Im Schneckentempo über Sand und Querrillen

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Auf der Ruta Provincial 1 bis Bahia Creek

Nach einer ruhigen Nacht in den Dünen ging es für uns am nächsten Morgen weiter auf der Ruta Provincial 1. Unser erstes Ziel an diesem Tag war das, direkt an der Küste gelegene, Dorf Bahía Creek.

Für die lediglich 10 Kilometer lange Strecke benötigten wir sage und schreibe eineinhalb Stunden. Grund hierfür war sehr weicher Sand. So mussten wir zwischenzeitlich immer wieder schieben und kamen fahrend ebenfalls nur im Schneckentempo voran.

Kurz vor Bahía Creek führte die sandige Straße zurück zum Meer. Seitenwind blies Sandböen über die Straße, welche derweil wieder etwas besser befahrbar war. Dafür gab es nun ein Peeling inklusive.

Angekommen in Bahía Creek stoppten wir als wir ein Paar entdeckten, welches gerade draußen an ihrem frisch gebauten Haus zugange war. Wir fragten nach Wasser. Mal wieder wurden wir nicht enttäuscht.

Während eines kurzen Schnacks mit den beiden erkundeten wir uns nach der weiteren Beschaffenheit der Ruta 1, da wir am nächsten Tag in Viedma ankommen wollten, wo uns unser nächster Couchsurfing Host erwartete. Aufgrund des Schneckentempos, welches wir auf der sandigen Straße an diesem Morgen an den Tag legten, bezweifelten wir jedoch, dass wir es schaffen würden die über 130 weiteren Kilometer auf dieser Straße bis zum nächsten Abend zu bewältigen. So erkundeten wir uns nach einer alternativen Route. Uns wurde die nahe gelegene RP51 ans Herz gelegt und versichert, dass diese weniger sandig sei.

Weiter auf der Ruta Provincial 51: Mehr Querrillen, weniger Sand

So bogen wir kurz nach Bahía Creek ab. Statt Küstenstraße und weicher Sand hieß es nun sehr feiner loser Kies und Querrillen. Immerhin eine Abwechslung.

Auch hier legten wir kein atemberaubendes Tempo an den Tag, kamen aber immerhin minimal schneller voran. Dünen und Küste tauschten wir gegen recht eintönige Ausblicke auf, mit stacheligen Pflanzen übersäte, Wiesen ein. Vermutlich wäre die Weiterfahrt über die Ruta 1 die wesentlich hübschere Strecke gewesen. Einzige Abwechslung boten die wenigen, weit auseinander liegenden, Farmen und ab und an vorbeiziehende Felsensittiche. Letztere gehören zur Familie der Papageien.

Da es im argentinischen Winter schon gegen 18 Uhr dunkel wird suchen wir unsere Zeltplätze für die Nacht inzwischen wesentlich früher als vor ein paar Monaten. Als wir am späten Nachmittag an einer Wiese mit weniger stacheligen Pflanzen vorbeifuhren, erklärten wir diese daher zu unserem Zuhause für die Nacht.

Während wir unser Essen mampften zogen immer dunklere Wolken auf. Kurz darauf begann es zu nieseln. Immerhin passte das Timing an diesem Tag. Statt weiter im Regen zu sitzen verkrochen wir uns einfach in unser trockenes Zelt.

Eine letzte Etappe bis Viedma

Am nächsten Morgen begrüßten uns noch mehr graue Wolken. Querrillen, sehr loser Kies und kurze Passagen mit sandigem Untergrund wechselten sich ständig ab. Gegenwind trug den restlichen Teil dazu bei, dass wir wieder nur schleppend vorankamen. Auch die Energie fehlte, da ich mich in Sachen Essensplanung das erste Mal auf unserer Reise völlig verkalkuliert hatte und wir entlang der Ruta 1 keine Möglichkeit zum Einkaufen hatten. Nach einem überaus magerem Frühstück (bestehend aus einer viel zu kleinen Portion Haferflocken für jeden) folgte daher ausnahmsweise nur ein winziger Snack, der keinen von uns auch nur ansatzweise glücklich stimmte. Hungrig Radfahren ist eben keine gute Sache und eine Handvoll trockene Cracker bringen einfach keine Energie.

Einzige Abwechslung auf der geraden Straße, welche uns wieder ins Inland führte, waren kleine Hügel, welche uns alle paar hundert Meter erwarteten. Diese waren stets gerade mal so hoch, dass man aus der Ferne nicht hinüber schauen konnte. Die Hoffnung auf eine andere Aussicht nach dem nächsten Mini-Anstieg wurde stets enttäuscht. Der Ausblick hinter den winzigen Hügeln war exakt der gleiche wie bei den vielen ebenso winzigen Anstiegen zuvor. Sagen wir mal so: Alles in allem nicht unbedingt der beste Tag auf unserer Reise. Mit halbwegs gefülltem Magen wäre vermutlich alles halb so wild gewesen. So war unsere Laune jedoch recht weit im Keller.

Wir wollten einfach nur zu einer Dusche, zu einer Portion leckerem Essen und auf eine bequeme Couch. Obwohl uns zur Mittagszeit nur noch etwa 40 weitere Kilometer bis Viedma bevorstanden hielten wir kurzerhand den Daumen raus als ein Pickup an uns vorbei düste. Der freundliche Mann hinter dem Steuer stoppte, obwohl er uns nur ca. 10 Kilometer mitnehmen konnte. Da uns dies wieder auf Asphalt und raus aus der Querrillen-Hölle brachte, nahmen wir liebend gerne an und verstauten unsere Räder schnell auf der Ladefläche.

Kurz darauf waren wir wahnsinnig froh wieder auf festem Untergrund und schneller unterwegs zu sein. Vom Hunger angetrieben düsten wir schnellstmöglich die restlichen Kilometer bis Viedma.

Wir stoppten am ersten Supermarkt, um uns einen Haufen Snacks vom Bäcker sowie eine 1-Liter-Flasche Bier zu genehmigen. Nachdem wir beides vorm Supermarkt stehend und in kürzester Zeit verschlungen hatten war die Laune wieder wesentlich besser. Entsprechend waren wir bereit uns auf die Suche nach dem Haus unseres Hosts zu machen.

Wir wurden schnell fündig und freuten uns, dass Cristian bereits zu Hause auf uns wartete. Nach einem kurzen Schnack drückte er uns seinen Schlüssel in die Hand und verschwand zu seiner Freundin. Das ruhige Ende unseres eher suboptimalen Tages gefiel uns überaus gut: Eine Dusche, mehr Essen, mehr Bier und mit zwei süßen Hunden auf der Couch gammeln.

 

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