Zu Gast im Motorcross-Zirkus

  • Zu Gast im Motorcross-Zirkus
  • Zu Gast im Motorcross-Zirkus
  • Zu Gast im Motorcross-Zirkus

Tag 4 auf der 23: Patagonische Winde

Nachdem wir uns von Ezequiel verabschiedet hatten, radelten wir noch ein paar Stunden weiter. Dank nun durchgehend asphaltierter Straße nun sogar wesentlich schneller als an den Tagen zuvor.

Der Wind war an diesem Tag besonders stark und trug einen weiteren Teil zu unserer Geschwindigkeit bei. Zum Glück kamen die kalten Winde mal wieder von hinten. Unseren Plan später irgendwo zu campen warfen wir aufgrund der heftigen Windböen dennoch über Board. Auch an eine ernsthafte Essenspause war aus dem gleichen Grund nicht zu denken.

Da der Wind immer mehr zunahm stoppten wir nach 75 Kilometern am frühen Nachmittag im Dorf Maquinchao. Auch im Dorf war es so windig, dass wir unseren Snack-Versuch nach wenigen Minuten aufgaben. So cancelten wir unsere Mittagspause und machen uns erst einmal auf die Suche nach einem Windschutz.

Schon wieder Siesta!

Natürlich war es gerade etwa 14 Uhr. Siesta-Time, natürlich alles geschlossen. Aufgrund unserer guten Erfahrung mit gelangweilten Dorfcops in Pilcaniyeu versuchen wir es einfach bei der Polizei. Scheinbar legen diese als Einzige im Dorf keine Siesta ein. Wir fragten, ob wir eventuell in der Sporthalle übernachten dürfen. Wie auch in den Orten davor, scheint hierfür die Erlaubnis der Gemeinde von Nöten zu sein. Nach einem kurzen Telefonat nannte uns die Polizistin einen Ort, an welchen wir einen Mitarbeiter der Gemeinde treffen sollten.

Kurz darauf begrüßte uns der Sportbeauftragte des Ortes vor dem Rathaus. Er bringt uns in die zwei Blocks entfernte Sporthalle. Gerne teilt er den Angestellten dort mit, dass wir den Nachmittag und auch die Nacht dort verbringen dürfen. Als der kalte Wind im Verlauf des Tages und Abends noch wesentlich stärker wurde, waren wir hierüber sehr froh. Im Zelt hätten wir in dieser Nacht wohl kaum ein Auge zubekommen.

Stattdessen lagen wir erneut in einem Schlafsaal, welcher mit vielen Betten für anreisende Gastmannschaften bestückt ist. Auch hier ist eine Küche für Mitarbeiter vorhanden, welche wir, ebenso wie die heißen Duschen, nutzen durften. So sind wir ziemlich dankbar für die kluge Idee mit lokalen Sporthallen, auf welche uns Michaela am Tag zuvor gebracht hatte. Vorher hatten wir diese als Übernachtungsmöglichkeit nicht in Betracht gezogen. In den kleinen Dörfern entlang der Ruta 23 scheinen diese Radreisenden häufig offen zu stehen, sofern vorab eine Erlaubnis bei der Gemeinde eingeholt wird.

Tag 5 auf der Ruta 23: Los Menucos

Auch an unserem dritten Tag auf der Ruta 23 hatten wieder Glück mit dem Wind und kamen somit flink vor ran. Die knapp 80km bis Los Menucos flogen nur so an uns vorbei und nach ca. drei Stunden war das Dorf bereits am Horizont zu sehen. In der Pampa stört ja auch nichts den Blick.

Umso näher wir dem Dorf kamen, desto größer wurde auch die Staubwolke die über dem Dorf hing. Während wir uns den Dorf näherten erkannten wir auch dem Grund für die riesige Staubwolke. Anscheinend wurde gerade ein Motorrad-Rennen veranstaltet.

Später erfuhren wir, dass an dem zweitägigen Rennen nicht nur Motorräder, sondern auch Beach Buggys und Autos teilnehmen.

Das Rennen wird 10 Mal im Jahr monatlich veranstaltet. In zwei Wintermonaten wird eine kleine Pause eingelegt. Die Austragungsorte wechseln immer zwischen den Dörfern der Ruta 23.

Natürlich geht bei dem mehrstündigen Rennen über Gravel auch gerne mal etwas kaputt.

Am Ortsschild wurden wir von einer Polizistin gestoppt. Selbige bat uns freundlich doch bitte unsere Lampen anzuschalten. Wir waren uns zwar einig, dass unsere kleinen Anstecklampen am helllichten Tag nicht wirklich einen Unterschied machen würden, aber wenn es von der Polizei gewünscht wird, befolgt man dies lieber statt zu diskutieren. Somit radelten wir die letzten Meter bis ins Dorf mit Licht weiter.

Da wir im letzten Dorf auch mit offenen Armen in der Turnhalle begrüßt worden waren, beschlossen wir auch hier bei der Gemeinde nachzufragen. Am Rathaus angekommen mussten wir leider feststellen, dass am Samstag anscheinend niemand in der Behörde arbeitet.

Somit suchten wir auf Maps.me nach der örtlichen Sporthalle und radelten dort hin. Zu unserem Glück war die Turnhalle geöffnet und vor der Tür stand eine junge Frau. Auf unsere Frage ob wir vielleicht in der Turnhalle nächtigen könnten, lachte sie und sagte, dass sie normalerweise dafür die Erlaubnis der Gemeinde einholen müsste, wir aber erstmal mit reinkommen sollten. Als wir die Halle betraten erkannten wir auch warum sie lachen musste. Es standen in der gesamten Halle nämlich bereist etliche Zelt. Sie erklärte uns, dass ein viele der Motorradfahrer ebenfalls in der Halle nächtigen.

Nachdem wir uns kurz in eine Liste der Gäste eingetragen hatten suchten wir uns einen Platz zwischen den anderen Zelten. Mit Hilfe eines Seils und unserer Räder konnten wir unser geliebtes Hilleberg-Zelt auch ohne Heringe aufstellen.

Als nächstes suchten wir den lokalen Supermarkt auf und setzten uns vor die Halle um eine riesige Portion Ravioli zu kochen. Während wir genüsslich unsere Nudeln ins uns hinein mampften, trudelten die ersten Motorradfahrer ein. Man begrüßte uns freundlich und staunte ziemlich darüber, dass wir aus Chile mit dem Fahrrad bis hier her gefahren waren. Etwas später kam extra wegen uns noch die Bürgermeisterin vorbei. Auch sie begrüßte uns sehr herzlich, fragte nach unseren weiteren Plänen und bot uns nach kurzer Zeit an, dass wir auch gerne in eine andere Unterkunft der Stadt umziehen könnten. Sie sagte: “Hier werdet ihr keine Ruhe finden. Normalerweise feiern die Fahrer bis spät in die Nacht und ihr habt ja morgen einen sehr weiten Weg bis zum nächsten Dorf mit euren Rädern vor euch.”

Somit packten wir unser Zelt wieder ein und zogen in ein kleines zwei Zimmer-Apartment auf der Rückseite der Halle um. Am nächsten Morgen bekamen wir von der Betreuerin der Halle noch heißes Wasser für unser Frühstück, tauschten kurz Facebook-Kontakte aus und verabschiedeten uns nach einem gemeinsamen Foto von ihr und ihrem Ehemann.


Leave A Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.