wir wahnsinnig froh, als wir endlich von der Ruta 3 in Richtung Las Grutas abbiegen konnten.

Moin Atlantik!

Plötzlich tauchte am Horizont der Atlantik auf. Wasser soweit das Auge reicht – ein ziemlich beeindruckender Ausblick nach den hunderten Kilometern extrem trockener Landschaft. Auch das Gefühl einmal quer durch Südamerika vom Pazifik zum Atlantik geradelt zu sein war ein ziemlich gutes. Breit grinsend radelten wir die letzten Kilometer bis zu unseren Warmshowers Hosts in dem kleinen Ort am Meer.

 

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