Halbstarke

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Concepción – Laraquete

Nachdem wir uns am Freitag von dem, doch arg verkaterten, Willy verabschiedet hatten, genossen wir noch einen entspannten Abend auf seiner Terrasse. Am Samstag morgen drücken wir dem Gärtner den Schlüssel zum Haus in die Hand und bestiegen wieder unsere Räder.

Willy hatte uns während unseres Besäufnisses nachdrücklich empfohlen nicht die direkte Strecke über die Autopista 160 nach Lota zu nehmen. So folgten wir seinem Rat und fuhren entlang der Uferstraße des Flusses Bio Bio (156).

Auf den ersten 24 Km trafen wir etliche Radsportgruppen beim Training, welche uns alle fröhlich grüßten. Bei Kilometer 28 bogen wir auf die Straße „Camino El Patagual“ ab. Dieser folgten wir für ca. 8 Km, um dann auf die besser ausgebaute, aber auch stärker befahrene O-852 zu wechseln. Diese begrüßte uns zunächst mit einem Anstieg von 430 Höhenmetern auf den ersten 4,9 Km. Auch hierauf hatte uns Willy im Vorfeld hingewiesen. So hatten wir auf der Uferstraße bereits unser zweites Frühstück in Form von Brot mit Avocados sowie Energy Balls zu uns genommen.

Mit frischer Power in den Beinen bezwangen wir den Anstieg. Oben angekommen belohnten wir uns mit weiteren Energy Balls und checkten im Schatten sitzend noch einmal die Karte. Eigentlich wollten wir an der nächsten Kreuzung die vorgeschlagene Route unseres Hosts verlassen, um den Weg nach Lota über eine Gravelroad downhill etwas abzukürzen. Zum Glück kamen uns an der besagten Kreuzung gleich drei schwer beladene Forst-Lkws entgegen und wir änderten unsere Meinung direkt wieder.

So blieben wir auf Willys Route und genossen einen angenehmen Downhill ohne Staub bis in die Vororte der Industriestadt Coronel. In Coronel wechselten wir auf die Autopista 160 und waren, trotz breitem Seitenstreifen, sehr froh Willys Rat befolgt zu haben. Die Autopista 160 ist die Hauptverkehrsader der Region und quillt zwischen diesen Städten geradezu über an Lkws und anderen Fahrzeugen. Ihr folgten wir 6,5 Km bis in die Minenstadt Lota. Hier legten wir einen kurzen Stopp ein.

Nach kurzer Überlegung, ob wir die Einladung unseres ersten Warmshowers Host Pablo bei seiner Oma zu übernachten annehmen sollten, entschieden wir uns dagegen. Zum einen hatten wir von Pablo noch keine genaue Adresse seiner Oma bekommen. Pablo befindet sich derzeit selbst auf einer Radreise auf der sehr abgelegenen Insel Mocha. Somit ist trotz Whatsapp aufgrund von Funklöchern eine Kommunikation in Time nicht möglich. Zum anderen ist Lota, seitdem die Mine stillgelegt wurde, eine sehr arme und auch ziemlich hässliche Stadt.

So bestiegen wir nach einem weiterem Snack unsere Räder und fuhren weiter 18 Km auf der stark befahrenen 160 bis in die kleine Küstenstadt Laraquete. Nach insgesamt 69,1 Km erreichten wir am späten Nachmittag den hübschen Ferienort. Wir entschieden uns dafür auf dem Campingplatz zu übernachten, da wir nach der Tagesetappe in praller Sonne gerne duschen wollten. Kurz darauf stellten wir fest, dass die sanitären Einrichtungen aus kalten, dreckigen Duschen und bis oben hin zugemüllten Toiletten bestanden, welche leider schlimmer als die meisten Festival Dixies-Klos am dritten Tag aussahen.

Zum Thema billige Campingplätze lernten wir in dieser Nacht eine weitere wichtige Lektion: Der günstige Preis von 2000 Pesos pro Person führt am Wochenende anscheinend dazu, dass diese brechend voll mit saufenden Halbstarken sind, welche die komplette Nacht laut mitgröhlend schlechte Musik hören. Zumindest für Ohren die guten Punkrock gewöhnt sind.

So bereuten wir unsere Entscheidung uns keinen Wildcampingspot am Strand gesucht zu haben. Dank Ohropax war es jedoch zumindest mir möglich etwas Schlaf zu bekommen.

Am nächsten morgen krochen wir ziemlich zerknirscht und unausgeruht aus unserem Zelt. Ohne jede Menge Kaffee war an eine Weiterfahrt nicht zu denken. Zum Glück haben wir dank der netten Spende via Buy me a Coffee unserer alten Nachbarn Gabriel & Jacky genug vom schwarzen Gold des Morgens im Gepäck. Liebe Grüße nach Hamburg und vielen Dank an euch beide.

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