Miguels kleines Museum

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Villa la Angostura – Bariloche

Nachdem wir am Abend der Besitzerin des Campingplatzes von unserem vereisten Zelt am Lago Villarino erzählt hatten, stellte sie uns ungefragt einen Heizlüfter mit passenden Verlängerungskabel vors Zelt. In der Nacht, die sehr mild war, haben wir den Heizlüfter nicht gebraucht. Er eignete sich aber hervorragend um das Zelt am morgen schnell vom Kondenswasser zu trocknen.

Somit sind wir gegen 9:30 Uhr bereits startklar und besteigen gut gelaunt unsere Räder. Bis nach Bariloche sind es noch ca. 84Km auf der Ruta National 40 für die wir zwei Tage eingeplant haben. Nach 1 ½ Stunden haben wir bereits etwas mehr als 30Km der Strecke zurückgelegt und machen eine kurzer Pause um einige Panorama-Aufnahmen mit der Drohne zu machen und natürlich ordentlich Energie in Form von Keksen nachzutanken.

Vielleicht doch direkt bis Bariloche?

Während unserer 20 minütigen Pause radeln vier andere Radreisende fröhlich grüßend an uns vorbei. Zur Zeit scheint jeder Radreisende in Argentinien auf der Ruta 40 Richtung Norden unterwegs zu sein. Alle fliehen vor dem patagonischen Winter in wärmere Gefilde.

Während der Pause überlegen wir kurz, ob wir vielleicht doch schon heute nach Bariloche durchfahren. Unser Host bei Warmshowers erwartet uns zwar erst für Sonntag, aber vielleicht hat er ja auch schon heute etwas Platz für uns und unsere Isomatten. Wir beschließen erst einmal weiter zu fahren, zu gucken wir es rollt und uns gegebenenfalls Abends spontan in Bariloche um eine Unterkunft zu kümmern.

Kurz bevor wir den Lago Nahuel-Huapi für die letzten zwei Anstiege auf unserer Route verlassen, sehen wir eine weitere fünfköpfige Gruppe Radreisender am Straßenrand. Wir beschließen ebenfalls kurz anzuhalten, etwas zu schnacken und den malerischen Ausblick auf den See zu genießen. Die Jungs sind allesamt der Meinung, dass wir es mit dem guten Rückenwind locker bis Bariloche schaffen sollten. Der Wind hätte uns quasi nur so die beiden Berge hochgepustet.

Mal wieder Murphy

Hätte, wäre da nicht Sarahs Hinterrad, das leider 150m nach unserem Schnack komplett Platt ist. Wir ärgern uns kurz über den Zeitverlust. Auch wenn ich mittlerweile ziemlich routiniert bei allen Arbeitsschritten bin, kann man das anziehen des Klebers und das Verkleben selbst nicht beschleunigen und somit ist ca. eine halbe Stunde an Fahrzeit weg. Während ich das Hinterrad wieder einbaue und mit meiner Mini-Ratsche festziehen möchte macht es auf einmal „Knack“ und das komplette Gewinde verabschiedet sich von der Mutter der Steckachse. Da schleppt man schon ca. 4kg an Ersatzteilen mit sich herum, aber genau für diese Schraube habe ich natürlich keinen Ersatz dabei. Leider ist ohne keine Weiterfahrt möglich. Wir versuchen also mal wieder ein Auto anzuhalten. Der erste Pickup fährt leider winkend an uns vorbei, aber der darauffolgende Kleinwagen hält neben uns an.

Sarah und der Fahrer überlegen, wie sie das Fahrrad in das viel zu kleine Auto bekommen. Währenddessen ich die Idee, dass ja eigentlich auch die Mutter der vorderen Achse hinten passen sollte. Dies funktioniert auch einwandfrei. Somit können wir unsere Fahrt ohne fremde Hilfe vorsetzen. Da die vordere Achse jetzt nur durch das Gewicht des Rades und von zwei Kabelbindern einigermaßen in Position gehalten wird, ist schnelles Fahren nicht wirklich möglich. Zum Glück ist die Straße asphaltiert, auf einer Gravelroad wäre auch diese Variante keine Option gewesen.

Während wir mit weniger als 10kmh unterwegs sind, versuchen wir weiterhin ein größeres Auto zu stoppen. Der zehnte Pickup hält dann auch tatsächlich neben uns. Das junge Paar ist eh gerade auf dem Weg nach Bariloche. Kurzerhand werden unsere Räder auf der Ladefläche verstaut. Die beiden suchen während der Fahrt für uns noch den einzigen Fahrradladen in Bariloche, bei dem die Chance besteht, dass er an einem Samstag nach 16 Uhr noch einmal öffnet.

Die beiden fahren uns daraufhin direkt vor die Tür des Ladens. Laut Internet und dem Aushang bei „Bariloche Bikes“ öffnet der Laden wirklich von 18-20 Uhr nochmal. Wir verbringen die 1 ½ Stunden Wartezeit mit Futtern und versuchen zeitgleich unserem Host bei Warmshowers zu erreichen. Als wir ihn erreichen entschuldigt er sich ungefähr tausend mal. Leider ist er spontan mit seiner Freundin nach Chile gefahren und ist erst am Sonntag Abend zurück. Somit geht die Suche bei Warmshowers und Couchsurfing weiter.

Miguel

Miguel, ein anderes Mitglied bei Warmshowers hatte uns im Vorfeld auch eine Unterkunft angeboten. Als seine Antwort uns erreichte, hatten wir aber bereits dem anderen Host zugesagt. Wir beschließen Miguel spontan anzurufen. Seine Antwort ist recht kurz: „Ich fahre noch 1-2 Stunden Rad, bei mir vor der Tür sitzt aber eh schon ein spanischer Radfahrer. Setzt euch einfach dazu, ich habe Platz für euch alle. Und wartet nicht zu lange vor dem Radladen, der macht bestimmt eh nicht mehr auf.“

Wir warten also nur bis ca. 18:30 Uhr und sehen dann ein, dass Miguel als Local recht haben wird und der Laden wohl nicht wieder öffnet. Als wir bei Miguel ankommen, ist auch er gerade zurück von seiner Ausfahrt und führt Xavier, den Spanier gerade durch sein provisorisches Museum. Miguel ist mittlerweile 63 Jahre alt, betrieb über 15 Jahre einen Fahrradladen, baut seit ca. 30 Jahren eigene Rahmen und sammelt nebenbei noch seltene Retro-Rennräder. Nahezu jede Wand in seinem Haus ist mit historischen Rennrädern dekoriert.

Im Garten hat Miguel ein kleines Gästehaus. Im oberen Teil vermietet er zwei Appartments an normale Touristen. Im unteren Teil des Gebäudes befindet sich zum einen seine Werkstatt, zum anderen noch ein weiteres Apartment. Dieses dritte Apartment hat er nur für Warmshowers-Gäste. Zur Zeit ist er dabei, dieses zu seinem privaten Museum umzubauen. Irgendwann kann man dann also als Radreisender in dem Museum schlafen.

Während wir noch dabei sind unsere Räder zu entladen, beginnt Miguel begeistert weitere Schätze zu präsentieren. Wir sind so geflasht von der Sammlung, dass wir sofort fragen ob wir eine Nacht länger bleiben können, damit wir Zeit haben zumindest Teile seiner Sammlung zu filmen. Miguel ist von der Idee begeistert und lädt uns ein solange wie wir wollen zu bleiben. Da Miguel am Abend noch einiges zu erledigen hat, verabschiedet er sich von uns. Er weist uns noch fröhlich daraufhin das morgen Wahltag wäre und es deshalb ab 21 Uhr sowie morgen keinen Alkohol zu kaufen gäbe. Wir sollten dies also bedenken und lieber vorsorgen.

Mit Xavier beschließen wir gemeinsam zu kochen und fetten Eintopf aus unseren gemeinsamen Resten zuzubereiten. Aber erstmal befolgen wir Miguels Rat und kaufen für die nächsten Tage ordentlich Bier ein.

L`hirondelle – Retro Direct

Am nächsten Morgen begrüßt uns Miguel und zaubert ganz nebenbei das passende Ersatzteil für Sarahs Rad aus der Tasche. Auf die Frage was wir ihm für das Ersatzteil schulden würden, muss Miguel nur lachen. Er zeigt uns daraufhin einen kompletten Schuhkarton mit Achsschrauben und meint er hätte wohl bis an sein Lebensende genug auf Vorrat davon. Während Sarah und ich uns der Pflege unserer Räder widmen, präsentiert Miguel fröhlich weitere Räder seiner Sammlung.

Unter anderem zeigt er uns ein „L´Hirondelle Retro_Direct“ welches er komplett selbst gebaut hat. Das faszinierende an dem Rad ist die Zwei-Gangschaltung. Wenn man normal vorwärts tritt hat man einen mittelschweren Gang um gut Strecke zu machen. Um ohne großen Kraftaufwand auch Berge hochzukommen, tritt man einfach rückwärts und schon hat man einen leichteren Gang. Klingt komisch, funktioniert aber tadellos und ist unglaublich einfach zu realisieren. Guck euch einfach das kurze Video mit Xavier an.

 

Campagnolo – Cambio Corsa

Ein weiteres absolutes Juwel der Sammlung ist ein Rad mit Campagnolo „Cambio Corsa“ Schaltung. Bei dieser Schaltung wird das Hinterrad während der Fahrt mit Hilfe eine Hebels und spezieller Ausfallenden horizontal verschoben. Da durch wird die Kettenspannung reduziert und man kann mit Hilfe eines zweiten Hebels die Ritzel wechseln.

Die Schaltungskomponenten schenkte ihm ein Freund, leider fehlten die speziellen Ausfallenden. Miguel begab sich also auf die Suche nach selbigen. Leider waren die Ausfallenden nur über Ebay zubekommen und dann auch nur richtig teuer. Somit dauerte es insgesamt über 10 Jahre bis Miguel die passenden Teile in einem Radladen in der letzten Ecke völlig verstaubt fand. Den Rahmen baute Miguel nach original Plänen selbst. Seitdem das Rad fertig ist freut er sich immer wieder wie ein kleiner Junge, wenn er im Vorbeifahren andere Rennradfahrer mit seiner Schaltung massiv irritiert. Ich würde wahrscheinlich gegen den nächsten Baum fahren, wenn mich jemand mit über 40kmh, grüßend und so schaltend überholt.

In den nächsten Tagen machten wir einige kurze Videos mit Miguel und widmeten uns unserer zweiten Lieblingsbeschäftigung: Fressen. Xavier, war was das anging genauso gestrickt wie wir. Somit beschäftigten wir uns lediglich mit Spaziergängen zum Supermarkt oder dem Herd. Miguel fasste es sehr gut zusammen als er bemerkte, dass wir drei Mittags gerade die vierte Mahlzeit zu uns nahmen und bereits über die nächsten 2-3 Mahlzeiten diskutierten: „ Ein Radreisender, der keine Lust zu essen hat, muss tot sein.“ war seine schlichte und sehr treffende Zusammenfassung der Situation.

 

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