Gewitter, nichts wie weg hier!

  • Gewitter, nichts wie weg hier!
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Am nächsten Tag luden die Jungs, vor deren Ferienhaus wir gezeltet hatten, uns noch zum Mittag ein. Es gab, wie nicht anders in Argentinien zu erwarten, natürlich ein großes BBQ. Somit kam zumindest ich auf meine Kosten. Sarah kochte sich derweil in der Küche selbst eine vegane Alternative.

Hier, das brauchen wir nicht mehr

Während die Jungs ihre Sachen zusammen packten und sich auch die Rückreise vorbereiteten, packten auch wir unsere Sachen um auf den örtlichen Campingplatz umzuziehen.

Als wir bereits alle Taschen geschlossen und auf die Räder beladen hatten, kam Nico mit einem großen Karton voller Lebensmittel auf uns zu. Mit den Worten: “Wir brauchen das alles nicht mehr und ihr könnt das doch bestimmt für eure weitere Reise gebrauchen!” drückte er uns den Karton in die Hand. Wir bedanken und verstauten den Haufen an Maismehl, Reis, Brot und Gewürze in unseren Taschen.

Auf zu den Wasserschweinen!

Als wir die Geschenke verstaut hatten, verabschiedeten wir uns von den Vieren und radelten zum Campingplatz. Nachdem wir unser Zelt etwas abseits aufgebaut hatten, widmete ich mich, von den Wasserschweinen beobachtet, daran die Räder ein weiteres mal zu reinigen. Sarah nutze die Zeit und machte gefühlt tausend Fotos von den Schweinchen. (Mit diesen haben wir auch diesen Beitrag fleißig bebildert. Später war nämlich nicht mehr viel mit Fotografieren – doch dazu gleich mehr.) Dabei gelang ihr das bisher romantischste Foto der Reise: ein Wasserschwein im Sonnenuntergang beim verrichten seines krossen Geschäftes. 🙂

 

Die Wettervorhersage sieht aber wirklich schlecht aus…

Eigentlich hatten wir geplant zwei Nächte auf dem Campingplatz zu bleiben. Während unseres Abendessens checkten wir zum Glück die Wettervorhersage für die nächsten Tage. Die Prognose sah überhaupt nicht gut aus. Es sollte spätestens in der nächsten Nacht mit schwerem Regen, begleitet von Gewittern, losgehen. Insgesamt sollte das Unwetter fünf Tage lang andauern und der Nationalpark befand sich im Epizentrum des Übels.

Da wir zum einen nicht genügend Bargeld mehr dabei hatten, man in Carlos Pelligrini nicht mit Karte zahlen kann und es auch keinen Geldautomaten im Ort gibt und selbst wenn, die 130km Gravel aus dem Park nach fünf Tagen Regen bestimmt eine erneute Schlammpackung bedeutet hätten, beschlossen wir früh am nächsten Morgen soweit wie möglich in Richtung Ausgang des Parkes aufzubrechen.

87km Gravel

Am nächsten Morgen schwangen wir uns somit früh auf unsere Räder. Leider übersah Sarah beim losfahren den kleinen Zaun der die Zeltwiese vom Parkplatz trennte, verfing sich mit ihrem Frontroller und landete wild zeternt auf dem Boden. Nachdem wir das nun blutige linke Knie gereinigt und verarztet hatten, konnten wir leicht verspätet starten. Mit dem drohenden Gewitter im Nacken gaben wir an diesem Tag ordentlich Gas und schafften so mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 18,7km/h insgesamt 87km bis zur Laguna Galarza.

 

Direkt an der Lagune war bei iOverlander ein Campingspot eingezeichnet. Leider wurde uns bei Ankunft vor Ort vom anwesenden Parkranger mitgeteilt, dass wir hier nicht in unserem Zelt nächtigen könnten. Er empfahl uns die ca. 5km zurück zur Strasse zu radeln und dort am Haupthaus der Parkranger zu fragen ob wir dort zelten dürften.

Bei den anderen Parkrangern angekommen wurden wir direkt bei der Begrüßung gefragt ob wir einen Platz für unserer Zelt suchen würden. Dies bejahten wir und so verbrachten wir die Nacht neben dem Haus.

Im Herzen des Gewitters

In der Nacht setze dann auch der prognostizierte Regen ein. Morgens hatten wir Glück und erwischten beim wach werden genau das kurze Zeitfenster in dem es nicht regnete. Dieses reichte genau aus um zu frühstücken und das Zelt zumindest notdürftig zu trocknen.

Pünktlich zur Weiterfahrt setzte der Regen wieder ein und wurde von Minute zu Minute immer heftiger. Insgesamt fuhren wir an diesem Tag über fünf Stunden 65km im strömenden Regen. Dies teilweise im Herzen des Gewitters. In solchen Momenten kommt man sich schon verdammt klein vor und fragt sich des öfteren “was machen wir hier überhaupt?”. Da es aber weit und breit keinerlei Unterstand und, aufgrund des links und rechts von der Strasse sich befindenden Sumpfes, auch keine Option zum Aufstellen des Zeltes gab, half nur tapfer weiter in die Pedalen zu treten.

Kein Hotel in Sicht

Auf Maps.me hatten wir am Abend zuvor ein Hotel kurz hinter dem Parkausgang auf der Hauptstraße Ruta National 12 entdeckt. Als wir dort, immer noch im strömenden Regen, ankamen, mussten wir leider feststellen das diese zwar existierte, man aber nur online im Vorfeld buchen konnte. Somit mussten wir zähneknirschend weiterfahren.

Zu allem Übel setzte langsam auch noch die Dämmerung ein. Wir zogen unsere Warnwesten an, befestigen unsere Lichter an den Rädern und machten uns weiter auf dem Weg in Richtung Posadas. Bei jedem Imbiss oder Kiosk stoppten wir und fragten, ob man uns eine Unterkunft in der Nähe sagen könne. Leider war die an Antwort stets nein. Auch hatte anscheinend niemand Lust zwei klitschnasse und schlammige Radreisende unter seinem Vordach zu beherbergen.

Mittlerweile völlig verzweifelt entdecken wir neben einer ehemaligen Raststätte ein großes Vordach (leider durch einen Zaun mit Stacheldraht versperrt) unter dem ein alter Mann sass. Wir stoppten und fragten auch ihn ob er eine Unterkunft kennen würde. Er überlegt kurz und nannte uns daraufhin die drei von uns zu letzte besuchten Imbisse und Kioske.

Den Tränen nahe erklärte Sarah ihm, dass wir dort schon überall gefragt hätten und uns auch ein simples Dach, wie das unter dem er im Trockenen stand, ausreichen würde. Nach einigem hin und her fragte er: “Seid ihr denn seriöse Menschen?”. Dies bejahten wir und er öffnete das Tor und ließ uns für den Rest der Nacht in unserem Zelt unter dem Vordach schlafen.

Ein Hoch auf Neopren-Socken!

Da es die gesamte Nacht aus Strömen weiter regnete und es auch am nächsten Morgen noch nicht aufgehört hatte, waren wir mehr als froh über unser Dach. Nach dem Frühstück packten wir unsere Sachen. Immerhin das Zelt konnten wir trocken einpacken. Unsere Regenkleidung, Klamotten und Schuhe waren aber aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit auch weiterhin nass.

An diesem Punkt freuten wir uns ein weiteres mal auf unserer Reise sehr darüber, dass wir uns dazu entschieden hatten Neopren-Socken mitzunehmen. So waren zumindest unsere Füße trotz nasser Schuhe (ja, wir benutzen Gamaschen, aber auch diese versagen irgendwann) in kürzester Zeit wohlig warm.

60km weiter bis ins trockene Hostel

Es ging für uns mit warmen Füßen und klammen Regensachen weitere 60km bis nach Posadas. Immerhin legte der Regen an diesem Tag zwischendurch auch mal kleine Pausen ein. In Posadas angekommen, buchten wir uns im nächsten Hostel ein kleines Zimmer und verteilten im kompletten Hostel all’ unsere Kleidungsstücke zum trocknen. Während nach und nach in den nächsten zwei Tagen alles trocknete, beschäftigten wir uns lediglich mit schlafen und essen.

Ich wandere nächsten Monat in die Schweiz aus

Nach zwei Tagen im Hostel wechselten wir unsere Unterkunft und verbrachten vier weitere Nächte bei Avito, den wir über Couchsurfing gefunden hatten. Avito war gerade dabei seinen Umzug in die Schweiz zu organisieren und wir unterstützen ihn dabei seinen Haushalt einzupacken.

Während ich unseren Rädern die nach all den Regen dringendst benötigte Pflege zuteil werden ließ, übersetzte Sarah für Avito seinen Lebenslauf. Die Abende verbrachten wir damit abwechselnd zu kochen und mit vielen anregenden Gesprächen über die Welt und das Reisen.

 

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