Gauchito Gil & der Nationalpark Pilcolmayo

  • Gauchito Gil & der Nationalpark Pilcolmayo
  • Gauchito Gil & der Nationalpark Pilcolmayo
  • Gauchito Gil & der Nationalpark Pilcolmayo
  • Gauchito Gil & der Nationalpark Pilcolmayo

Raus aus Asunción – aber wie?

Irgendwie haben wir es mit guten Plänen die an ihrer Umsetzung scheitern. Während unserer Tage in Asunción überlegten wir uns mit der Fähre aus Paraguay auszureisen. Uns gefiel die Idee, da wir so nur sehr wenige Kilometer durch den Stadtverkehr hätten zurücklegen müssen, denn von diesem hatten wir die Nase (seit Buenos Aires) gestrichen voll.

Wir beschlossen vorher beim Fährterminal anzurufen statt direkt mit Sack und Pack dorthin zu fahren, da wir gehört hatten, dass die Boote auch gerne mal wochenlang nicht fahren. Während des Telefonats stellte sich dann auch heraus, dass dies zur Zeit ebenfalls der Fall war. Vielleicht gibt es eine Fähre am Mittwoch oder Donnerstag oder irgendwann anders im Laufe der Woche, wurde uns gesagt. Auf diese Aussage wollten wir uns jedoch nicht verlassen, geschweige denn, ein paar Tage auf eine Fähre warten.

Victor, der Besitzer des Hostels in welchem wir uns gerade befanden, bekam unser Fähren-Dilemma mit. Eigentlich waren wir gerade dabei uns damit abzufinden, uns am nächsten Morgen wohl doch über den Landweg durch den wuseligen Hauptstadtverkehr zu quetschen. Überraschenderweise sagte Victor in diesem Moment jedoch: “Ich fahre morgen früh eh mit meiner Mutter zur Grenze, um in Argentinien einzukaufen. Ladet eure Räder doch einfach auf unseren Pickup, dann könnt ihr euch den Stadtverkehr ersparen.” Wir nahmen dieses Angebot gerne an, da der Weg nach Asunción hinein (aus dem Süden kommend) alles andere als schön gewesen war.

Wir verließen das Ballungsgebiet Asunción also sehr früh am nächsten Morgen mit Victor und seiner Mutter. Da wir bereits um 6 Uhr morgens im Auto saßen war die Strecke noch recht ruhig. Dennoch waren wir froh darüber super entspannt aus der Hauptstadt heraus zu kommen. Nach etwa 30 Kilometern standen wir an der Grenze.

Ein drittes Mal Argentinien

An diesem Morgen reisten wir auf dieser Reise ein drittes und letztes Mal in Argentinien ein. Wie auch schon die Male zuvor wurde unser Gepäck bei unserer Einreise nicht kontrolliert und es gab direkt einen Stempel in den Pass. So waren wir innerhalb von Minuten aus Paraguay aus- bzw. in Argentinien eingereist.

Wir verabschiedeten uns von Victor und seiner Mutter, welche sich auf den Weg zu ihrer Shopping-Tour machten. Auch wir blieben an diesem Tag noch in der argentinischen Grenzstadt Clorinda, denn wir hatten hier für eine Nacht Couchsurfing Hosts gefunden. Allerdings war es immer noch so früh, dass wir beschlossen noch ein bisschen Zeit totzuschlagen, bevor wir uns auf den Weg zu den beiden machten. Gegen 10.30 Uhr rollten wir dann zu unseren beiden Gastgebern Maria und Migue. Etwas später machten uns dann erneut auf in den Ort, um ein paar Dinge zu erledigen. Sprich: die letzten Verbleibenden paraguayischen Guaranies in argentinische Pesos tauschen, Ewigkeiten beim Bankautomaten anstehen um noch ein paar Pesos mehr zu abzuzapfen und die Essensvorräte für die nächsten Tage aufstocken.

Selbstgebrautes Bier, aber mieses Timing

Den Abend verbrachten wir mit unseren beiden Gastgebern, welche selbst leidenschaftliche Radfahrer waren. Migue und Maria nehmen seit vielen Jahren gerne an kleineren Rennen teil und machen in ihrer Freizeit gerne kürzere Touren. Zudem braut Migue eigenes Bier – allerdings war unser Timing leider sehr schlecht, sprich: Es war gerade keine Ladung Bier fertig und die letzte bereits komplett konsumiert. Reichlich gemeinsame Interessen und Gesprächsthemen hatten wir mit den beiden trotzdem.

So quatschten wir mit Migue unter anderem über unsere geplante Route, welche wir nach dem Gespräch noch einmal etwas anpassten. Denn natürlich hatte Radfahrer Migue noch ein paar Tipps die wir dankend annahmen und in unseren Plan einbauten.

Abends ging es noch gemeinsam mit Migue in Marias Pizzeria. Während wir Pizza futterten und mit Migue schnackten, stand Maria hinter der Theke und reichte ihrem Mann und uns ein Bier nach dem anderen. Bis obenhin vollgefressen und durchaus ganz gut angetüddelt mussten wir irgendwann sehr dringend ins Bett. Als wir zahlen wollten weigerte Maria sich Geld anzunehmen. “Nein, auf keinen Fall! Ihr seid eingeladen! Von euch möchte ich kein Geld!” Wie schon so oft auf unserer Reise waren wir erstaunt von so viel Gastfreundschaft. Zumal wir unsere bezaubernden Gastgeber für das gute Essen und ebenso gute Bier wirklich gerne bezahlt hätten.

Chaco – Tag 1

Am nächsten Vormittag ging es für uns ganz gemütlich weiter auf der wenig befahrenen Ruta Nacional 86. Nun durch die Ökoregion “Chaco”.

Die Strecke bis zu unserem Tagesziel, dem Nationalpark Pilcolmayo, war mit rund 50 Kilometern – der Großteil davon über Asphalt – nicht sonderlich weit. Steigungen waren weit und breit keine in Sicht und so rollten wir entspannt und dennoch recht schnell unsere wenigen Kilometer. Da wir es nicht eilig hatten, hielten wir zwischendurch dennoch für einen Bananen-Stop an einem Gauchito Gil Schrein.

Gauchito Gil – Schutzpatron und Volksheiliger

Bei Gauchito Gil handelt es sich um den Schutzpatron von Auto-, LKW-, Busfahrern. Er ist ein in Argentinien sehr beliebter Volksheiliger. Ihm zu ehren sind entlang argentinischer (Land-)Straßen (insbesondere im Norden des Landes) viele Schreine zu finden, die mit roten Bändern und Fahnen und Heiligenbildern geschmückt sind. Natürlich dürfen auch Opfergaben nicht fehlen. Letztere bestehen sehr oft aus Alkohol und Zigaretten.

Zudem ist es üblich zu hupen wenn man an einem Schrein vorbei fährt, um den Gauchito zu grüßen und um eine unfallfreie Fahrt zu bitten. Aufgrund der vielen existierenden Schreine hat man damit eine ganze Menge zu tun wenn man auf argentinischen Straßen unterwegs ist und dem Volksheiligen stets Hallo sagen möchte.

Die Legende: Patriotischer Soldat, Robin Hood und Heiliger

Die heute in großer Zahl existierenden Schreine gehen auf den den Gaucho und Landarbeiter Gil, genauer gesagt Antonio Mamerto Gil Núñez, zurück. Er wird als eine Art argentinischer Robin Hood sowie als patriotischer Soldat und zeitgleich auch als Heiliger verehrt. Klingt nach einer abgefahrenen Mischung, oder?

Der Legende nach ließ sich der 1840 in Mercedes (Provinz Corrientes) geborene Landarbeiter Gil auf eine Affäre mit der reichen Witwe Estrella Díaz de Miraflores ein. Die Brüder der Witwe fanden diese Liaison mit dem Landarbeiter, fernab angemessener gesellschaftlicher Kreise, wenig amüsant. Auch ein eifersüchtiger Polizist, welcher die reiche Dame wohl lieber in seinem Bett gesehen hätte, war nicht besonders begeistert von der Affäre. Er und die Brüder bezichtigten Gil also des Diebstahls – ein ausreichend guter Grund um den Gaucho zu suchen und ihn zu töten.

Man sagt, dass Gil dieser Jagd auf seine Person entgang indem er sich der Armee Anschloss und im Tripel-Allianz-Krieg gegen Paraguay kämpfte. Im späteren argentinischen Bürgerkrieg desertierte er gemeinsam mit einigen anderen Soldaten. Er wollte nicht gegen die eigenen Landsleute kämpfen, so die Geschichte. Gil und die anderen ehemaligen Soldaten versteckten sich im Wald. Dort begann die “Karriere” als argentinischer Robin Hood: Die Gruppe um Gil bestahl die Reichen um den Armen zu geben.

Sein Treiben fand irgendwann ein blutiges Ende. Er wurde am 8. Januar 1878 gefangen genommen und der Legende nach kopfüber an einen Baum gehängt, wo er baumelnd auf seinen Henker warten musste. Dieser schnitt ihm am gleichen Tag die Kehle durch. Bevor dies geschah soll der Gaucho zu seinem Henker sinngemäß folgendes gesagt haben: Wenn du zu mir betest, wird dein kranker Sohn gesund. Ansonsten wird er sterben.

Der Sohn des Henkers lag tatsächlich im sterben. Der Henker ließ entsprechend nichts unversucht. Er betete zu Gauchito Gil und sein Sohn wurde gesund. Als dank baute der Henker einen Schrein, wie jene, welche heute im ganzen Land zu finden sind. Dieser erste Schrein für ist heute eine Pilgerstätte, an welcher zum Todestag von Gauchito Gil jährlich ein Fest stattfindet.#

Parque Nacional Pilcolmayo und die Laguna Blanca

Doch zurück zu unserer Reise: Wir steuerten direkt den Campingplatz des Nationalparks an, welcher direkt an der Laguna Blanca liegt. Dort wurden wir von einem sehr netten Parkranger begrüßt, welcher uns anbot unsere Räder neben seiner Ranger-Hütte zu parken, während wir durch den Nationalpark spazieren. Zudem mussten wir uns, um im Park campen zu dürfen, noch kurz bei ihm registrieren.

Die Camping Area des Parks ist nicht sehr groß, aber wir hatten diese komplett für uns alleine. Außerdem gibt es Toiletten, Waschbecken, Grills, Tische und Bänke – und das alles komplett umsonst, wie in so vielen Nationalparks des Landes. Damit ist Argentinien, was Camper-Freundlichkeit angeht ganz schön weit vorne.

Die Wanderwege auf dieser (der östlichen) Seite der Laguna Blanca (es gibt einen zweiten Parkeingang auf der West-Seite) sind nicht besonders lang, dafür aber hübsch. Ein kurzer Loop führt durch den Wald. Dort entdeckten wir eine Brüllaffen Familie, welche – ihrem Namen alle Ehre machend – durch lauten Rabatz auf sich aufmerksam machten und rumbrüllten was das Zeug hielt.

Weitere Wege bzw. Stege führen entlang der Lagune und durch die daran angrenzende Sumpf- und Schilflandschaft. Hier gab es vor allem viele Vögel zu entdecken.

Nach unserem Spaziergang durch den Park kochten wir an diesem Abend ausnahmsweise mal auf Feuer statt auf unserem Kocher, welches wir auf einem der Grills mit totem Holz entzündeten. Im Anschluss verbrachten wir eine sehr ruhige Nacht auf “unserem” Campingplatz.


♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Unterstütze uns!*

Wenn du Lust hast unsere Radreise zu supporten, gibt es dafür verschiedene Möglichkeiten:

– Vorbestellung von einem selbstgemachten Schlüsselanhänger aus einer der Ketten mit denen wir derzeit tausende Kilometer durch Südamerika fahren. Sobald wir unsere Ketten tauschen, werden wir diese upcyclen, da wir unserem “Müll” gerne ein neues Leben einhauchen möchten. Ein kleines Stückchen unserer Reise kannst du im Anschluss erstehen und uns so helfen Spenden für unsere Fundraising Aktion für sauberes Trinkwasser zu sammeln. Mehr Infos findest du hier.

– Kaufe unser Buch “Outdoor Cooking – vegane Rezepte für den nächsten Roadtrip”  oder Sarahs erstes Buch “Vegan Guerilla – die Revolution beginnt in der Küche” . Einen kleinen Einblick in die Bücher findest du hier.

– Falls du dir gerade neue Ausrüstung zulegen möchtest, kaufe diese doch bei Globetrotter über unseren Partnerlink und wir bekommen eine kleine Provision dafür.

– Wenn du noch auf der Suche nach einer kostenlosen Kreditkarte bist, die du im Ausland ohne Gebühren nutzen kannst und die dir zusätzlich auch alle Fremdgebühren erstattet, nutze doch unseren Partnerlink zur Santander 1 Plus Visa KreditkarteWarum wir diese Kreditkarte nutzen erfährst du hier.

– Supporte unsere Reise & Hostinggebühren für diese Website mit einem kleinen Betrag via Kofi.

– Spende für unsere Fundraising Aktion für sauberes Trinkwasser & Viva con Agua de St. Pauli e.V. (gespendet Beträge gehen zu 100% an Viva con Agua. Du erhältst außerdem eine steuerlich absetzbare Spendenbescheinigung!)

– Wenn du selbst gerade einen Urlaub planst & Unterkünfte buchen möchtest, kannst du dies über unsere Booking bzw. Airbnb Empfehlungslinks tun. Über die Links erhälst du für deine erste Buchung bei Booking 15€ & bei Airbnb 25€ und wir erhalten ebenfalls eine Gutschrift über den gleichen Betrag. Du verreist günstiger und wir können ebenfalls einen entspannten Offday einlegen.

* Dieser Absatz enthält Werbung in Form von Markennennungen, Verlinkungen und Affiliatelinks.

Leave A Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.