Hazlo tu mismo! (DIY)

  • Hazlo tu mismo! (DIY)
  • Hazlo tu mismo! (DIY)

Dünen am Playa Monolito – Curanipe

Da uns von unserem Schlafplatz in den Dünen bis Curanipe nur noch gut 20km blieben, ließen wir uns am nächsten Morgen viel Zeit. Zunächst genossen wir also in Ruhe unser Frühstück. Gegen Mittag rollten wir dann die letzten Kilometer nach Curanipe bis zu unserem ersten chilenischen Warmshowers Host. Unseren Gastgeber Antü Küram – Fahrradmechaniker, Bäcker aus Leidenschaft und Punk – schlossen wir auf den ersten Blick ins Herz.

Unser Warmshowers Host Antü

 

Schnell stellten wir fest, dass Antü wesentlich mehr Zeit in der Küche als in seiner Werkstatt verbringt. Da er Brot liebt, muss jeden Tag neues her. Eins für ihn, zwei für den winzigen lokalen Naturkost-Shop. Denn zu unserer großen Freude handelte es sich bei seiner Brot-Leidenschaft tatsächlich um eine Liebe zu Vollkornbrot, inklusive komplett selbstgemachter Hefe-Kulturen. Eine absolute Seltenheit in den Toastbrot und Weißmehl liebenden Ländern auf dieser Seite der Welt. Hausgemachter Senf und fermentierte Speisen sind zwei weitere seiner Leidenschaften. Auch sonst stellt er aus Überzeugung so ziemlich alles selbst her, was sich an gesunden vegetarischen, großteils veganen, Lebensmitteln so zaubern lässt. Die Zutaten unseres konsumkritischen Gastgebers mussten natürlich regional angebaut und frei von Pestiziden sein. So radelten wir an dem Abend noch gemeinsam zu seinen Gemüse-Bauern des Vertrauens, Rosa und Mario. Das unglaublich herzliche ältere Paar wohnt schätzungsweise 10km entfernt in den Bergen. Dort bauen die zwei ungefähr alles an, was mein Herz begehrt: verschiedene Chili-, Kohl-, Salat- und Tomaten-Sorten, Gurken, Mais, Linsen, Bohnen, Kichererbsen und vieles mehr. Auch Mehl (von Weizen bis hin zu Kichererbsen und Maismehl) wird hier produziert. Wir deckten uns ebenfalls mit etwas frischem Grünzeug ein und wurden zudem noch reichlich mit Dingen, die wir unbedingt probieren sollten, beschenkt. So wurden uns neben unserem Einkauf (Blattsalat, Gurke, Paprika, Tomate und Zwiebel), noch verschiedene Chili-Sorten, Baumtomaten, unterschiedliche Basilikum Sorten und Sauerampfer in unsere Packtaschen gesteckt.

Ein kleiner Teil unseres Einkaufs: Tamarillo (Baumtomate), Pepino Dulce (süße Gurke) und eine verdammt scharfe Chili

 

Begeistert vom DIY-Spirit (Spanisch: “Hazlo tu mismo”) unseres Gastgebers, teilten wir an dem Abend nicht nur köstliche Speisen, sondern quatschten uns auch direkt fest. Die Themen: Natürlich vor allem Fahrräder, köstliche Rezepte und Musik. Das Angebot ein paar Tage länger gemeinsam mit ihm in Curanipe zu verbringen nahmen wir natürlich mehr als gerne an. So blieben wir letztlich nicht nur eine, sondern drei Nächte.

Die darauffolgenden Tage bei Antü waren natürlich ebenfalls von vielen köstlichen Speisen geprägt. Darüber hinaus half er uns noch dabei, die Schaltungen unserer Räder wieder zum Schnurren zu bringen. Auch unseren Kompressions-Sack, welcher kurz zuvor gerissen war, durften wir bei einer Freundin von Antü, welche ansonsten Taschen näht und verkauft, mit ihrer Maschine reparieren.

Antü hatte auf jeden Fall mehr Ahnung von Rädern als der heimische Radladen!

 

Auch ein Ausflug zum Strand, eine kleine Kayak-Tour sowie eine kurze Radtour zum lokalen Bier-Brauer standen auf dem Programm. Bei unserem Besuch in der Brauerei war gerade ausschließlich eine Ladung IPA fertig. Auch wenn wir beide eigentlich keine Fans blumiger IPA-Sorten sind, mussten wir beim ersten Schluck feststellen, dass wir gerade das leckerste IPA, welches uns jemals untergekommen ist, in den Händen halten. Wir gönnten uns natürlich ein paar Fläschen mehr. Wer mal in der Region unterwegs ist und Bier mag, sollte der winzigen Brauerei “Cerveceria Chovellen” unbedingt einen Besuch abstatten. Ihr findet sie an diesem Ort: Camino Vecinal, Sector Peuño S/N (von Curanipe aus kommend vor dem Fluss Chovellen links auf eine Dirtroad abbiegen und ca. 200 Meter weiter fahren).

An unserem letzten Abend machten Olli und ich uns erneut auf zu Rosa und Mario, da wir bei unserem ersten Besuch nur frische Zutaten mitgenommen hatten. Für unsere Weiterreise wollten wir unbedingt noch ein paar getrocknete Zutaten von den beiden mitnehmen. Doch unser Bohnen, Kichererbsen und Maismehl-Einkauf dauerte ein paar Stunden länger als geplant. Als wir ankamen begrüßte uns Rosa begeistert und fragte sofort, ob wir etwas Zeit mitbringen. Da wir bejahten, wurden wir direkt in die Küche gelotst und eingeladen dort noch ihre “Mote” zu probieren. Mote ist ein typisch chilenisches Getränk: gekochtes Getreide wird mit Wasser, Zucker oder auch Eistee und Trockenfrüchten aufgegossen und kalt konsumiert. Klingt vielleicht seltsam, ist aber wirklich sehr lecker und gefällt uns vor allem auch als kleiner Snack und Abkühlung on the road.

Die liebsten Gemüsebauern der Region: Rosa und Mario

 

Doch damit nicht genug, denn auf einen Tee, diverse Kekse, Kuchen und ein nettes Gespräch mit dem süßen alten Paar “mussten” wir auch noch bleiben. Beim Abschied sollten wir zudem versichern, dass wir auf jeden Fall wieder zu Besuch kommen, sofern es uns irgendwann nochmal in die Region verschlägt.

Auch die Verabschiedung von unserem wunderbaren Gastgeber und dem von überraschend viel DIY-Spirit geprägtem kleinen Örtchen fiel dieses Mal nicht ganz so leicht wie sonst. Doch natürlich wollten wir trotzdem weiter gen Süden radeln. Daher freuten wir uns umso mehr, als Antü uns beim Abschied sagte, dass wir uns unbedingt melden sollen, wenn wir auf der anderen (argentinischen) Seite der Anden wieder gen Norden radeln, da er uns gerne für ein paar Tage besuchen würde. Das machen wir natürlich gerne und sind schon gespannt, ob Antü außer Brot noch irgendwas in seinen Packtaschen haben wird.

share post to:

Leave A Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.