Ratten vs. Ortlieb

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Conguillío – Melipeuco

Als der Nebel sich endlich lichtete und die Sonne langsam wieder heraus kam, legten wir direkt eine Snack-Pause am Straßenrand ein. Endlich wieder warm und sonnig! Im Anschluss folgte ein kleiner Gravel-Umweg über den Rio Trufu Trufu ein. Danach ging es weiter über Asphalt bis in den kleinen Ort Melipeuco.

In Melipeuco stoppten wir erneut. Nach einem kurzen Halt am Supermarkt machten wir es uns für ein paar Minuten auf einer Bank bequem. Während wir einen weiteren kleinen Snack mümmelten, checkten wir die Karte auf der Suche nach potentiellen Wildcamping Spots in der Region. Zwar finden sich in Melipeuco so einige Unterkünfte, aber nach den verhältnismäßig teuren Tagen im Nationalpark (aufgrund des Eintrittspreises sowie Preises des Campingplatzes), wollten wir nicht schon wieder für unseren Zeltplatz bezahlen. Bei iOverlander entdeckten wir einen eingetragenen Wildcamping Spot am Ufer des Rio Allipén. Aufgrund der vielen Zäune in der Region beschlossen wir uns diesen anzuschauen und nahmen dafür gerne einen weiteren kleinen Umweg in Kauf.

Auf der Suche nach einem Platz für die Nacht

Nachdem wir unsere Nasen für eine knappe halbe Stunde in den Gegenwind gehalten hatten, erreichten wir den eingetragen Ort. Dieser sagte uns nicht zu, da er Nahe der Straße lag und somit leider keinerlei Sichtschutz bot. Verstecktere Camping-Spots gefallen uns wesentlich besser, da wir einerseits gerne unsere Ruhe haben und andererseits auch keine Lust, Nachts ständig von Scheinwerfern, welche von der Straße in unser Zelt leuchten, geweckt zu werden. Da es noch recht früher Nachmittag war, machten wir uns auf die Suche nach einem schöneren Platz.

In der Nähe entdeckten wir einen kleinen Feldweg, der in Richtung Wasser führte. Wir folgten dem Weg, welcher uns zunächst an haufenweise Müll vorbei führte. Die Natur mit Müllhalden zu verwechseln gehört auch in Chile leider zum guten Ton und so schmeißen zu viele ihren Müll einfach an irgendeiner Ecke raus oder lassen diesen, z.B. beim Campen, einfach in der Natur liegen. Ziemlich traurig, denn eine Mülltüte dabei zu haben und diese gefüllt wieder mit bis zu einem Mülleimer zu nehmen sollte ja eigentlich nicht so schwer sein.

Wildcamping am Rio Allipén

Ein paar Meter weiter erblickten wir einen großen Platz nahe des Flusses, welcher nicht umzäunt war. Auf diesem waren gerade ein paar Locals mit ihrem Auto unterwegs, weshalb wir unser Zelt nicht direkt aufbauten, sondern es uns erst einmal in einer Ecke bequem machten. Da wir immer noch nicht direkt am Fluss waren und eine Böschung uns von diesem trennte, erkundete ich die Gegend zu Fuß auf der Suche nach einem Zugang zum Wasser. Zufällig entdeckte ich dabei einen kleinen Pfad, welcher direkt zum Ufer führte.

Am Ufer angekommen, erblickte ich ein wunderbares Plätzchen für unser Zelt: Nicht zugänglich für Autos und groß genug, um dort Zelt sowie Räder unterzubringen. Auch eine Feuerstelle war an dem komplett versteckten gemütlichen Platz bereits vorhanden. Die Aussicht auf den gegenüberliegenden Vulkan Llaima war ebenfalls nicht zu verachten. So schoben wir unsere Räder kurz darauf den winzigen Weg durch tiefen Sand und über viele Steine hinauf, um unser Zelt direkt am Fluss aufzuschlagen. Solltet ihr mal in der Gegend auf der Suche nach einem Ort für eine Nacht sein: die Koordinaten unseres Camping-Spots haben wir bei iOverlander hinzugefügt.

Nach einem üppigen, mal wieder vor allem aus Linsen bestehenden, Abendessen mit Blick auf den Fluss, krochen wir als es dunkel wurde in unser Zelt.

Als wir am nächsten Morgen unsere Sachen auf die Räder luden, erzählte mir Olli, dass er in der letzten Nacht ein seltsames Rascheln wahrgenommen hatte. Nachdem er sich sicher war, dass keine Menschen in der Nähe waren, hatte er dieses jedoch ignoriert und weiter geschlafen.

Neuer Tag, neues Camping-Glück im Land der Zäune

An diesem Tag ging es für uns zunächst zurück auf die Landstraße in Richtung Temuco. In dem Dorf Los Laureles stoppten wir, um unsere Essensvorräte aufzufüllen und auf dem Platz des Ortes Mittag zu essen. Danach bogen wir auf die S-69 ab, welche uns nun wieder weiter in Richtung Süden führte. Aufgrund diverser Höhenmeter und einer ordentlichen Ladung Gegenwind hatten wir nach etwa 60 Kilometern recht lahme Beine und bogen auf die S-503 ab, als ein Schild am Straßenrand einen Campingplatz versprach.

Leider geschlossen – Die Off-Season lässt grüßen

Ein paar Kilometer später standen wir vor einem verschlossenen Tor. Off-Season lässt grüßen. Mehrfach versuchten wir vergeblich die am Tor angebrachte chilenische Telefonnummer anzurufen. Es hob niemand ab. Da unsere Umgebung mal wieder ausschließlich Zäune hergab und wir keine große Lust hatten die verbleibenden 30 Kilometer inklusive vielen Höhenmetern bis Villarrica noch an diesem Tag zu fahren, suchten wir nach einer Alternative.

Gegenüber des Campingplatzes standen eine handvoll Häuser und wir machten uns auf die Suche nach ihren Bewohnern. Nach einigen lauten „Hola“ rufen kam eine alte Frau aus einem der Häuser. Wir fragten, ob es möglich sei am Eingang der winzigen Siedlung unser Zelt aufzuschlagen. Sie verneinte, sagte jedoch, wir sollen warten und ging zurück in ihr Haus. Kurz darauf kam sie zurück und sagte, wir sollen ihr folgen. Sie führte uns zielstrebig zum Campingplatz und öffnete das verschlossene Tor. Währenddessen erzählte sie, dass der Platz ihrer Tochter gehöre und diese scheinbar keine Lust hätte an ihr Telefon zu gehen. Die alte Dame schloss uns noch kurz die Toiletten auf. Auf Nachfrage öffnete sich auch nochmal kurz den zum Campingplatz dazugehörigen Laden und verkaufte uns zusätzlich noch ein paar Biere. Die Nacht kostete uns 3500 Pesos pro Person. Für Chile ein recht fairer Preis, zumal der Campingplatz uns an diesem Abend alleine gehörte – mit Ausnahme eines verfressenen Schweins, welches sich über den Platz mampfte.

Wer hat meine Ortlieb gefressen?

Als ich meine beiden Fronttaschen, in welchen wir unser Essen aufbewahren, abnahm, entdeckte ich ein riesiges Loch in einer der beiden Taschen. Da ich ohnehin schon „hangry“ war, teilte ich dies Olli extrem genervt mit. Ich überlegte kurz, aber war sehr sicher, dass ich nirgends hängen geblieben war. Zumal es ganz schön schwierig gewesen wäre, mit „kurz irgendwo hängen bleiben“ ein fast 10cm langes und halb so breites Loch in die sehr stabilen Taschen zu fräsen.
Bei genauerem betrachten hatte das Loch auch einen anderen Ursprung: Zähne. Hier waren kleine fiese Nager am Werk. Nach kurzer Untersuchung fanden wir auch auf der Oberseite der Tasche Bissspuren. Plötzlich ging uns ein Licht auf: Die Geräusche von letzter Nacht. Scheinbar hatte Olli gehört, wie Ratten versuchen sich in meine Tasche zu fressen.

Zum Glück hatten die kleinen Biester es nicht geschafft sich von oben Zugang zur Tasche zu verschaffen. Auch unten hatten sie Pech, da sie dort nur eine große verschlossene Tupperdose vorfanden und scheinbar aufgaben, als sie diese entdeckten. So hatten wir immerhin noch unser Essen und vor allem wieder etwas gelernt: Essenstaschen bleiben ab sofort nicht mehr am Rad hängen, sondern werden über Nacht, wenn möglich, in Ratten-sicherer Entfernung in einen Baum gehängt.

Während wir unsere vier Biere schlürften und ich unser Abendessen zubereitete, machte sich Olli an die Reparatur der zerbissenen Tasche. Mit Hilfe eines alten Fahrradschlauches, Seamgrip, Zwirn und einer stabilen Nadel war das Loch einigermaßen schnell wieder geflickt.

An diesem Abend lauschten wir, statt sich durch meine Ortlieb knabbernden Nagern, weiterhin dem mampfenden Schwein. Zum Glück hatte unser neuer verfressener Kumpel jedoch weniger Interesse an unserem Equipment als die Biester aus der Nacht zuvor.

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