Its not only Rock’n’Roll

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Reisepläne und ein Generalstreik

Eigentlich wollten wir bis zum 29. bei Enzo bleiben und gemütlich mit der Bahn nach Buenos Aries reinfahren. Die verbleibenden 60km zwischen La Plata und Buenos Aries sind nämlich komplett zugebautes Ballungsgebiet. Entsprechend gehören die Straßen der Region zu den am stärksten befahrenen des Landes. Einen Euro für zwei Personen für Bahntickets zu bezahlen fanden wir da die durchaus bessere Variante. Fahrräder dürfen im “Tren Roca” nämlich umsonst mitgenommen werden – selbst wenn diese – wie unsere – mit diversen Taschen beladen sind.

Am 27. erfuhren wir über die sozialen Medien, dass am 29, ein Generalstreik der öffentlichen Verkehrsbetriebe in Buenos Aries angesetzt war. Somit verließen wir Enzo und seinen Mitbewohner bereits einen Tag früher als geplant.

Die Bahnfahrt verlief völlig unkompliziert. Das einzige Bemerkenswerte war lediglich wie viele Räder man in das kleine Fahrradabteil hinstapeln konnte. Wo in Deutschland oder Europa gemotzt und gezetert wird, finden die Argentinier immer eine Lösung und noch ein Plätzchen für den nächsten zusteigenden Radler.

Seid bloß vorsichtig!

Während der Fahrt kamen wir noch mit einem jungen Mann, der ebenfalls regelmäßig Radreisen macht, ins Gespräch. Er sagte, dass er lediglich einen neuen Schlafsack in Buenos Aries für seine nächste Reise kaufen wollte. Weiter warnte er uns eindringlich, dass Buenos Aries was Diebe und Räuber angeht ein sehr gefährliches Pflaster sei.

Wir nahmen seine Warnung durchaus ernst und planten unsere Route durch die Stadt somit direkt im Bahnhof vor einer Gruppe Polizisten. Da wir unser AirBnB erst am nächsten Tag beziehen konnten, wollten wir die erste Nacht bei Milena, einer Freundin von Sarah, verbringen.

Leider stellten wir nach 8km durch die Stadt fest, dass es die Straße “Estado de Israel” zwei mal in Buenos Aries gibt (Tipp: in Großstädten niemals nach Straßennamen navigieren, immer eine GPS-Koordinate nutzen). Mittlerweile wurde es auch schon dunkel und Maps.me teilte uns mit, dass wir noch 18km in die komplett andere Richtung vor uns hatten.

Aufgrund der Warnung im Zug entschieden wir uns über die sechs-spurige Stadtautobahn zu fahren und nicht die von Maps.me vorgeschlagene Route durch kleine Seitenstraßen zu nehmen. Wir dachten, dass die Gefahr überfallen zu werden dort geringer sein würde.

Also Lichter an die Räder, Warnwesten an, Handy auf den Lenker montiert und Augen zu und durch.

Nach etwa 3km kam ein Motorradfahrer, überholte mich von rechts und riss mir im vorbeifahren das Handy vom Lenker. Fuck, was für eine verdammte Kackscheisse! Zitternd vor Wut hielt ich am Straßenrand. Die Aktion ging so schnell, dass Sarah zuerst dachte der Fahrer hätte mich lediglich angerempelt.

Mit einer Stunde Verspätung erreichten wir zum Glück ohne weitere Zwischenfälle Milena. Während Sarah mit unserer Gastgeberin Bier auf den Schock kaufen ging, sperrte ich mein Handy und änderte zur Sicherheit noch all meine Passwörter.

Unser AirBnB

Am nächsten Tag gegen Mittag verließen wir Milena und fuhren die paar Kilometer zu unserem AirBnB.

Wir hatten im Vorfeld extra abgeklärt, dass wir unsere Räder mit in die Wohnung nehmen könnten. In einigen Häusern dürfen Räder nämlich nur in den Hof oder Gemeinschaftskeller gestellt werden. Erfragt also bei einer Buchung sowas immer im voraus.

Nach dem wir unsere Vorderräder demontiert hatten passten die Räder auch irgendwie in den kleinen Fahrstuhl und wir bezogen unser Quartier für die nächsten drei Wochen im sechsten Stock.

Den Rest des Tages verbrachten wir mit Einkaufen von Lebensmitteln, dem zubereiten von zwei Dutzend Empanadas, in der Badewanne rumhängen, fressen und Bier trinken. Nach all der Zeit ist es schon ein wahrer Luxus wieder mal eine eigene Wohnung für sich alleine zu haben. Dank eines fetten Wochenrabattes kostet die Unterkunft uns für 21 Tage im Zentrum lediglich 389,08€.

Rock’n’Roll und Ersatzteile

Am nächsten Abend hatten wir eine Verabredung mit meinem portugiesischen Freund Manuel beim Avantasia-Konzert im Theater Flores. Manuel ist der Lichtdesigner und Operator der Band und war gerade mit den Jungs am Ende einer 10 wöchigen Welttournee in der Stadt zu Gast.

Zu unserem Glück führte ihn die Tournee zu einem früheren Zeitpunkt nach Hamburg. Dort wurden ihm von meinem Onkel neue Kassetten für unsere Räder mitgegeben. Die alten Kassetten waren zwar noch sehr gut im Schuss, aber da wir perspektivisch noch mindestens einmal über die Anden wollen, erschien es uns sinnvoll die Chance zu nutzen und uns durch ihn Ersatzteile aus der Heimat mitbringen zu lassen. Auch hätten wir in Argentinien aufgrund der Wirtschaftslage mehr als das Doppelte für die Ersatzteile bezahlen müssen.

So fahren wir nun anstatt mit 11-32 mit 11-36 Zähnen durch die Gegend. Die alten Kassetten (siehe Bild) verkauften wir an einen Argentinier aus der Whatsapp-Gruppe “Biking to Patagonia”. Durch diesen für alle guten Deal haben wir für die neuen Kassetten ca. 15€ bezahlt. Eine somit doch sehr überschaubare Investition.

Auf dem Konzert begrüsste uns Manuel freudig und drückte uns erstmal eine ein Literflasche Bier in die Hand. Wir begleiteten ihn zum FOH (Front of House – der Arbeitsplatz des Licht- und Tontechniker während des Konzertes).

Manuel war wie immer sehr gut gelaunt und scherzte noch kurz vor Konzertbeginn was dieses mal wohl mit der Technik schieflaufen würde. Er betreut die Band seit mehr als 10 Jahren und war mit ihnen schon öfters auf Welttournee. Gerade in Südamerika ist es immer wieder sehr spannend, was aufgrund von schlechtem Equipment oder übler Spannungsschwankungen in den Stromnetzen alles nicht optimal läuft.

Und so war es dann auch. Nach gerade mal zwei Stücken fiel der komplette Monitorsound aus. Tobias Sammet, der Sänger, brach lachend den Song ab und erklärte den Fans, dass sie an einem historischen Moment in der Bandgeschichte teilhaben dürften. Denn bisher gab es noch nie einen kompletten Showabbruch bei Avantasia.

Manuel feizte derweil mit Achim, dem Tontechniker, dass dieses mal nicht er und sein Licht für die Probleme verantwortlich wären. Nach ca. 15 Minuten war das Problem behoben und das Konzert ging ohne weitere Zwischenfälle weiter.

Gelbe Fader sind immer Publikumslicht

Insgesamt spielte Avantasia über 2 1/2 Stunden und kurz vor den Applauscalls (Vorstellung der Bandmitglieder) wurde Manuel immer hibbeliger. Während er den letzten Song am Lichtpult drückte, erklärte er mir, dass er dringens aufs Klo müsste und ich nun seinen Job machen müsste. Ich dachte, dass Manuel mich verarschen wollte, da war er auch schon verschwunden.

Mir blieb also nichts anderes übrig als das Pult zu übernehmen. Wir kennen uns nun schon seit mehreren Jahren und Manuels Arbeitsweise ist mir dadurch zum Glück zumindest rudimentär vertraut.

Gelb markierte Fader waren in der Vergangenheit bei Manuel immer Publikumslicht und so war es zum Glück auch dieses mal. Als schob ich nach der Ansage des jeweiligen Namen einfach die beiden Fader nach oben damit das Publikum während des Applauses für die Musiker sichtbar wurde.

Nach dem Konzert stellte Manuel uns noch den Rest der Tourcrew vor. Die, außer ihm, komplett deutsche Crew erklärte uns für verrückt für unser Vorhaben mit dem Fahrrad um die Welt zu fahren. Man beschenkte uns mit allen möglichen Resten des Crewcaterings, was wir dankend annahmen. Denn wieso z.B. Kaffee kaufen wenn man selbigen umsonst haben kann.

Abschließend fuhren wir mit den ganzen Haufen noch ins Hotel und ließen den Abend in Gesellschaft der Crew und einiger Bandmitglieder bei etlichen Drinks ausklingen.

An dieser Stelle nochmals ein großes Dankeschön an Manuel für seine Hilfsbereitschaft. Ich werde mich, wenn wir uns irgendwann wiedersehen, dafür entsprechend revanchieren.

 

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Comments 1

  1. Bilanz: 84 Tage Argentinien – THE ROAD IS LIFE
    Reply

    […] Glück wurden uns diese von Ollis Freund Manuel  mitgebracht. In Argentinien sind selbige nämlich verdammt teuer. So fahren wir nun anstatt mit […]

    12 August, 2019

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