Paraguays Backroads

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Des Radfahrers „bester Freund“: Kopfsteinpflaster

Nachdem wir unser Frühstück bestehend aus Haferflocken, Leinsamen, Nüssen und Rosinen verdrückt hatten, verabschiedeten wir uns sehr früh von unseren netten Gastgebern. Bis zu unserem Tagesziel sollten es zwar nur ca. 70km sein, aber Victor hatte uns am Abend noch darauf hingewiesen, dass knapp 55km der Strecke nicht asphaltiert wären.

Keinen Kilometer nach dem Ortsschild endete dann auch der Asphalt. Uns erwartete Kopfsteinpflaster – gepaart mit sehr viel Auf und Ab. Wie wahrscheinlich die meisten von euch wissen, ist Kopfsteinpflaster zum Radfahren ohnehin eher doof. Das paraguayische Kopfsteinpflaster ist zusätzlich mit vielen Schlaglöchern veredelt. Da half nur noch: Augen zu und durch bzw. sich möglichst auf dem schmalen Rand zwischen Pflastersteinen und Grasnarbe fortbewegen – zumindest immer dann, wenn dieser vorhanden war.

Ich habe mal eine Doku gesehen…

Nach ca. 15km kamen wir an einem kleinen Supermarkt vorbei und beschlossen unsere Vorräte an Obst aufzustocken. Während wir unsere Bananen in den Zwiebelnetzen am Oberrohr  verstauten, welche wir seit einigen Monaten für diesen Zweck mit uns führen, kam zunächst der Besitzer des Supermarktes auf uns zu. Kurz darauf versammelte sich die komplette Familie im Halbkreis um uns herum. Alle waren äußerst neugierig und interessierten sich sehr dafür was uns in diese sehr ländliche Gegend verschlug.

Der Supermarktbesitzer erzählte uns, dass er mal eine Dokumentation über Radreisende gesehen habe. Allerdings hatte er sich niemals vorstellen können, das Menschen wirklich so weit mit dem Rad reisen. Und erst recht nicht durch „sein Dorf“. Jedenfalls seien ihm noch nie Radreisende begegnet, fügte er hinzu, während er neugierig uns, unsere Räder und Taschen musterte.

Nachdem wir alle Fragen beantwortet und für das obligatorische „Beweisfoto“ mit allen hergehalten hatten (sonst glaubt im Dorf ja niemand, dass wir wirklich dort waren), verabschiedeten wir uns und setzten unseren Weg fort.

Soja, Raps und Hitze

Auch die nächsten Kilometer waren geprägt von riesigen Soja- und Rapsfeldern. Als Abwechslung gab es zwischendurch Mal Zuckerrohr. Dazu kam die Hitze von über 36 Grad.

Es ist ziemlich schwer vorstellbar, dass die gesamte Region noch vor ca. 40 Jahren aus dichtem Wald bestand. Von diesem ist heute nämlich weit und breit nichts mehr zu entdecken. Einzige Schattenplätze auf unserer Route waren, die ab und an am Wegrand stehenden, Bushaltestellen. An einer davon machen wir irgendwann Pause, verputzen die erbeuteten Bananen und fragten uns während dessen, ob an dieser Haltestelle im Nichts überhaupt jemals ein Bus vorbei kommt.

Ein kleiner Bonus nach 55km Kopfsteinpflaster

Nach über 50 Kilometern Kopfsteinpflaster hatten wir den ruckeligen Teil des Tages scheinbar endlich hinter uns. Es folgte ein kurzer Abschnitt fester Erdweg, welcher sich nach all dem Geruckel und Gerumpel fast wie Asphalt anfühlte. Jedenfalls rollte es sich plötzlich sehr gut.

Leider nur vorübergehend und wir bekamen nach dem kurzen Genuss direkt die nächste Kostprobe von Paraguays Straßen: Es folgte extrem loser Schotter und als abschließender Bonus noch tiefer weicher Sand.

Wenige Kilometer vor unserem Ziel war die Straße dann zum Glück wieder asphaltiert. Der Asphalt war zwar ebenfalls geprägt von Rissen, Hügelchen und Schlaglöchern, aber damit das perfekteste, was uns an diesem Tag untergekommen ist. Entsprechend verflogen die letzten Kilometer bis San Juan Nepomuceno. Inzwischen recht geschlaucht von dem ruckeligen, staubigen, sandigen und steinigen Ritt, freuten wir uns darüber sehr.

Jetzt nur noch einen Ort zum Schlafen finden…

Da wir uns nach dem heißen Tag sehr nach einer Dusche sehnten, machten wir uns auf die Suche nach einem Hotel. Unsere ersten zwei Stopps waren erfolglos. Wir standen vor geschlossenen Türen und auch auf unser Klopfen und Hände klatschen (das südamerikanische Klingeln sozusagen – da es Klingeln nur selten gibt, macht man sich meist mit Klatschen darauf aufmerksam, dass man reingelassen werden möchte) reagierte niemand.

Hotel Nummer drei war immerhin geöffnet, überstieg mit über 20 Euro pro Nacht aber unser selbst gesetztes Tagesbudget. So fragten wir nach einer günstigeren Alternative.

Dort kamen wir allerdings nie an, da wir auf dem Weg dorthin ein weiteres Hotel entdeckten. Da dieses ebenfalls geöffnet war, fragten wir auch hier. Für 80.000 paraguayische Guaranies (zu diesem Zeitpunkt etwa 11 Euro) wurde uns ein großes, sauberes Zimmer mit Kühlschrank, Balkon und eigenem Bad – inklusive heißem Wasser (keine Selbstverständlichkeit), Frühstück sowie WLAN angeboten. Wir erklärten unsere Quest somit für beendet und freuten uns über den unerwarteten “Luxus”. Die Zimmer, welche wir in anderen südamerikanischen Ländern auf unserer Reise bisher zu ähnlichen Preisen gebucht hatten, waren nämlich meist wesentlich kleiner und schlechter ausgestattet. Von Frühstück mal ganz zu schweigen.

Wir machten noch einen kurzen Ausflug in den gegenüberliegenden Supermarkt, um uns mit unseren Lieblingen auszustatten: Zutaten für ein schnelles Abendessen und Bier. Nachdem wir massenhaft rote Erde von unseren Körpern geschrubbt hatten, legten wir noch eine kleine Koch-Session auf dem Balkon ein und fielen wenig später erschöpft in unser bequemes Bett.

Als wir am nächsten Morgen die Gardinen unseres Zimmers öffneten begrüßte uns draußen reichlich Regen. Ohnehin noch geschafft von den „Premium-Wegen“ am Vortag beschlossen wir den Regen vor der Tür einfach Regen sein zu lassen und einen Off-Day in unserem bequemen Bett einzulegen.

Yeah, Sonne und Asphalt!

Unser Plan ging auf: Am nächsten Morgen hatten sich die fetten grauen Wolken verzogen und die Sonne schien uns wieder entgegen. Doch damit nicht genug: An diesem Tag gab es sogar wieder Asphalt unter die Reifen. Entsprechend verlief unser 80 Kilometer Ritt bis in den nächsten Ort Villarrica sehr entspannt. Die Landschaft änderte sich weiterhin kaum (Raps & Soja lassen grüßen) und so stoppten wir ausnahmsweise nicht so häufig zum Fotografieren.

Ein Feuerwehrauto aus der Heimat

Aufgrund unserer guten Erfahrung mit der Radreise-freundlichen Freiwilligen Feuerwehr in Südamerika steuerten wir in Villarrica zunächst die Wache der lokalen „Bomberos“ an.

Als erstes fiel uns hier das vor der Tür parkende Feuerwehrauto aus dem Kreis Rendsburg, dem Ort in welchem ich aufgewachsen bin, auf. Feuerwehrautos aus europäischen Ländern sind uns übrigens schon öfter auf unserer Reise begegnet. Das erste Mal fielen uns diese in der Feuerwehrwache in Oriente (Argentinien) auf, denn dort stand die ganze Halle voll mit ausgemusterten Autos aus verschiedenen europäischen Ländern. Vorher war uns nicht bewusst wohin es für die alten Karren der Feuerwehr geht. Nun wissen wir: Für sehr viele ist Südamerika das Ziel. Hier werden sie noch genutzt bis sie komplett auseinanderfallen.

„Das Auto aus Rendsburg ist bestimmt ein gutes Zeichen“ sagte ich zu Sarah. Damit hatte ich jedoch unrecht. Während einem kurzen, sehr freundlichen Gespräch mit den Freiwilligen erfuhren wir leider folgendes: Früher durften auf dem Gelände Radreisende nächtigen. Irgendwann waren jedoch mal zwei kleine Grüppchen Radreisender für eine Nacht dort und haben sich extrem rücksichtslos verhalten. Die Zelte standen den parkenden Feuerwehrautos im Weg und obendrein haben die Radreisenden sich lautstark die halbe Nacht gestritten. Seitdem haben die „Bomberos“ keinen Bock mehr auf Besuch von Radfahrern. Das ist natürlich verständlich. Unverständlich war für uns hingegen, dass man sich nicht rücksichtsvoll verhält, wenn man irgendwo aufgenommen wird und damit dann letztlich auch Gleichgesinnte (Radreisende) in den Dreck zieht.

Dann wohl doch was mieten

Da uns Villarrica zu wuselig und groß war, um uns zum Campen sicher zu erscheinen, wir aber auch keine Lust mehr hatten noch weiter aus dem Ort rauszufahren, machten wir uns auf die Suche nach einer Unterkunft.

Letztlich wurden wir in der Nähe des Busbahnhofs fündig. Das Zimmer war, im Vergleich zum Ort zuvor, ein ziemlich schäbiges – und wurde uns zunächst für 120.000 Guaranies angeboten (sprich für das 1,5-fache wie das wesentlich bessere Zimmer im Ort zuvor). Damit lag der Preis nicht nur um einiges über dem bei booking gefordertem Preis, sondern war – im Vergleich zum Vorort und dem was wir dafür bekommen sollten – auch ziemlich hoch gepokert. Da die Angestellte, welche uns das Zimmer gezeigt hatte, nicht verhandeln wollte (da sie vermutlich nicht durfte), fragten wir nach dem Besitzer. Dieser schien sich seiner übertriebenen Preis-Politik bewusst und grinste als wir ihn darauf hinwiesen, dass wir das Zimmer online billiger buchen könnten. So bot er uns an 80.000 zu zahlen. Im Vergleich zum Vortag immer noch kein guter Deal, aber einer, mit welchem wir gut leben und in der wuseligen Stadt vor allem auch gut schlafen konnten.

Der Besitzer der Unterkunft stellte sich letztlich als sehr interessiert an unserer Reiseart heraus. Unsere Räder durften wir in einem anderen Zimmer parken. Damit aber nicht genug: Während wir am nächsten Morgen unsere Räder beluden knipste er fröhlich diverse Fotos von uns, quetschte uns über unsere Reise aus und schenkte uns zum Abschied sogar noch ein Buch, welches er selbst geschrieben hatte.

 

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