Stress- und Strafzettel-frei nach Asunción

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Von Villarrica nach Paraguarí

Auf unserer Tagesetappe erwarteten uns etwa 90 Kilometer in brüllender Hitze. Die Temperaturen waren, mal wieder, auf fast 40°C geklettert. Dies faszinierte uns einerseits, da schließlich eigentlich gerade “Winter” auf dieser Seite der Welt war. Andererseits waren wir wahnsinnig froh darüber, dass für uns zu dieser Jahreszeit – und nicht im Sommer – durch Paraguay ging.

Wie auch schon am Vortag war die Strecke nicht sonderlich spektakulär, dafür aber immerhin asphaltiert, nur wenig befahren und somit gut zum Radfahren geeignet. So rollten wir nach einer entspannten Tour am Nachmittag in Paraguarí ein.

Ein letztes Mal Couchsurfen in Paraguay

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch keinen blassen Schimmer, wohin es in der Stadt für uns gehen sollte. Zuvor hatten wir zwar eine Couchsurfing Anfrage abgeschickt, aber bis zu unserer Abreise aus Villarrica noch keine Antwort erhalten. Angekommen in Paraguarí checkten wir die App erneut und stellten, mindestens so überrascht wie erfreut, fest, dass wir derweil tatsächlich eine Zusage von Justo erhalten hatten. Wir wählten also direkt Justos Nummer. Er erklärte uns den Weg zu seinem Zuhause und beendete das Telefonat mit einem „Spart euch noch etwas Energie auf, zu meinem Haus geht es nochmal ein paar Kilometer nach oben.“ Zum Glück stellte sich diese letzte kleine Steigung als harmlos heraus. Wenig später standen wir vor seinem Grundstück am Rande der kleinen Stadt.

Dort angekommen begrüßte uns zunächst Violeta, eine Freundin von Justo. Violeta erzählte uns, dass sie aus Korea kommt, inzwischen in Panama lebt und vor einigen Jahren für ein Jahr als Freiwillige in Paraguarí tätig war. Zur Zeit sei sie für zwei Wochen zu Besuch. Während wir noch vor dem Haus mit Violeta schnackten, tauchte auch Justo auf und präsentierte uns direkt unser Heim für die Nacht. Hinter seiner, an sein Grundstück angrenzenden, Holzwerkstatt, hatte er extra einen einfachen Raum für Reisende gebaut. Neben zwei Betten gab es im Eingangsbereich sogar einen Kühlschrank sowie ein Badezimmer. Aufgrund der extremen Hitze zauberte Justo sogar noch einen Ventilator aus seinem Ärmel. Geschlaucht von unserem Ritt durch die knallheiße Sonne freuten wir uns über diesen ganz besonders.

Wenig später machten wir es uns mit den beiden im Schatten im Garten bequem. Nachdem wir uns eine Weile über Reisen und Couchsurfing unterhalten hatten, entschuldigte sich Justo. Er müsse noch zu einer Versammlung im Ort und könne den Abend daher leider nicht mit uns verbringen. Da wir ohnehin sehr müde von unserer Tour durch die Hitze waren kam uns dies durchaus gelegen, da wir so ohne schlechtes Gewissen gegenüber unserem Gastgeber früh ins Bett fallen konnten.

„Lass’ uns früh aufstehen und der Hitze entgehen!“

Wie das so mit guten Plänen ist, scheitern diese gerne mal an der Umsetzung. Wir stellten uns einen Wecker, frühstückten, beluden unsere Räder und waren für unsere Verhältnisse sehr früh startklar. Allerdings kam in diesem Moment Justo mit einem „Ihr könnt hier noch nicht weg, schließlich kennt ihr Paraguarí noch gar nicht“ um die Ecke. Die darauf folgende Einladung noch eine Stadttour mit uns zu machen wollten wir nicht ausschlagen. Also ging es in Justos Auto statt aufs Rad. Vor der Tour durch die Stadt musste jedoch noch eine Tür im Nachbarort abgeliefert und Violeta bei Justos Eltern eingesammelt werden.

Danach rollten wir noch eine Weile gemeinsam mit den beiden durch die Stadt sowie auf einen Berg, von welchem wir einen Blick auf die Gegend werfen konnten.

Als wir wieder zurück an Justos Haus waren, war es derweil fast 11 Uhr – und natürlich bereits wieder über 35°C. Wir verabschiedeten uns rasch von den beiden, um uns endlich auf in Richtung Asunción zu machen. Wir waren uns nämlich relativ sicher, dass die rund 60 Kilometer lange Strecke in die paraguayische Hauptstadt nicht nur wegen der Hitze, sondern vor allem aufgrund des Verkehrs, ein ziemlich anstrengender Ritt werden dürfte. Kommentare wie “Der Verkehr in Asunción ist viel schlimmer als in Buenos Aires” hatten uns zuvor nicht gerade viel Mut gemacht. Denn unsere Fahrten durch die argentinische Hauptstadt gehörten bisher zu den nervenaufreibendsten auf unserer Reise.

Auf der Ruta Nacional 1 nach Asunción: Eine verdammt schlechte Idee

Zunächst folgten wir Ruta Nacional 1, welche sich nach 24 Kilometern gabelt. Auch danach wollten wir dieser Straße folgen, stellten jedoch sehr schnell fest, dass dies ein recht lebensgefährlicher Plan war. Nach der Gabelung war die Straße sehr schmal, der Seitenstreifen verschwunden und die – viel zu vielen – LKWs und Autos fuhren aufgrund mangelnder Möglichkeiten auszuweichen viel zu nah an uns vorbei.

Als wir nach schätzungsweise zwei Kilometern, kurz vor Itá, eine Tankstelle entdeckten war für uns klar, dass wir erst einmal ranfahren, durchatmen und vor allem überlegen, wie wir unversehrt nach Asunción kommen. Ratlos warfen wir einen Blick auf die Karte. Es existierte noch ein anderer Weg in die Hauptstadt, der wenige Kilometer länger war. Für diesen müssten wir jedoch zunächst wieder ein Stück zurück fahren. Da wir absolut keine Ahnung hatten, ob diese andere Straße (Acceso Sur) auch nur ansatzweise besser zum Radfahren geeignet ist, fragte ich einen Tankwart um Rat, ob er uns eine sicherere Strecke mit Seitenstreifen empfehlen kann. Er riet uns dazu besagten Acceso Sur zu nehmen. Die Straße sei neuer und etwas breiter als die Ruta Nacional 1 und habe, zumindest für einige weitere Kilometer, einen Seitenstreifen.

Zwischendurch schnackten wir noch via Whatsapp mit unserem Radreise Kumpel Charles aus Kanada, da dieser sich ebenfalls gerade auf dem Weg nach Asunción befand. Das erste Mal hatten wir ihn in Viedma, später dann in Necochea, Buenos Aires sowie zuletzt in Puerto Iguazú getroffen. In Asunción waren wir erneut verabredet und wollten ein paar Tage miteinander verbringen. Er war in diesem Moment bereits auf dem Acceso Sur unterwegs. Er schien jedoch ebenfalls nicht sonderlich entzückt von seiner gewählten Route.

Versuch Nummer zwei: Über den Acceso Sur nach Asunción

Schlimmer als die RN 1 konnte es allerdings nicht werden. Entsprechend ging es für uns wieder zurück zur Gabelung und ebenfalls auf den Acesso Sur. Natürlich hatte Charles recht. Auch diese Straße löste keine Begeisterungsstürme in uns aus, aber wir waren zumindest wieder etwas sicherer unterwegs und hatten hier zumindest nicht das Gefühl direkt vom nächsten Truck überrollt zu werden. (Höchstens vom übernächsten.)

Derweil waren natürlich wieder knapp 40°C. Von unten (Asphalt) war es gefühlt noch viel wärmer als von oben. Als wir nach diversen Kilometern auf dem Acesso Sur ein Schild entdeckten, welches kostenlos Eiswürfel an einer Tankstelle versprach, stoppten wir sofort. Ausschließlich mit pipi-warmen Wasser im Gepäck war das Angebot zu verlockend. Zusätzlich zu einem Haufen Eiswürfeln genehmigten wir uns noch zwei Liter Brause im Schatten neben der Tankstelle. Lust weiter gen Hauptstadt zu radeln hatten wir derweil immer noch nicht, denn auch der Acceso Sur wurde mit jedem Kilometer, welchem wir uns Asunción nährten, nicht gerade Radfahrer freundlicher.

Ihr habt aber eine schöne Ladefläche…

Währenddessen hielten zwei junge Männer mit einem Auto mit großer Ladefläche direkt neben uns. Beide grüßten freundlich und wir beschlossen: Die beiden sind unsere Chance die letzten Kilometer stressfrei zurückzulegen. Entsprechend schnackte ich die zwei an, ob sie vielleicht nach Asunción fahren und uns und unsere Räder auf ihrer Ladefläche mitnehmen könnten. “Auf der Ladefläche geht nicht, auf dem Weg nach Asunción sind überall Polizei Kontrollen.” sagte einer der beiden. “Vorne ist auch schlecht, weil wir nur drei Sitze haben. Wenn die Polizei sieht, dass wir da zu viert sitzen müssen wir eine Strafe zahlen” fügte er hinzu. Zu viele Menschen in Autos oder auf Ladeflächen scheint übrigens überall anders im Land ein geringeres Problem zu sein bzw. ist in einigen anderen Regionen zumindest gang und gäbe. Nicht so im Ballungsgebiet von Asunción, versicherte uns der Beifahrer, denn hier seien die Polizeikontrollen häufiger und strenger.

Uns nicht mitzunehmen war für die beiden scheinbar aber auch keine Option, da beide zum Glück leidenschaftliche Freizeit Radler waren und sich dem ätzenden Verkehr im Speckgürtel der Stadt mehr als bewusst. So einigten wir uns nach kurzem hin und her darauf, dass wir vorne zu viert (ich bei Olli auf dem Schoss) fahren. Bei Polizeikontrollen müsste ich dann eben schnell aussteigen bevor die Polizei uns sieht, an der Kontrolle vorbei laufen und außerhalb der Sichtweite der Polizei wieder einsteigen.

Ein verdammt guter Deal, fanden wir und quetschten uns, nachdem wir die Räder auf der Ladefläche verstaut hatten, mit den beiden ins Auto. Beide waren super nett und wahnsinnig interessiert daran was wir mit unseren Rädern in Südamerika treiben. Quatschend vergingen die verbleibenden Kilometer durch den dicht gedrängten Verkehr gen Asunción recht rasch.

Strafzettel umgehen à la Paraguay

Spätestens als der schmale Seitenstreifen irgendwann einem mehrere Kilometer langen LKW-“Parkplatz” wich waren wir heilfroh im Auto und nicht auf dem Rad zu sitzen. Scheinbar ist den Seitenstreifen und die halbe Straße zuparken nicht ganz so illegal wie in einem überfüllten Auto sitzen.

Kurz darauf war dann auch die angekündigte Polizei Kontrolle in Sicht. Unser Plan ging jedoch perfekt auf. Aussteigen, laufen, wieder einsteigen, kein Strafzettel, yeah!

Oh hey, Charles…

Mitten im Verkehr entdeckten wir irgendwann Charles, der er sich mit seinem Rad durch die Automassen und Abgase quälte. Wir beneideten ihn in diesem Moment absolut nicht, kurbelten aber natürlich das Fenster runter, um ihm zuzujubeln. Bevor Charles irgendwo im Verkehr verschwand, riefen wir ihm noch ein “Wir kaufen kaltes Bier und warten im Hostel!” zu.

Fast bis vor die Haustür!

Praktischerweise mussten die beiden Jungs den Kühlschrank, welcher ebenfalls auf der Ladefläche geparkt war, mitten im Zentrum abliefern. So fuhren sie uns letztlich fast bis vor die Tür unserer Unterkunft. Phänomenal! Wir bedankten uns ungefähr dreitausend Mal bei den beiden, da sie unseren Tag um ein vielfaches entspannter gemacht hatten.

Die Feste feiern, wie sie fallen: Ein Wiedersehen und ein Abschied

Während wir unsere Unterkunft suchten trafen wir erneut auf Charles. Es war uns ein Rätsel wie er es ebenfalls so schnell ins Zentrum geschafft hatte.

Wir hievten unsere Räder die Treppen des “Leta Libre” Hostels hoch, in welchem wir alle für einige Tage Betten gebucht hatten. Unser fünftes Wiedersehen feierten wir im Anschluss natürlich mit reichlich Essen und enormen Mengen an Bier auf der gemütlichen riesigen Terrasse des sehr kleinen, entspannten Hostels, das eher wie eine größere WG wirkte.

So vergingen mehrere Tage, da wir dieses Mal nicht nur das Wiedersehen mit Charles, sondern ebenfalls unseren Abschied feiern mussten. Beide Ereignisse erforderten natürlich mehr als nur einen Tag gemeinsames Bier trinken.

Während es für uns nach dem Aufenthalt in Asunción Richtung Westen (Argentinien und später nach Bolivien und Peru) gehen sollte, wollte Charles sich erneut auf gen Osten (zunächst weiter durch Paraguay und im Anschluss durch Brasilien) machen. Unsere Wege trennten sich somit endgültig – oder zumindest für den Reiseabschnitt Südamerika. Denn auch Charles möchte danach noch weiter mit dem Fahrrad gen Norden, da er nach Hause (Kanada) fährt. Vielleicht schaffen wir es mit sehr viel gutem Timing irgendwann erneut ihn viel weiter im Norden (Lateinamerikas) wiederzusehen. Bis dahin ist es jedoch noch ein verdammt langer Weg.

 

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