Streetart und Puelche

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Von einem Ende des Lago Panguipulli zum anderen

In unseren Essenstaschen herrschte immer noch gähnende Leere. Nachdem wir die vorhandenen Reste mit Blick auf den Lago Panguipulli aufgemümmelt hatten, machten wir uns entsprechend auf den Weg in den kleinen Ort Choshuenco.

Auf der Strecke dorthin begegnete uns viele Radfahrer, scheinbar alle aus unterschiedlichen Ländern. Kurz darauf erfuhren wir den Grund: Natürlich ein Ausflug für Touristen. Selbstverständlich mit Begleitfahrzeug, welches alle paar Kilometer auf die Gruppe wartete. An einem der Stopps überholten wir die etwa 15-köpfige Gruppe und freuten uns diebisch darüber, dass wir die Menschen ohne Gepäck mit unseren schwer beladenen Drahteseln für diverse Kilometer abhängen konnten. Nach einer Weile holte uns ein sehr gut trainierter Mann auf einem ziemlich schnieken Rennrad rein. Wie sich herausstellte, der Guide der Gruppe. Er war neugierig auf unsere Reise und fuhr ein Weilchen auf einen Schnack neben uns her.

Da wir bergauf dann doch etwas langsamer waren als einige der anderen Touristen auf ihren unbeladenen Rennrädern begegneten wir dem Grüppchen noch mehrfach bis wir unser Ziel Choshuenco erreichten. Dort ging auch die Reise der Ausflugsgruppe hin. Der kleine, aber feine Unterschied: Jeder der TeilnehmerInnen hatte zuvor rund 40000 chilenische Pesos für einen Tagesausflug auf dem Rad geblecht.

Choshuenco

Angekommen in dem aus wenigen Straßen bestehendem Dorf stellten wir fest: Mist, Sonntag! Der Supermarkt in dem winzigen Kaff war geschlossen. Dafür war die Botilleria (Laden, der Alkohol und andere Getränke verkauft) geöffnet. Wir kauften also erst einmal zwei Bier. Ist ja quasi auch Essen. Außerdem nutzten wir die Gelegenheit und fragten den Besitzer, ob wir irgendwo die Chance hätten heute noch etwas essbares zu kaufen. Er nannte uns zwei winzige Läden und sagte, dass diese eventuell geöffnet sein könnten.

Wir hatten Glück. Ein winziger Laden war auf. So konnten wir noch überteuerte Nudeln, eine Zwiebel sowie Tomatensauce ergattern. Da wir ein paar Tage in Choshuenco blieben, durften wir später noch feststellen, dass generell alle Lebensmittel an diesem kleinen Ort fernab von allem wesentlich teurer sind als in den etwas größeren Ortschaften des Landes.

Ausgerüstet mit Bier und Nudeln machten wir uns auf zum Strand. Unser Ziel für den Tag: viel Zeit vertrödeln. Wir hatten nämlich vorab via Couchsurfing eine Schlafgelegenheit gefunden. Unser Host war jedoch noch in der Stadt Temuco unterwegs und konnte uns deshalb erst am Abend empfangen.

Am Strand entdeckten wir ein altes Schiffswrack. Da es verdammt windig war, ließen wir uns im Windschatten des Wracks nieder. Dort schmissen wir später unseren Kocher an. Erst einmal gab es aber einen Bier-Aperitif.

Als ich um das Schiff herumspazierte, fiel mir direkt ein Graffiti auf: Ein Schriftzug „Atiendelämente“ sowie ein Gesicht. Wie der Zufall es so will, erfuhren wir später, was es damit auf sich hat. Vorher gab es jedoch Nudeln und mehr Bier.

Gegen 19 Uhr war dann auch unser Gastgeber Gabo in der Stadt. Bei ihm angekommen bemerkten wir sofort, dass auch in seinem Wohnzimmer ähnliche Zeichnung wie an dem Schiffswrack zu finden waren. Während wir gemeinsam aßen, noch ein paar Drinks zu uns nahmen und bis in die Nacht quatschten, erzählte er uns den Grund dafür: „Atiendelämente“ ist sein Alias und das Gesicht einer der Character, welcher er überall seit Jahren malt. Vor ein paar Jahren ist er aus Temuco in den kleinen Ort gezogen, um dort einen Job anzunehmen. Um sich in dem Dorf zuhause zu fühlen, musste er direkt seine Kunst auf dem Schiffswrack hinterlassen.

Statt geplanter zwei Nächte blieben wir letztlich drei Nächte bei Gabo, auch wenn es in Choshuenco nicht wahnsinnig viel zu tun gibt. So verbrachten wir drei faule Tage mit Spaziergängen durch den Ort sowie zu einem kleinen Wasserfall und lange Abende am See, mit gemeinsamen Kochen und vielen Gesprächen über Musik und Graffiti.

Am letzten Abend fragte ich Gabo, ob es Lust hätte, eine meiner Ortlieb-Taschen zu verschönern. Hatte er zum Glück! An diesem Abend malte er stundenlang konzentriert auf meiner Tasche herum und hinterließ dort zwei seiner Figuren. Nun reist er mit uns um die Welt.

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns von unserem wunderbaren letztem Gastgeber in Chile und machten uns auf in Richtung Argentinien.

Choshuenco – Lago Pirihueico

Wir verließen Choshuenco bereits gegen 9 Uhr, da wir um 13.30 Uhr am Lago Pirihueico die Fähre erwischen wollten. Die Abfahrtszeiten hatten wir zuvor auf der Website recherchiert. Zwar war der Weg nicht sonderlich weit, aber die Berge angeblich sehr steil und „mit dem Fahrrad bestimmt kaum zu fahren“. Entsprechend machten wir uns sehr zeitig auf den Weg. Später stellten wir fest, dass besagte Berge im Vergleich zu den Steigungen, welche wir in den letzten Wochen erklommen hatten, ein Scherz waren.

Dafür war der Gegenwind umso stärker. Föhnwinde werden in Chile als „Puelche“ bezeichnet. Wenn Puelche für drei Tage über die bergigen Landschaften der Region weht, so sagt man, gibt es im Anschluss starken Regen. Zum Glück verließ uns der Wind Puelche am Abend wieder, als wir unser Ziel erreichten. Auf dem kompletten Weg zur Fähre blies er uns jedoch so stark entgegen, dass wir selten mehr als 15 km/h erreichten.

Aufgrund der hohen Lebensmittelpreise in Choshuenco legten wir zudem einen Stop in Neltume ein, um dort einzukaufen. Der Ort ist nicht viel größer als Choshuenco, die Auswahl an Lebensmitteln sowie Preise sind dafür aber minimal besser. Wir stockten unseren Vorrat mit Nudeln, Tomatensauce, Keksen, Erbsen und Mais aus der Dose sowie Weizengraupen auf. Frische Lebensmittel mit über die Grenze zu nehmen ist nämlich verboten.

Trotz Wind, Bergen und Einkauf kamen wir früher als erwartet in Puerto Fuy an. Wir rollten trotzdem direkt zum Fährterminal. Der dortige Aushang bestätigte die Abfahrt um 13.30 Uhr. Als ich am Schalter zwei Tickets kaufen wollte, wurde mir jedoch mitgeteilt, dass die Fähre um 13.30 Uhr nicht mehr existiert. Entsprechend mussten wir auf die nächste Fähre warten, welche um 15.30 abfährt. Karten für die Fähre konnten wir ebenfalls nicht direkt kaufen und sollten um 14.30 Uhr wiederkommen. Auch weitere Fähren, welche laut Website angeblich bis Anfang April fahren, fuhren bereits nicht mehr, obwohl es gerade Ende März war. Da es keine alternative Route um den See herum gibt, hieß es also: „Abwarten und Tee trinken“. Puerto Fuy ist nicht sonderlich groß und hat entsprechend wenig zu bieten. Also warteten wir einfach am See direkt neben dem Fährterminal.

Um 14.30 durften wir dann tatsächlich unsere Tickets für die Überfahrt über den Lago Pirihueico kaufen. Die Kosten für die Fahrradmitnahme sind mit rund 4450 chilenischen Pesos etwas günstiger als die Preise für Motorräder. Pro Person kommen zudem knapp 980 chilenische Pesos für das Ticket hinzu.

 

Um 15.30 Uhr ging es dann endlich auf die Fähre. Die Überfahrt über den sehr langen, aber extrem schmalen See, dauerte 1,5 Stunden. Mit an Bord war auch ein Motorradreisender aus Holland, mit welchem wir kurz quatschten. Irgendwann machten wir es uns auf den Sitzen in der Fähre bequem und schliefen direkt ein.

Olli weckte mich, als die Fähre anhielt. Ich bin sehr schlecht darin tagsüber zu schlafen und wurde entsprechend völlig verwirrt wach. Wo zur Hölle bin ich und was ist hier los? Im Halbschlaf rollten wir von der Fähre herunter. Hätte Olli nicht im Weg gestanden wäre ich kurz darauf vermutlich, immer noch mehr oder weniger schlafend, eine Mauer herunter ins Wasser gefahren.

Zwar war Olli etwas zurechnungsfähiger als ich, aber da das Ufer zum campen einlud und es nun ohnehin schon 17.00 Uhr war, beschlossen wir eine letzte Nacht in Chile zu verbringen. Statt weiterfahren hieß es daher Nudeln kochen und früh ins Bett.

Lago Pirihueico – Huahum (Grenze)

Unsere letzten 12 Kilometer in Chile führten uns mal wieder über Gravel. Unser erstes Ziel an diesem Tag war die Grenze Huahum. Wir haben uns für diesen Grenzübergang entschieden, da er, im Gegensatz zu weiter südlich zu findenden Grenzen, nicht sehr stark frequentiert ist. Schließlich ist Huahum nur mit einer Fährfahrt erreichbar. Entsprechend wird auch der Weg dorthin nur von wenigen Autos und sehr selten von Lkws befahren. Andere Radreisende hatten uns zuvor erzählt, dass der nächste südliche Pass, welchen wir mit unserem nur noch zwei Wochen gültigem Visum noch hätten erreichen können, im Vergleich extrem stark befahren und wenig schön ist.

Angekommen an der chilenischen Seite der Grenze holten wir uns zunächst unseren Ausreisestempel. Aufgrund unserer Räder mussten wir danach noch zu einem anderen Schalter. Das Gespräch, welches wir dort führten, war in etwa wie folgt: „Seid ihr mit euren Rädern eingereist?“- „Ja, in Santiago, mit dem Flugzeug.“ – „Dann brauche ich eure Papiere, dass ihr die Fahrräder eingeführt habt.“ „Hat uns niemand gegeben.“ „Das ist natürlich blöd, da hättet ihr einen Zettel bekommen sollen, den ich euch jetzt abnehmen müsste. Na egal, nächstes Mal. Tschüss.“

Ich grinste in mich hinein. Ach, Lateinamerika. Unzählige Male habe ich ähnliche Gespräche bereits als Rucksackreisende an diversen süd- und zentralamerikanischen Grenzen geführt. Immer hätte irgendwer dir irgendwo irgendeinen Zettel geben sollen. Manchmal versucht einer, dir dafür eine Strafe aufzuhalsen. Manchmal, wie an diesem Tag, aber eben auch nicht.

Wir stiegen wieder auf unsere Räder. Nach einem letzten Foto an der chilenischen Seite der Grenze hieß es dann wirklich: Auf nach Argentinien, auf zu neuen Abenteuern!

 

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