Mit dem Rad auf der Panamericana

  • Mit dem Rad auf der Panamericana

„Um in Richtung Süden aus Santiago rauszufahren nehmt ihr am besten die Autobahn Acceso Sur.“ Bei diesen Worten unseres Gastgebers Pablo blickten Olli und ich uns leicht verstört an. Mit dem Fahrrad auf der Autobahn in Lateinamerika? No gracias, wir wollten eigentlich noch ein paar Tage überleben. Währenddessen fuhr unser Gastgeber mit seiner Erklärung, wie wir am besten gen Süden aus der Metropole rauskommen fort. Wir ließen ihn reden und planten im Anschluss eine andere Route über eine kleinere Straße, welche sich einige hundert Meter hinter besagter Autobahn befindet. Bis zu diesem Punkt kamen wir uns auch noch ein klitzekleines bisschen Clever vor.

Santiago de Chile – Rancagua

Am 17.01. ging es dann endlich los. Nach etwa 10 Kilometern durch Santiago erreichten wir den von uns gewählten Feldweg – und wenige Meter später ein großes geschlossenes Tor. Danke, Maps.me. Aufgrund mangelnder Alternativen kehrten wir um und nahmen dann doch besagte Autobahn. Immerhin hatten wir soweit zugehört, um zu wissen, dass der Acceso Sur die bessere Alternative zur anderen, ebenfalls in Richtung Süden führenden, Autobahn Ruta 5 (bekannter als Panamericana) sein sollte. Tatsächlich fanden wir einen sehr breiten Seitenstreifen vor, auf welchem wir uns überraschend sicher fühlten. Als uns wenige Kilometer später ein Rennradfahrer mit Begleitfahrzeug überholte, waren wir relativ überzeugt, dass die Empfehlung unseres Gastgebers doch keine ganz so verkehrte war. Immerhin rollte es sich gut und vor allem recht schnell aus der Metropolregion hinaus.

Wenig später fuhren wir an einem Schild vorbei, welches uns offensichtlich mitteilen wollte, dass radfahren an dieser Stelle mitunter doch nicht ganz so legal oder erwünscht ist. Ignoranz schien uns – im Gegensatz zu umdrehen – die wesentlich bessere Option. Quasi im gleichen Moment fiel uns wieder ein: Halt, da war noch was! In vielen Ecken Lateinamerikas finden sich Mautstationen auf den Autobahnen. So natürlich auch hier. Wir fuhren also bis zum ersten Mauthäuschen, wo wir von zwei breit lächelnden Angestellten begrüßt wurden. Auf unsere Frage „Dürfen wir durch?“ kam zunächst die Gegenfrage: „Habt ihr einen Motor?“. „Natürlich nicht.“ „Dann geht doch einfach an der Schranke vorbei.“ Höchst erfreut über diese Information schoben wir unsere beladenen Räder an der Seite vorbei und radelten weiter Richtung Süden zum Städtchen Rancagua, wo wir die Nacht verbringen wollten. Auf dem Weg dorthin passierten wir erneut problemlos Mautstationen, deren Mitarbeiter unsere Anwesenheit zwar zu belustigen schien, die aber weit davon entfernt waren, uns von unserem Weg abhalten zu wollen. Auch hier durften wir einfach an der Schranke vorbei.

Etwa 40km vor Rancagua wird der Acceso Sur mit der Autobahn Panamericana zusammengeführt. Hier galt erneut die Devise: Hilft alles nichts, wir müssen weiter raus aus dem Großraum Santiago. Auch hier fanden wir wieder einen, meist ziemlich breiten, Seitenstreifen vor und, wie auch auf den Kilometern zuvor sowie in Santiago selbst, überraschend rücksichtsvolle Autofahrer. Trotz der über 40°C von oben und mindestens genauso viel reflektierender Hitze vom Asphalt, rollte es sich weiterhin ziemlich gut durch die staubtrockene Region. Am Nachmittag erreichten wir irgendwann Rancagua, wo wir von unserem Gastgeber in Santiago einen Platz für unser Zelt im Garten einer befreundeten Familie vermittelt bekommen hatten.

Rancagua – San Fernando

Nach einer Nacht im Garten starteten wir am darauffolgenden Tag früh morgens weiter Richtung Süden, da wir zumindest einige Kilometer am Vormittag (bei zum Radfahren wesentlich angenehmeren 20 bis 30°C Grad) zurücklegen wollten. Unser Weg führte uns leider erneut auf die stark befahrene Panamericana zurück. Dieses Mal vorübergehend auch ohne Seitenstreifen. Nach einigen Überlegungen wagten wir uns dennoch erneut auf die Straße, da unsere Karte keine alternative Route ausspuckte. Zu unserer großen Verblüffung wichen die Autofahrer auch hier rücksichtsvoll aus und überließen uns die komplette rechte Spur. Der einzige nennenswerte Ausblick von hier war, neben zu viel Staub, Autos und LKWs, ähnlich wie am Vortag: Alle paar Kilometer ein Stand mit gigantischen Wassermelonen.

Im Laufe des Vormittags erblickten wir neben der Autobahn einen kleines Dorf mit einen paar Bänken im Schatten. Praktischerweise fanden wir wenige Meter weiter ein Loch im Zaun, welches groß genug für uns und unsere bepackten Drahtesel war. Wir nutzten die Gelegenheit und verabschiedeten uns von der, auf die Dauer doch ziemlich stressigen, Panamericana. Bei Tortillas mit Bohnenmus checkten wir erneut unsere offline Karten, da wir wenig Lust hatten weiter über die Autobahn zu ballern. Schließlich wollen wir nicht schnellstmöglich irgendwo ankommen, sondern eine entspannte und sehr lange Radtour machen. Landstraßen oder Feldwege, welche uns über kleine Dörfer oder mitten durch die Natur führen reizen uns entsprechend wesentlich mehr als viel befahrene Straßen. Wir hatten Glück und entdeckten auf unserer Karte eine kleinere Landstraße, welche ebenfalls zu unserem Tagesziel nach San Fernando führte. Die paar Kilometer Umweg den diese Streckenänderung mit sich brachte nahmen wir dafür sehr gerne in Kauf. Die Belohnung traf quasi umgehend ein: Ein hübsches Fleckchen im Schatten direkt am Rio Claro, wo wir uns am Nachmittag noch eine längere Auszeit von der Sonne gönnten und eine Wassermelone als Stärkung teilten. Auch die Straße war nicht nur schöner, sondern auch wesentlich weniger befahren. LKWs und Busse überholten uns hier fast keine mehr. Außerdem gab es in den kleinen Orten durch welche unser Weg führte zu unserer Überraschung meist sogar Radwege. Diese endeten jedoch immer sofort nach der Ortschaft.

Wie schon an unseren ersten Tagen in Chile, wurde es Nachmittags irgendwann mit über 40°C wieder fast unerträglich heiß und die letzten Kilometer vor San Fernando waren vor allem von kurzen Stops im Schatten zum Trinken geprägt. Wir erreichten unseren Couchsurfing Host an diesem Abend erst gegen 19.00 Uhr und waren wahnsinnig froh dort direkt unter die Dusche springen zu können. Trotz aller Müdigkeit quatschten wir uns beim Abendessen im Hinterhof unseres Gastgebers dann doch auf so einige Biere fest. Nicolas und eine Freundin, welche ihn gerade ebenfalls besuchte, brachten uns an dem Abend zum Glück auch auf die Idee unsere bisherige Routenplanung direkt über den Haufen zu werfen. Beide sagten, dass wir, wenn wir uns weiter durch die Mitte Chiles nach unten bewegen, nicht vermeiden könnten, dass wir immer wieder auf die Panamericana gelangen. So führte der Abend auch dazu, dass wir unseren extrem netten Gastgeber fragten, ob wir eine zweite Nacht bleiben dürfen. Wir nutzten den darauffolgenden Tag, um in Ruhe eine neue Strecke (weg von der Panamericana und hin zur Küste) zu planen und einen kleinen Spaziergang durch die beschauliche Kleinstadt zu machen.

Statt weiterhin in Richtung Süden, rollten wir am nächsten Tag also gen Westen, in der Hoffnung, dort auf entspannte Landstraßen, Feldwege und schöne Campingspots zu stoßen.

Neue Routenplanung mit Bier im Pool

 

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