Nebel, Frost und unfreundliche Nachbarn

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Planänderung!

Eigentlich wollten wir uns von San Martin de los Andes auf den Weg gen Norden und später über die Ruta 22 zum Atlantik machen. Da unser Gastgeber in San Martin aufgrund viel Verkehr jedoch von der Ruta 22 abriet und eine andere Route empfahl, änderten wir unseren Plan mal wieder spontan.

Statt in den Norden ging es für uns daher zunächst noch etwa 200 Kilometer auf der Ruta 40 weiter in Richtung Süden. Auf der Höhe von Bariloche wollten wir dann später die Ruta 23 statt der 22 zum Atlantik nehmen. In den 200 Kilometern zuvor stand nun jedoch erst einmal der argentinische Lake District und viele weitere wunderschöne Seen auf dem Programm.

San Martin de los Andes bis zum Lago Villarino

Unser Weg von San Martin bis zum Lago Villarino führte uns zunächst durch den Nationalpark Nahuel Huapi. Unsere Strecke führte uns fast den ganzen Tag leicht bergauf. Die Landschaft, welche an uns vorbei zog bestand an diesem Tag aus Seen, Flüssen, Bergen und Wäldern. Bei strahlendem Sonnenschein blies uns eisiger Wind ins Gesicht, während wir uns langsam weiter gen Süden bewegten.

Alle paar Kilometer lag eine Aussichtsplattform direkt neben der Straße. An zweien stoppten wir, um kleinen Snacks und hübsche Aussichten zu genießen. Auffallend, im Gegensatz zum chilenischen Lake District, welcher direkt auf der anderen Seite der Grenze liegt, war insbesondere, dass fast keiner der Seen von Häusern oder Ortschaften umgeben ist. Während an vielen der chilenischen Seen Dörfer oder Städte direkt am Ufer gebaut wurden und die meisten der Seen von Privatgrundstücken umzingelt sind, ließ sich auf der argentinischen Seite soweit das Auge reicht fast überall ausschließlich Natur erblicken.

Auch der Verkehr auf der legendären Ruta 40, die sich über 5194 Kilometer vom äußersten Süden Argentiniens bis in den hohen Norden des Landes entlang der Anden schlängelt, hielt sich in Grenzen. So blieb beim langsamen Steigungen hochfahren reichlich Zeit die Ausblicke zu genießen.

Camping Libre am Lago Villarino

Am Nachmittag erblickten wir von der Straße aus ein „Camping Libre“ Schild am Lago Villarino. Im Gegensatz zu anderen Stellen im Nationalpark darf auf der riesigen Wiese am See legal (und auch umsonst) gecampt werden. Wir entschieden, den restlichen Nachmittag und die Nacht am See zu verbringen.

Als wir unser Zelt aufstellten, rollte ein radreisendes Paar zu uns. Während wir noch mit den beiden RadfahrerInnen aus Argentinien und Uruguay schnackten, kam eine fünfköpfige Gruppe argentinischer Radreisender auf den Campingplatz. Später gesellte sich noch ein französisches Paar mit einem ausgebauten Bus zu uns. So viele Reisende überraschten uns, da wir „unsere“ Campingplätze am See in Chile fast immer komplett für uns alleine hatten.

It’s getting cold in here

Abends wurde es ziemlich schnell sehr frisch. So krochen wir nach dem Abendessen direkt in unser Zelt. Nachts wurde es trotz warmer Schlafsäcke ungemütlich kühl. Als wir am nächsten Morgen aus unserem Zelt krabbelten, bemerkten wir auch warum.

Während der Nacht hatte sich eine Schicht Eis auf Wiese, Zelt und Räder gelegt. Auch unser Wasser war teilweise gefroren.

Dicke Nebelschwaden zogen über die Landschaft und veränderten diese im Sekundentakt.

Im Laufe des Vormittags kämpfte die Sonne sich irgendwann gegen den überall hängenden Nebel durch. Während unser Zelt in der Sonne langsam trocknete, frühstückten wir in Ruhe. An diesem Tag machten wir uns erst Mittags auf den Weg, als es wieder wärmer und unser Zelt trocken war.

Weiter auf der Ruta 40 nach Villa la Angostura

Die Ruta 40 bot uns an diesem Tag ein ständiges Up and Down. Weiterhin durch wunderschöne Landschaften.

Auffallend hoch war die Frequenz mit welcher uns seit San Martin andere Fahrradreisende (und auch Motorradreisende) entgegen kamen. In unseren letzten Wochen in Chile hatten wir davon nur sehr selten welche erblickt. An unseren beiden Tagen auf der Ruta 40 waren es dutzende und somit wesentlich mehr als in zweieinhalb Monaten Chile.

Zugegebenermaßen ist der argentinische Lake District wirklich schön. Ein perfekter riesiger See folgt auf den nächsten. Nach dem Anblick dutzender malerischer Seen, Berge, Vulkane und kitschiger Sonnenuntergänge über ebendiesen, schienen uns wunderschöne Seen inzwischen allerdings irgendwie ein bisschen langweilig. So langsam musste einfach mal eine neue Landschaft her. Entsprechend freuten wir uns schon auf das Nichts, welches uns bald auf der Ruta 23 in der Ökoregion Pampa erwarten würde. Vorher standen jedoch noch ein paar Kilometer auf der Ruta 40 auf dem Programm.

Villa la Angostura

An diesem Tag fuhren wir bis in die Kleinstadt Villa la Angostura. Bei iOverlander hatten wir einige Wildcamping Spots entdeckt. Leider waren alle davon inzwischen Baustellen auf Privatgrundstücken. So entschieden wir uns dafür den (ebenfalls in der App eingetragenen) Campingplatz/Hostel „Refugio de Mochileros“ am Rande der Stadt aufzusuchen.

Angekommen an der Adresse kam uns eine Frau aus der Einfahrt des Grundstücks entgegen. Sie sagte, sie sei die Nachbarin. Außerdem hatte sie noch ein unfreundliches „Die haben geschlossen. Da ist keiner. Geht weg!“ für uns im Gepäck.

Also beschlossen wir die in der App angegebene Handynummer der Unterkunft anzurufen, um herauszufinden, ob wir dort vielleicht doch übernachten können. Der Sohn der Besitzerin war am Apparat. Er war zwar selbst nicht im Ort, aber versicherte uns, dass seine Mutter zuhause sei und wir dort schlafen könnten.

So gingen wir, trotz Aussage der Nachbarin, weiter aufs Grundstück. Neben dem „Refugio de Mochileros“, welches tatsächlich sehr geschlossen aussah, standen weitere kleine Häuser. Alle wirkten sehr einfach, arm, leicht heruntergekommen, aber bewohnt. Auf dem gemeinsamen Hof liegt Schrott und Müll. Neben einem der Häuser stand eine andere Nachbarin. Nachdem an der Unterkunft niemand auf unser Rufen reagiert, sprach ich die Frau an. Auch sie hat lediglich ein „Keine Ahnung ob die Nachbarn da sind, wir mögen die nicht.“ als Antwort für mich. Scheint eine bezaubernde Nachbarschaft zu sein.

Wir hatten trotzdem keine große Lust noch weiter einen Schlafplatz zu suchen. Also nochmal zum Haus, rufen, gegen die Tür hämmern und abwarten.

Kurz darauf öffnete sich die Tür tatsächlich. Eine verschlafene Frau stand vor uns. Für 150 argentinische Pesos pro Person konnten wir bei ihr unser Zelt aufschlagen und Dusche sowie Küche nutzen. Günstiger als auf den anderen (wenn auch schöneren) Campingplätzen des Ortes, welche etwa das doppelte verlangen. Im Gegensatz zu ihren Nachbarinnen scheint immerhin die Besitzerin sehr nett. Nach einer kurzen Unterhaltung machen wir es uns hinter dem Haus bequem. Während wir unser Zelt aufbauen, stellte sie uns selbstgemachten Apfelkompott und selbstgebackene Brötchen zum Probieren auf den Tisch. Wir freuten uns über die unerwartete kleine Portion Zucker vor dem Abendessen. Danach widmeten wir uns mal wieder unseren liebsten Hobbies nach dem Radfahren: noch mehr Essen und Schlafen.

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