Tallbikes und Wursthunde

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Pläne schmieden, Pläne ändern

Während wir in Necochea bei einem Bierchen über Couchsurfing scrollten, entdeckten wir in Miramar einen Gastgeber, welcher Tallbikes bastelt. Eigentlich hatten wir gerade beschlossen, auf direkterem Wege (durchs Innland), in Richtung Buenos Aires zu radeln.

Das, an der Küste gelegene, Städtchen Miramar lag entsprechend nicht auf unserer Route. Wir schickten dennoch eine Anfrage an Juan. Als wir wenig später eine positive Antwort erhielten, warfen wir unsere Minuten zuvor geschmiedeten Pläne direkt wieder über Bord. Für eine kleine Tallbike Tour waren wir gerne bereit rund 100 Kilometer Umweg in Kauf zu nehmen!

Von Necochea nach Miramar

Am nächsten Morgen machten wir uns auf den gut 100 Kilometer langen Weg nach Miramar. Zunächst ging es über die asphaltierte Ruta Provincial 88. Nicht nur der Gegenwind nervte an diesem Tag. Viel mehr an unseren Nerven zehrten die viel zu vielen Autos und LKWs, welche, mal wieder, viel zu schnell und oft zu nah an uns vorbei düsten.

Als wir nach knapp 70 Kilometern eine Bushaltestelle erblickten, welche uns Windschatten bot, beschlossen wir dort eine Essenspause einzulegen. Gegenüber erblickten wir eine Gravel Road. Auch diese führte in Richtung Miramar und bedeutete kaum einen Umweg. Schnell waren wir uns einig, lieber den sehr steinigen, leicht matschigen Weg auszuprobieren, statt auch nur einen weiteren Kilometer über die Ruta 88 zu fahren. Kurz darauf stellten wir fest: Gute Entscheidung, denn hier hatten wir wenigstens unsere Ruhe.

Nach knapp 20 Kilometern über Gravel erreichten wir das kleine Fischerdorf Mar del Sur. Der steinige Erdweg entdete hier und führte auf die Ruta Provincial 11. Auch diese war nur wenig befahren und wir genossen entspannt über die, nun wieder asphaltierte, Straße zu rollen. Diese war beidseitig von hohem Schilf, Feldern und Wäldern gesäumt.

Hola Miramar!

Gegen 18 Uhr kamen wir mit der Dämmerung in Miramar bei Juan an. Damit wir sein Haus direkt erkennen hatte er extra ein Tallbike vor seiner Tür geparkt. Juan, seine zwei Dackel sowie zwei größere Hunde begrüßten uns allesamt sehr herzlich. Dazu bekamen wir direkt ein Gläschen Wein in die Hand gedrückt. Wunderbar.

Och nö, Regen!

Am nächsten Tag regnete es leider durchgehend recht stark vor sich hin. Unser Tallbike Ausflug fiel daher ins Wasser.

Eigentlich wollten wir am Morgen danach bereits wieder abreisen. Allerdings waren wir uns auch mit Juan einig: Ohne seine Tallbikes zu testen und mit ihm gemeinsam durch den Ort zu radeln, können wir auf keinen Fall abreisen. Aus geplanten zwei wurden daher mal wieder drei Nächte und wir verschoben unsere gemeinsame Radtour auf den nächsten Tag.

Auf Tallbikes aufsteigen? Gar nicht mal so einfach!

Am nächsten Morgen war der Himmel wieder strahlend blau. Auf gehts, ab gehts! Tallbikes testen! Aber: erst einmal aufsteigen lernen.

Letzteres fiel mir mit meinen 1,86m und (dank meines Jobs als kletternder Beleuchter) wesentlich einfacher als Sarah. Nach wenigen Versuchen hatte ich den Dreh raus und schwang mich recht sicher auf das schätzungsweise 2 Meter hohe grüne Tallbike von Juan.

Obwohl Sarahs Tallbike etwas niedriger war (ihr mit ihren 1,69m aber immer noch über ihren Kopf ragte), versagte sie beim Aufsteigen kläglich. Um alleine aufzusteigen hätte Sarah wohl noch ein paar Wochen länger in Miramar bleiben müssen. Zum Glück musste sie dies jedoch nicht lernen, um auch auf hohem Ross an der Tour teilzunehmen. So brauchte sie zwar einen menschlichen Tallbike-Halter während des aufsteigens, aber das macht ja nichts. Immerhin war es etwas einfacher wieder von dem Teil runter zu kommen.

Nach einer kurzen Testrunde, durch die Straße in welcher Juan wohnt, stand unserem Ausflug nun nichts mehr im Wege.

Tallbike Tour durch Miramar

Im Westen des Städtchens erstreckt sich ein großer Park in Richtung Küste. Dort radelten wir hin, um in aller Ruhe und ohne Verkehr ein paar Runden über die Erdwege des Parks zu drehen.

Im Gepäck hatten wir auch die beiden bezaubernden Dackel von Juan. Diese heißen auf Spanisch übrigens “Perro Salsicha” – heißt soviel wie “Wursthund”. Die beiden Racker haben auf Juans grünem Tallbike unten eine Kiste, in welcher sie immer mit ihm umherdüsen. Bald geht es für die drei sogar gemeinsam auf Radreise. Auch Juans ältester Hund, welche bereits 18 Jahre alt ist (!), darf in einem Anhänger mit. (Hund Nummer vier, welchen wir am ersten Tag kennenlernten gehört zu einer Freundin von Juan). Ein ziemlich cooles Gespann: ein Tallbike, ein Zweibeiner und drei Vierbeiner. Gerne würden wir die vier auf unserer Radreise irgendwo später noch einmal wieder treffen.

Doch zurück zur Tallbike-Tour: Wir hatten wahnsinnig viel Spaß. Die Aussicht von so einem hohen Rad ist wirklich abgefahren, auch wenn es – zumindest wenn man ein normal hohes Rad gewöhnt ist – anfangs etwas gruselig ist, dass der Boden so weit weg ist. Schnell hatten wir uns jedoch daran gewöhnt und genossen den Tag auf den etwas anderen Rädern.

Lässt sich so ein Tallbike genauso fahren wie ein normales Rad?

Aufgrund des sehr hohen Schwerpunktes der Tallbikes sind diese dann doch etwas anders zu fahren als die Räder auf welchen wir sonst sitzen. Bemerkbar macht sich dies besonders bei niedriger Geschwindigkeit. Auch matschiger, weicherer Untergrund stellte ein größeres Hindernis dar, als wir es gewohnt sind.

Beide sind wir jeweils einmal von unseren hohen Rössern gefallen. Sarah einmal als der Untergrund zu matschig war und sie deshalb zu langsam wurde. Mich holte es vom Rad als ich versuchte wie Juan während der auf dem Rad herum zu klettern und ich ausversehen dabei die Rücktrittsbremse betätigte. Die paar blauen Flecken war der Ausflug aber auf jeden Fall wert. Wir haben jedenfalls große Lust uns irgendwann – nach unserer Rückkehr – auch Tallbikes zu basteln.

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